Porträt

laut.de-Biographie

Ashnikko

Ein gutes Image ist schon die halbe Miete. Die Rapperin Ashnikko erfüllt diese These. Allerdings ist Image bei ihr wohl archaischer gefasst, als man den Begriff ansonsten verstehen würde: Denkt man hier an komplizierte Charaktere, Themen, Gimmicks, ist das Image von Ashnikko rein optisch schon gänzlich umrissen: Gigantische, blaue Haare, ein paar Lolita- und Splatter-Elemente, Ästhetik zwischen der Tumblr- und E-Girl-Generation und eine gehörige Portion Extraness. Alles an der Frau scheint zu kommunizieren: 'Guckt mich an, ich bin cra-ha-zy'.

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Was ziemlich albern und gewollt rüberkommen könnte, macht Ashnikko aber brillant, indem ihre Musik das versprochene Crazy auch einhält. Die Frau hat ziemlichen Dampf auf dem Kessel und rappt sich mit viralem Song über viralen Song ins Bild, und das immer ein bisschen abseits des vorgegebenen Pfads.

Dabei klingt schon ihre Lebensgeschichte eigenwillig: Als Kind junger Eltern wächst sie zwar in den USA auf, allerdings widmet sich ihr Vater bald wieder seinen Studien und nimmt die Familie kurzerhand mit ins Auslandssemester. Das führt sie erst nach Estland, und später nach Lettland, wo die Umstellung von Amerika auf Osteuropa einen gehörigen Kulturschock bergen dürfte. Eine Zeit lang ist Ashnikko die einzige US-amerikanische Schülerin in ganz Lettland.

Von dort aus zieht sie nach London, wo sie sich konsequent und autodidaktisch in die Musikszene vorarbeitet. Schon immer an Ausdruck, Poesie und Obszönität interessiert, findet sie schnell ihre Ästhetik und ihren Vibe, trifft talentierte Designer und Produzenten und macht sich daran, ihr eigenes kreatives Standbein aufzubauen. Dass ihre erste Single 2016 direkt mit Produktion von Diplo-Schützling Raf Riley auf Soundcloud online geht, hilft da sicher. Er sitzt auch für die Debüt-EP "Sass Pancakes" an den Reglern.

2018 folgt die nächste EP "Unlikeable", die mit Kodie Shane auch prompt eine semi-prominente US-Rapperin als Feature enthält. Immer noch bratzig, obszön und campig treten nun aber Themen wie Feminismus und soziale Gerechtigkeit etwas mehr in den Vordergrund, so dass der Messagesong "Invitation" ein kleiner Überraschungserfolg wird. Die wirkliche Viralität stellt sich aber erst 2019 ein, als die EP "Hi, It's Me" den wirklichen Smash liefert.

"Stupid", eine Featurenummer mit Young Money-Schützling Yung Baby Tate findet Anklang im Herz des Zoomer-Nexus: TikTok stürzt sich wie verrückt auf die verspielt aggressive Nummer, Ashnikko steht kurz davor, in die Charts zu entern – bis auf den ersten Rang der Bubbling Under-Charts schafft es der Song, also den ehrenwerten Platz 101 – bevor das Internet die nächste Sau durchs Dorf treibt. Auch der Titeltrack "Hi, It's Me" und "Working Bitch" schlagen Wellen. Wenn auch kein großer Durchbruch reicht es für internationale Aufmerksamkeit - und den Support-Slot bei Danny Brown.

So ganz recht scheint die junge Frau selbst noch nicht zu wissen, wo sie in die Rap- oder Pop-Welt hingehört. Es gibt viele Möglichkeiten, Ashnikko zu verorten, dass diese aber so immens weit auseinanderdriften, bedeutet wohl, dass Ashnikko wohl doch einen recht eigenen Charakter hat. Manche nennen Rico Nasty, andere Die Antwoord, andere Melanie Martinez. Jeder Vergleich ergibt ein wenig Sinn, aber auch nicht mehr. Es liegt viel kreatives Potential in Ashnikko, eine eigene Marke. Spannend zu sehen, wohin ihre Reise geht.

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