laut.de-Kritik

Wenn sie heute nicht sterben, dann leben sie noch morgen.

Review von

Die enorme Outputfrequenz, die Blokkmonsta und KDM Shey an den Tag legen - und vor allem ihr Hang zur lyrischen Gewalt - lassen es eigentlich unvorstellbar erscheinen, dass dies ihr erstes gemeinsames Album ist. Während die Konstellation des Projektes für mich ausschlaggebend für meine Vorfreude war, stören sich einige immens an ihr. Oft las ich unter den Singles, dass der Stil der Tracks für schlecht befunden werde. Gerade langjährige Horrorcore-Fans zeigen sich dabei kritisch, wenn es um die Weiterentwicklung des Genres und die Experimentierfreudigkeit der Künstler geht.

Amüsant daran ist, dass die modernen Einflüsse einen Großteil des softeren Publikums gar nicht erst erreichen werden. Textlich ist "Ein Dadash Kommt Selten Allein" nämlich immer noch alles andere als radiotauglich. Es mag zwar zutreffen, dass das Album zeitgemäßer klingt, als manch einer sich das wünscht, aber zu sagen, dass auf irgendwelche Hypetrains aufgesprungen wird, entbehrt jeder Logik. Obwohl die beiden sich in ähnlichen Kreisen bewegen, merkt man definitiv, dass die Zielgruppen zum Teil unterschiedlicher kaum sein könnten. Vor Sheys Entwicklung von Sheytan zu KDM Shey wäre "Ein Dadash Kommt Selten Allein" für viele vermutlich in die Horrorcore-Annalen eingegangen. Nun gibt es elf Tracks, an denen sich die Hörer scheiden. "Sein halber Kopf war weg, ich dachte, ich übergebe mich."

Blokkmonsta bewegt sich nach seinem Album "Blokkmonsta" ein weiteres Mal aus seiner Komfortzone und passt sich dem Style von KDM Shey deutlich mehr an als umgekehrt. Hauptsächlich wird das an den Autotune-Einflüssen und einer etwas weniger brachialen, aber trotzdem markanten Stimme, deutlich. Doch auch die Vocals sind zum Teil vielfältiger als auf einem herkömmlichen Release des Hirntot Gründers. Den ein oder anderen wird es sicherlich freuen, dass die Stimme zuweilen eher nach der von Dr. Faustus als nach der von Blokkmonsta klingt. Dadurch, dass auch Shey gerne stimmlich variiert, wird das Hören nie langweilig.

Textlich muss man jedoch abwägen, ob man sich über 35 Minuten anhören möchte, was einen Dadash ausmacht oder was passiert, wenn man sich illoyal gegenüber seinen Brüdern verhält. An den Tiefgang von "Gott Ist Tot" der Zombiez kommt "Ein Dadash Kommt Selten Allein" nicht heran. Das soll es aber auch gar nicht, und daran lässt sich wunderbar verdeutlichen, wie vielfältig die Nische des Horrorcore mittlerweile geworden ist. In der damaligen Zeit zu verharren, bringt rein gar nichts. Wer den alten Stuff vermisst, greift besser ins CD Regal.

Die Kumpane auf den aktuellen, räuberischen Streifzügen sind Fruchtmax, GPC, Moneymaxxx, Schwartz, Rako und KDM Karat. Für den ersten gemeinsamen Coup gehen die beiden keine Risiken ein. Persönliche Empfindungen sind bekanntlich eine Sache für sich, ich hätte mir allerdings auch noch eine Künstlerin wie Haiyti auf "Im Telefon" gut vorstellen können. Insbesondere der Refrain klingt maßgeschneidert für sie. Shey und sie haben ja bereits mehrmals zusammen gearbeitet. Abgesehen davon gibt es aber nichts zu bemängeln. Crystal F, Tamas oder Nils Davis hätten sich natürlich gut eingefügt, aber ein möglicher zweiter Teil braucht schließlich auch noch ein paar Mittäter.

Als fast schon unscheinbares Highlight schleicht sich "Ohne Uns" ein. Gemeinsam mit GPC und Moneymaxxx behandeln die Protagonisten den Tod und dessen Bedeutung. Der ruhige Beat greift sofort. Spätestens wenn die unterschiedlichen Stimmfarben einsetzen, verliert man sich tatsächlich in dem ein oder anderen Gedanken. Ob der kriminelle Lebensweg wirklich vorgezeichnet ist, sei dahingestellt, aber die Frage, was nach dem eigenen Ende wartet, fasziniert uns bekanntlich nicht erst seit gestern. Es wäre gar nicht nötig gewesen, das Album um eine derartige Facette zu erweitern, so bleibt neben den zahlreichen fiktiven Leichen aber auch noch inhaltlich etwas übrig. Dessen ungeachtet, konnte ich mir bei, "Tod kennt kein Alter, wenn Tod noch vor Geburt eintrifft. Tochter kam zur Welt, doch hat nie das Licht der Welt erblickt", ein Grinsen nicht verkneifen.

Wie man das Album unbeschadet übersteht? Den Kopf unten halten, die Glock laden und spätestens nach dem zweiten Durchgang den Head bangen. Irgendwie finde ich den Begriff eines auditiven Shooters ziemlich passend. Wer sich die Mühe macht und zählt, wie viele Gegner durchlöchert werden, hat meinen vollsten Respekt. Erwartet jemand bei dem Duo etwas anderes? Lieber ein lockeres Release, auf dem unzählige Magazine gewechselt werden, als eines, dem klanglich die Durchschlagskraft fehlt.

Trackliste

  1. 1. 45er ACP
  2. 2. Monster Mit Verlängerung
  3. 3. Im Telefon
  4. 4. Ein Dadash Kommt Selten Allein
  5. 5. Ich Liebe Sie
  6. 6. Dirty Dancing (feat. Fruchtmax)
  7. 7. Schießen & Schweigen
  8. 8. Entscheide Dich
  9. 9. Es Kommt Wie Es Kommt
  10. 10. Ohne Uns (feat. GPC & Moneymaxxx)
  11. 11. Ein Dadash Kommt Selten Allein (RMX) (feat. Schwartz, Rako & KDM Karat)

Videos

Video Video wird geladen ...

8 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    in 13 jahren hörnchenhaftem fanboitum habe ich es nie in erwägung gezogen, dass blokk mal auf laut.de 4 punkte klar macht. jetzt habe ich alles gesehen. ausführlichere einlassung folgt morgen

    • Vor 2 Monaten

      grundsätzlich natürlich eine erfreuliche entwicklung. wobei die bewertung wohl anders ausgefällt, wenn die realkeeperfraktion um miss fromm hier tätig geworden wäre...

  • Vor 2 Monaten

    Lukki seine Nase muss noch bluten von dem Koka, ansonsten kann ich mir die 4/5 nicht erklären. Blokki war reimtechnisch schon immer Grundschulniveau und dieser KDM hört sich an wie die Katzen die bei Postal als Schalldämpfer benutzt werden. Soundtechnisch gehts klar.

    Wie man das Album unbeschadet übersteht? Die Glock laden und auf die Boxen ballern und hoffen, dass einen ein Querschläger erwischt.

  • Vor 2 Monaten

    Ungehört 1/5. Musik für Wutbürger-Sodi!