Porträt

laut.de-Biographie

Waldeck

Es kann nicht mehr lange dauern, bis sich Klaus Waldeck durch das ganze zwanzigste Jahrhundert gesampelt hat. Er beginnt seine musikalische Reise in den elektrolastigen Gefilden des Trip Hop und Downbeat. Das Nebenprojekt Saint Privat führt ihn bald zurück in die Sechziger. Und mit seinem Album "Ballroom Stories" setzt er einige Jahre später sogar auf den Charme der 20er und 30er Jahre.

Dabei sieht es für den Wiener zunächst nicht nach einer musikalischen Karriere aus. Er wird zwar schon mit sechs Jahren musikalisch gefördert beziehungsweise gemartert: "Ich habe früh Klavier gelernt, wobei mich Noten nie begeistert haben." Aber als er mit 15 ein sündteures Bechstein-Piano "repariert" ist erst einmal Schluss mit lustig. Statt der Musikschule gibts ein Jurastudium.

So ganz lässt ihn die Musik aber nicht los. Als er schließich Anfang der Neunziger nach London zieht, um da seine Dissertation über Urheberrecht zu schreiben, nimmt er soviel Equipment mit, wie in sein Auto passt. Bücher wälzt er nur wenige in den nächsten Jahren. Denn was London an elektronischen Klängen zu bieten hat ist im alten Europa zu diesem Zeitpunkt noch ganz unerhört.

Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, verteilt Waldeck bei seinen Szenetouren auch jede Menge Demos. Aber der Durchbruch kommt erst, als er ins heimelige Wien zurückkehrt. Das ist nicht zuletzt dem Beistand der Lokalmatadoren Kruder und Dorfmeister zu danken, die ihm bei seiner ersten EP beistehen.

Auch das erste Album surft auf der Erfolgswelle typisch wienerischer, gediegener Beats. Besonders gut ist die Resonanz in Frankreich: Immer größere Menschenmassen strömen da zu Waldecks Konzerten. "Das hat teilweise so absurde Ausmaße angenommen, dass bei Veranstaltungen Frauen zu mir gekommen sind und behauptet haben, meine Musik habe ihr Leben verändert."

Nun beginnt Waldeck seine Reise in die musikalische Vergangenheit. Neben Joy Malcolm, die er aus Londoner Tagen kennt, arbeitet er bald auch mit Valerie Sajdik und Eva Engel a.k.a. Zeebee zusammen. Echte Instrumente ersetzen mehr und mehr die Samples. Bei den Liveauftritten zu "Ballroom Stories" bringt er schon eine kleine Band an den Start.

Und zwischendurch schafft er es auch irgendwie, doch noch seine Dissertation über das Urheberrecht zu schreiben. Er lebt zwar von der Musik, aber das Studium war trotzdem nicht umsonst: "Ich weiß genau, wie weit man im Umgang mit Originalen und Samples gehen kann." Man kann sich also darauf verlassen, dass es sich noch lange nicht ausgesamplet hat.

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