laut.de-Kritik

Elfmal "Verstrahlt", frei von Emotion, Dramatik oder Wortwitz.

Review von

Knapp ein Jahr nach seinem ersten Nummer-eins-Hit veröffentlicht der Mann, der aus den "Lila Wolken" fiel, seinen ersten Longplayer. Doch egal wie man es dreht und wendet, man kommt gar nicht daran vorbei, "Weltraumtourist" mit Marterias "Zum Glück In Die Zukunft" zu vergleichen. Zu sehr ähneln sich beide Alben dank der exzellenten The Krauts-Produktion und den Mitwirkenden. Die Abwechslung geht aber bei aller Finesse verloren. Yashas Debüt bietet elf "Verstrahlt"-Variationen. Nur "Telefon" zieht vom Tempo ein wenig an.

Das größte Problem stellt jedoch ausgerechnet die Besetzung der Hauptrolle dar. Über eine besonderes beachtliche oder charismatische Gesangsstimme verfügt Yasha nicht, rappen ist aber auch nicht so wirklich seins. Viel mehr bedient er beide Elemente im Mittelmaß. Er kann nichts überragend, das aber überragend gut.

Wo Marteria mit seiner Liebe zu Sprache, mit Wortspielereien und Doppeldeutigkeiten brilliert, füllt Yasha den Platz mit leeren Worthülsen. Er entführt uns an Allgemeinplätze, wie in die auf und ab fahrende Achterbahn, an den Strand und ans Telefon. Obacht, sonst landen wir noch beim Discounter um die Ecke oder gehen mit ihm Brötchen holen. In ganz verwegeneren Momenten schafft er es bis ins "Wunderland". Der Eintritt kostet den Verstand.

Bis auf wenige Ausnahmen ("Penthouse", "5 Minuten Gott", "Telefon", "Weltraumtourist") steht das Vierergespann Yasha Cohen, David 'Monk' Cohen ("Stadtaffe"), Mario Wesser und ausgerechnet Marten Laciny (Marteria) hinter den Texten. Die vier anderen Tracks bieten leichte Variationen unter der Zuhilfenahme von Olli Otubanjo. Was die fünf Herren zusammenschustern, kommt zum großen Teil Arbeitsverweigerung gleich. Das Wissen, dass es zumindest ein Teil von ihnen viel, viel besser kann, macht die Ausbeute nicht besser.

Anstatt in ferne Galaxien geht es in "Weltraumtourist" dann doch eher Richtung Westernhagens "Wieder Hier". "Doch ich bin wieder zurück / ich war viel zu lange weg / Bin wieder zurück / Hab' mich viel zu lang versteckt." Für aufgeplusterte Nichtigkeiten, die besonders tiefgründig klingen möchten, war man in Deutschland bisher bei den Buchstaben R und N besonders gut aufgehoben. Nun kommt mit Yasha eine neue Letter in die Partie.

"Lass uns zum Strand / Du weißt, welchen ich mein'." Nö. "Ich brauch' mal wieder Meer und Sand / Brauch' mal wieder'n Grund zu bleiben." Auf 'mein' folgt also 'bleiben'. Das kann man machen, wenn einem partout nichts anderes einfällt oder es der Geschichte dient. Leider geht es munter so weiter. Vier erwachsenen Männern fällt nicht anderes ein als 'oft' auf 'Kopf', 'irgendwann' auf 'zusammen', 'bestimmt' auf 'grinst', 'darf' auf 'Arsch' und 'Hand' auf 'Verstand' zu reimen?

Zu viele Köche bereiten lieblosen Sprachbrei. Wenn Marteria im wohl besten Track "Wunderland" endlich selbst in den Ring steigt, kommt es tatsächlich zum einzigen halbwegs gelungenen Bild und Schabernack des Albums. "Deine Finger sind perfekt / Weil sie sich nur um mich drehen." Ein bisschen wenig, vor allem, wenn man damit zwölf Songs füllen will.

Wie schon bei "Lila Wolken" verkauft sich Miss Platnum vollkommen unter Wert. Wer bei ihrem angekündigten Feature in "Beweis" auch nur einen Hauch ihrer sonst überbordenden Fröhlichkeit oder gar ihren Balkan-Vibe sucht, wird maßlos enttäuscht. Um genau zu sein, muss man schon sehr tief buddeln, um Frau Renner überhaupt zu entdecken. Sie findet, bis auf ein paar Jodler gegen Ende, überhaupt nicht statt. An "Strand", "Silvester", "Telefon", "Guter Tag", "Weltraumtourist" und "Penthouse" mit seiner nervigen "Penthouse / Porsche / Pool"-Endlosschleife war sie ebenso beteiligt und hinterlässt dort erheblich deutlichere Spuren.

Eine Sache hätten wir da noch. "Selbst der Papst macht hin und wieder Schluss mit fromm." ("Wunderland") Yo Mama Fromm zeigt sich empört. Brav zahlt sie Kirchensteuer, und nun ruft der Kerl noch nicht einmal an. Keine Mail, keine SMS, nichts! Einfach aus der Verantwortung gestohlen.

Das scheint Franziskus von Yasha gelernt zu haben. An dem Berliner prallen im Lotuseffekt jegliche Emotion, Dramatik und Sprachwitz ab. Ein bis zwei Tracks lassen sich am Stück durchaus hören, auf Albenlänge siegt jedoch die Langweile. Ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, düst der "Weltraumtourist" im Sauseschritt vorbei. Nein, das war nichts. Raus mit der CD und zurück nach 2010. Zum Glück in die Vergangenheit. Da waren wir alle noch so schön "Verstrahlt".

Trackliste

  1. 1. Achterbahn
  2. 2. Strand
  3. 3. Beweis feat. Miss Platnum
  4. 4. Penthouse feat. Wunderkynd
  5. 5. Wunderland feat. Marteria
  6. 6. Raketen
  7. 7. 5 Minuten Gott
  8. 8. Dämon
  9. 9. Silvester
  10. 10. Telefon
  11. 11. Guter Tag
  12. 12. Weltraumtourist

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10 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Banjo schreibt diesem Honk die Texte? Trauer, my man! :(

    "Eine Sache hätten wir da noch. "Selbst der Papst macht hin und wieder Schluss mit fromm." ("Wunderland") Yo Mama Fromm zeigt sich empört. Brav zahlt sie Kirchensteuer, und nun ruft der Kerl noch nicht einmal an. Keine Mail, keine SMS, nichts! Einfach aus der Verantwortung gestohlen."
    :D

  • Vor einem Jahr

    @Django77 (« Yo Mama Fromm zeigt sich empört. Brav zahlt sie Kirchensteuer, und nun ruft der Kerl noch nicht einmal an. Keine Mail, keine SMS, nichts! Einfach aus der Verantwortung gestohlen.
    :D »):

    Und wenn, dann schickt er einfach Fler vor. Hat nur vergessen, ihm zu sagen, dass Dani kein Kerl ist.

  • Vor einem Jahr

    Ich bezog mich nur auf sein filmisches Schaffen, das Album klingt ja nicht mal so uninteressant.

  • Vor einem Jahr

    Liebe Laut.de Redaktion, ich glaube die Platte hatte niemals den Anspruch ein lyrisches und raptechnisches Meisterwerk zu werden, sondern ist viel eher als eine Sommer-Pop-Platte gedacht.
    Und als eben solche funktioniert sie perfekt!Einem Künstler wie Yasha dann noch zu unterstellen er hätte keine charismatische Gesangsstimme find ich dann schon wirklich dreist. Würde ich nicht längjähriger Fan eurer meist perfekten Albenkritiken sein, hätte ich euch wohl fehlende Fachkompetenz unterstellt.
    Für mich eine der, wenn nicht sogar die, interessanteste Stimme Deutschlands!
    Auch von der angesprochenen Eintönigkeit bin ich nicht überzeugt...es ist eben eine Popplatte, und ist der Pop unserer Zeit nicht immer ziemlich gleich? Dann doch aber lieber 11 Popnummern ,die wahnsinnig gut produziert wurden, von Yasha als Lady Gaga, Will.i.am oder David Guetta!
    Die Songwriter haben einen super Job gemacht, sie haben Song geschrieben die alle Ohrwurmcharakter haben...dass diese oberflächlich sind steht außer Frage, aber darf Musik nicht auch mal oberflächlich sein?
    Für mich schon jetzt DIE sommerplatte aus Deutschland!
    Yasha's erster Longplayer überzeugt auf ganzer Linie und fängt das Gefühl des Sommers perfekt ein, und nichts anderes hatte ich von ihm erwartet!
    Im übrigen fallen die Kritiken deutlich schlechter aus, als die Meinungen der Hörer...will man diese Künstler absichtlich unten halten?
    Wirklich Schade, von euch hätte ich zwar erwartet dass ihr die poplastigkeit und oberflächlichen Songs ansprecht, aber dennoch versteht was diese Platte sein will, nämlich Pop, gemacht für den Sommer und das hat sie mit Perfektion geschafft!

  • Vor einem Jahr

    @Könik
    Ich finde es geil, wie die Schergen von Yashas Plattenfirma überall im Netz versuchen, den negativen Eindruck, den die Platte im Allgemeinen bei vielen Hörern hinterlassen hat, "wegzuschreiben". Die Platte ist nun mal einfach leider sehr, sehr beliebig geraten und definitiv kein "Sommeralbum" - nicht mal dazu taugt sie. Da hilft auch kein Phrasendresch: "...überzeugt auf ganzer Linie..." blablabla. Liebe Plattenfirmenleute: belanglos bleibt belanglos...