Porträt

laut.de-Biographie

6ix9ine

Es ist quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass der Typ, der 2017 in einem viralen Meme als "Endboss der Soundcloud-Rapper" durchs Netz geistert, prompt mit seiner ersten Single frontal durch die Decke schießt. Und ja, selbst den Veteranen der Soundcloud-Obskurität dürfte der erste visuelle Eindruck von 6ix9ine (manchmal auch Teka$hi69, in Anlehnung an den Anime-Faible des Mannes) ein beherztes "Was zur Hölle ist das denn für eine Gestalt?" abgerungen haben.

6ix9ine: Belastendes Material auf eigenem Handy
6ix9ine Belastendes Material auf eigenem Handy
Dumm gelaufen: Ermittler finden belastende Fotos und Videos auf 6ix9ines Smartphone.
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Lange Haare in allen Farben des Regenbogens, knallbunte Grills, die Zahl 69 am ganzen Körper und im Gesicht tätowiert, ein rotes Bandana und ein grünes Mexiko-Trikot. Und dann steht dieser hellhäutige, etwas gebückte Sonderling, der aussieht, als hätte Fat Joe ein Pack Skittles geschwängert, vor einem guten Dutzend mit Waffen posierender schwarzer Gangmitglieder und brüllt in einem zweiminütigen Song das N-Wort durch die Gegend, als wäre es sein letzter Tag auf Erden.

"Gummo" schafft es auf Platz 12 der Billboard-Charts und wird somit direkt auf den ersten Anlauf der größte Hit des jungen Rappers. Mit Instrumental von Pi'erre Bourne, der bisher zum Beispiel auch für Lil Uzi Vert, 21 Savage und Playboi Carti Hits geliefert hat, fasst die Single auch ganz gut zusammen, was 6ix9ine zu einem der interessanteren Rapper macht: Der Energiepegel von diesem Jungen befindet sich konstant auf 180 und Tracks, die im Grunde nur aus Geschrei bestehen, hat zuletzt Lil Jon so catchy gerappt.

2017 und 2018 gehen erfolgreich weiter, auch die Nachfolge-Singles "Kooda" und "KeKe" - was auch immer ihre Titel bedeuten sollen – schlagen sich solide in den Charts und verhelfen Tekashi zu einem viralen Lauf. Sein Debutprojekt "Day 69" setzt er auf Februar an, gemeinsam mit breiter Medienberichterstattung und der schweren Kontroverse um seinen Namen scheint ihm die Aufmerksamkeit nahezu garantiert.

6ix9ine - Dummy Boy
6ix9ine Dummy Boy
Das kalkulierte Playlist-Futter eines Social Media-Trolls.
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Musikalisch verbindet 6ix9ine moderne Trap-Strömungen mit Vocals aus der Crunk-Ära und einem Hauch von desorientiertem Soundcloud Lo-Fi. Die kleinen Blitzer von Melodien und sehr griffigen Flowpattern geben seinem chaotischen Eindruck zumeist dennoch einen strukturierteren Boden, wodurch viele Songs tatsächlich einen überraschend hohen Wiederhörwert entwickeln. In Kombination damit sorgt sein obskures Erscheinungsbild wohl für den Motor eines der größten viralen Phänomene des Jahres 2017.

Große Kontroversen überschatten allerdings den Erfolg des Rappers. Der schwerwiegendste Vorwurf besteht weder in seinem losen Umgang mit belasteten Begriffen oder seiner etwas wahllosen Fehde mit Zeitgenosse Trippie Redd, sondern der schon lange im Raum schwelende Gerichtsprozess darüber, dass 6ix9ine in seiner Vergangenheit Sex mit einem zu der Zeit dreizehnjährigen Mädchen gehabt und ebendiesen dann auf Kamera festgehalten haben soll. Zwar gibt es bislang kein endgültiges Urteil und seine Verteidigung beharrt weiterhin darauf, dass der Rapper zum Zeitpunkt des Vergehens selbst minderjährig gewesen sei, dennoch bleibt die Assoziation bestehen und scheint auch den Kontakt zu größeren Plattenlabels zu erschweren.

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6ix9ine - Dummy Boy: Album-Cover
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2018 Dummy Boy

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Dem Soundcloud-Emporkömmling fehlt es an Ideen. (0 Kommentare)

Surftipps

  • Soundcloud

    6ix9ine auf Soundcloud

    https://soundcloud.com/scumgang6ix9ine
  • Instagram

    6ix9ines Instagram

    https://www.instagram.com/6ix9ine_/?hl=de

2 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Tekashi hat auch was Gutes, schließlich konnte er die N-Wort Debatte in den USA _endlich_ beenden.

    In Deutschland werden Norberts währendessen wieder ihre Betten nässen, wenn ein Weißbrot wie DCVDNS respektvoll aus dem Original zitiert.

  • Vor einem Monat

    Wie bitte, was???? Die N-Wort-Debatte beendet? Ich lebe seit fast 15 Jahren in den USA, und kann Dir sagen, die ist keineswegs beendet, und wird es vermutlich auch nie sein. Abgesehen davon kann ich nur sagen: Einem Typen, der so aussieht, auf der Straße zu begegnen, erzeugt hier bei allen vernunftbegabten Leuten eine einzige Reaktion: schnellstens die Straßenseite wechseln und das Pfefferspray (oder auch großkalibrigeres, wenn vorhanden) entsichern. Sicher ist sicher.

    • Vor einem Monat

      Scheint ja ein großer Aufreger zu sein in den Staaten, wenn man als hellhäutiger Amerikaner pausenlos das Wort "nigga" brüllen kann und damit zu einem der meist gehyptetsten Artists im Land wird, ohne einen einzigen wirklichen "N-Wort" Skandal oder ähnliches und gefühlt 90% schwarzem Support. :confused:

      Natürlich ist die N-Wort Debatte damit nicht beendet, da wollte der Nutzer-57366 wohl bloß provozieren. ;)

    • Vor einem Monat

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Monat

      Naja, zum Glück ist der Vogel inzwischen gebannt.