laut.de-Kritik

Relaxtes Entertainment aus einer anderen Zeit.

Review von

Sommerlich luftig und doch melancholisch. So setzt sich Mike Hucknall selbst und die Emotionen, die seine Songs transportieren, gerne in Szene. Das "Stay"-Cover passt insofern gut zum Sound. Der weiße Mann mit den roten Locken und dem Soul in der Stimme - kaum ein anderer schlägt den Bogen zum Mainstream-Pop eleganter.

Das heißt noch lange nicht, dass alles Gold ist, was glänzt. Doch wo andere versuchen, echte Gefühle zu imitieren, kriegen Simply Red locker die Kurve. Tracks wie "Holding Back The Tears", "A New Flame" oder "Say You Love Me" brachten stets auf den Punkt, was uns die liebestrunkenen Vorzeige-Blondinen dieser Welt nur zu servieren glauben. Das gilt auch für den Titeltrack des achten Studioalbums: radiotauglich, aber sanft und ungemein zupackend in Harmonie und Melodie - Pop kann so schön sein.

Das liegt natürlich daran, dass Hucknall und sein Co-Partner Andy Wright mit reichlich Songwriting-Talent ausgestattet sind. Manchmal ist es eben gut, dass alles beim Alten bleibt. Schön wären ein paar moderne Sounds zwar gewesen. Doch Simply Red wenden sich lieber der Vergangenheit zu. Etwa beim starken Cover "Debris" (The Faces), dessen Bluesrock-Gitarre gleichberechtigt zu Hucknalls Vocals agiert. Oder das untypisch kräftige, fast kratzende "Money TV" - relaxtes Entertainment aus einer anderen Zeit.

Hucknalls Vorstellung von Rock-Gitarrensound bewegt sich natürlich eher in Richtung Santana oder Mark Knopfler. Die Saiteninstrumente ("Oh! What A Girl" oder "Good Times Have Done Me Wrong") haben auf dem stellenweise recht akustisch klingenden Album diesmal genauso einen festen Platz wie die gewohnten Soul-Bläsersätze ("They Don't Know").

Auch wenn nicht jede der Simply Red-Nummern die Zeiten überdauern wird, gehört Mike zu jenen Recken, die schon in den 80ern für echte Hits gut waren. Echte Hits heißt hier, Songs mit Massen-Potenzial zu kreieren, die ohne Entgleisungen stattfinden, sondern der Seele etwas anzubieten haben. Simply Red machen Musk für eher ältere Leute, keine Frage. Aber immer dran denken: Ihr seid alle mal dran.

Trackliste

  1. 1. The World And You Tonight
  2. 2. So Not Over You
  3. 3. Stay
  4. 4. They Don't Know
  5. 5. Oh! What A Girl!
  6. 6. Good Times Have Done Me Wrong
  7. 7. Debris
  8. 8. Lady
  9. 9. Money TV
  10. 10. Death Of The Cool
  11. 11. Little Englander

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