laut.de-Kritik

Her mit der Reim-Brechstange!

Review von

"Würden Bela B. und Campino zusammen uneheliche Kinder zeugen, wären dabei diese Jungs rausgekommen", behauptet der Promo-Text. Sollte das wirklich stimmen, würden Bela und Campino ihre Söhne entweder verstoßen oder sich zumindest in Grund und Boden schämen. Nicht wegen ihrer Musik, sondern eher wegen der miesen Texte.

"Wir begraben deine Traurigkeit und sagen hallo, zu der neuen Heiterkeit und die beginnt hier so." Meine Herren, her mit der Reim-Brechstange. "Wir können alles schaffen, wir müssen es nur machen." Achja, danke für den tollen Tipp. "Wir machen nur das, was uns gefällt. Gehen einfach fröhlich durch die Welt." Also bitte, langsam reicht's doch. Durch die Texte ziehen sich penetranter Optimismus und aufdringliche Fröhlichkeit, verpackt in holprige Reime und die immer gleichen Wörter und Themen: Genieß den Moment, Jubdadi!

Das zerstört das komplette Album. Dabei hätte die drei Jungs mit dem blöden Bandnamen durchaus Potential. Also rein musikalisch. Andi, Oli und Philipp haben ihr Punkrock-ABC gelernt: Zweistimmiger Gesang? Allerdings. Rotzige Stimme? Aber hallo. Power-Chords-Gekloppe? Sogar ein bisschen mehr! Zwei ruhige Lieder über Liebe oder das Fehlen davon? Ja: "Sonnenschein" bzw. "Mach die Augen auf".

Na, da haben wir ja alles zusammen, was man braucht, um Teenager-Herzen höher schlagen zu lassen. Man orientiert sich also fröhlich an Millencolin, Blink 182, den Toten Hosen, den Ärzten und Konsorten. Das ist nicht einfallsreich oder neu, aber es funktioniert, ist gut gespielt und macht Laune. Immerhin haben die Jungs auch ein paar eigene Ideen, recht knackige Riffs und sind radiotauglich produziert.

Das war es dann aber auch schon. Die Platte hätte ganz nett werden können, wenn die Texte nicht so nerven würden. Dann doch lieber die neue Itchy Poopzkid-Platte einlegen, die ist sowohl einfalls- als auch geistreicher.

Trackliste

  1. 1. Jede Sekunde
  2. 2. Wir Können Alles Schaffen
  3. 3. Meine Welt
  4. 4. Hey Ho
  5. 5. Supermann
  6. 6. Sonnenschein
  7. 7. Mach die Augen Auf
  8. 8. Jakobsweg
  9. 9. Helge
  10. 10. Vom Gewinnen Und Verlieren
  11. 11. Hilf Mir

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LAUT.DE-PORTRÄT AndiOliPhilipp

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3 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Also viel schlimmer als dieser Erguss : Lass die Leute reden und lächle einfach mild / Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild /
    Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht /
    Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.

    klingt das für mich nun auch nicht. deutschrockrotz halt.

  • Vor 11 Jahren

    @drocc (« Also viel schlimmer als dieser Erguss : Lass die Leute reden und lächle einfach mild / Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild /
    Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht /
    Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.

    klingt das für mich nun auch nicht. deutschrockrotz halt. »):

    Nunja, aber wenn du deutschsprachiger Rockmusik grundsätzlich nix abgewinnen kannst ... warum machst du dir dann die Mühe, dazu nen Kommentar zu schreiben und extra den Text von "Lasse redn" rauszusuchen?
    Ich meine, im Endeffekt ist alles eine Frage der Hörgewohnheit. Englisch ist nicht per se die bessere Sprache für Songtexte. Aber englische Texte sind für Nicht-Muttersprachler einfach oftmals schwieriger zu verstehen. Logischerweise. Ob sie deshalb aber gleich tiefgründiger (=besser?) sind, als deutsche Texte?
    Ich höre viel und gerne deutschsprachige Musik. Und das von dir genannte Zitat ist eine meiner Lieblingstextzeilen von Farin Urlaub. Ob man das Lied dazu jetzt mag oder nicht (ich mags persönlich eher weniger), gute Texte gibts auch in Deutsch.