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Lupe Fiasco
Food & Liquor


LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Lumpige 80.000 Einheiten von Lupe Fiascos Debüt gingen in den USA in der ersten Woche über den Ladentisch - nicht die erste Enttäuschung, die der 25-jährige Rapper in seiner kurzen Karriere erlebt. "Food & Liquor" wurde wenige Monate vor Veröffentlichung so heftig gebootlegt, dass Atlantic den Release kurzerhand verschob. Bester Beweis für einen flammenden Hype, über den sich schlussendlich, dank magerer Verkaufszahlen, die Bosse von Atlantic Records leider nicht freuen können. Nichtsdestotrotz gab und gibt es den Hype zu Recht, denn Lupe Fiasco liefert ein verdammt interessantes Erstlingswerk ab.

Wie einst Kanye West, der auf "The College Dropout" "the first Nigga with a Benz and a Backpack" war und damit die Gegensätze Player und Prediger zusammen führte, verschmelzen im Newcomer Fiasco verschiedene ganz konträre Facetten. Fiasco ist der Fashion-Fan mit Reebok-Sneakerdeal, gleichermaßen aber auch der bebrillte Computer-Nerd. Der Rapper erfüllt spielerisch jedes Underground-Klischee, nur um überraschend auf einem Neptunes-Beat zu glänzen. Der Chicagoer fährt mit seinem Skateboard zum nächsten Louis Vuitton-Shop, um sich dort mit Kanye West zum shoppen zu treffen. Der bekennende Muslim nennt sich "American Terrorist", philosophiert sich durch die afroamerikanische Geschichte und tagträumt im nächsten Moment von einem Pool voller Champagner und barbusiger Frauen.

Neben dieser Vielseitigkeit sammelt Lupe aber vor allem als ein Styler vor dem Herren Sympathien. Nach den vernachlässigbaren ersten drei Tracks liefert "Kick, Push" dafür den besten Beweis. Auf klassischem Boombap rappt er eine Ode auf sein Skateboard und liefert mit seiner nicht ganz alltäglichen Stimme eine großartige Skateboardhymne in Rapform. Auf "I Gotcha" gibt es einmal mehr einen dieser magischen Neptunes-Momente, wenn sich Piano-Loop und schräges Akkordeon im Takt wiegen. Mike Shinoda zimmert in Folge einen Trademark Linkin Park-Beat zusammen, auf den Lupe jedoch - neben dem wahrscheinlich schlechtesten Kanye West-Instrumental aller Zeiten ("The Cool") - gut und gerne auch nach der Bootleg-Überarbeitung hätte verzichten können.

Diese Ausfälle bestätigen aber nur, dass Fiasco die großen Namen nicht braucht. Vielmehr brillieren auf "Food & Liquor" die unbekannten Produzenten aus Lupes 1st & 15th-Labelumfeld. Soundtrakk und Prolyfic legen Soul-Samples auf Kick und Snare ("He Say She Say"), lassen Basslines mit warmen Synthesizern tänzeln ("Sunshine") und bereiten Lupe damit den perfekten Nährboden für seine intelligenten Wortspielereien. Für "Daydreamin'" verwurstet Craig Kallman Dave Mackays Original mit James Bond-Streichern und schafft so mit Unterstützung des Protagonisten und Neo Soul-Chanteuse Jill Scott einen der besten Songs der Platte.

Hörbar stellt Lupe Fiasco auf "Food & Liquor" vor allem sich selbst in das Rampenlicht. Dabei agiert er aber nicht als selbstverliebter Scheinwerfer-Junkie, sondern eher wie der kleine Junge von nebenan, der vor allem Spaß an der Sache hat. Das wirkt so natürlich, dass man fast den Auftritt von Jay-Z überhören will, der nicht wirklich große Vorfreude auf seine Rückkehr macht ("Pressure"). Trotzdem ein Auftritt, der einem Ritterschlag gleich kommt. Zumal Lupe vor gar nicht allzu langer Zeit Hovas Def Jam-Angebot abgelehnt hat.

Der Jigga hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, Lupe als Executive Producer seinen Segen zu geben. Lupe bedankt sich bei ihm und bei seinen unzähligen Unterstützern artig auf einem monströsen, 12-minütigen Outro, dessen Beat ich liebend gerne mit richtigen Raps von Lupe hören würde ...

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