Porträt

laut.de-Biographie

Sa Dingding

Zwar beeinflusst die Folklore ihrer chinesischen Heimat Sa Dingding grundlegend. Ebenso beeindrucken lässt sie sich jedoch von moderner europäischer Club-Musik. Die klanggestalterischen Möglichkeiten beider Welten schöpft sie in vollen Zügen aus, als sie mit 18 Jahren ihr chinesisches Debütalbum veröffentlicht. Der Erfolg ihrer klangmalerischen Kreationen wirft sie die Karriereleiter förmlich hinauf. In ihrer Heimat bespielt sie seither regelmäßig die TV-Studios und Bühnen des Landes.

Die internationale Aufmerksamkeit hat sie zunächst dem amerikanischen Musiker Eric T. Johnson und seinem Arbeitgeber, der Recording Academy, die die Grammy Awards präsentiert, zu verdanken. Auf seine Einladung repräsentiert Sa Dingding bei einem kulturellen und musikalischen Austausch in Amerika ihre Heimat China. Der Guardian resümiert begeistert: "Sa Dingding hat es verdient, die erste chinesische Songschreiberin zu sein, die im Westen berühmt wird."

Eine weitere entscheidende Hürde auf dem Weg zu internationaler Berühmtheit nimmt die Künstlerin im April 2008, als sie in London den BBC World Music Award in der Kategorie Asia/Pacific in Empfang nimmt. Zu diesem Zeitpunkt blickt die 28-Jährige bereits auf zwei Millionen verkaufter CD-Exemplare zurück.

Verkaufszahlen dieser Größenordnung sprechen eine deutliche Sprache. Sa Dingding hingegen singt auf Tibetisch, Mandarin, Sanskrit und in einem fast ausgestorbenen mongolischen Dialekt namens Lagu, den nur noch sehr wenige Menschen dieser Erde verstehen. Aber das ist Sa Dingding egal. "Bevor ich als Kind sprechen lernte, konnte ich bereits singen", amüsiert sie sich über ihre Sprachvielfalt. "Aber im ernst. Ich benutze traditionelle Musik als Herzschlag."

Die Arrangements ihrer Ton-Kunstwerke kreisen also um ein pulsierendes Zentrum, die traditionelle chinesische Volksmusik. Wie harmonisch und organisch Drum'n'Bass, Trip Hop und Konsorten, und eine moderne europäische Klangästhetik sich um diesen Kern und die dementsprechend traditionelle Instrumentierung drehen, präsentiert Sa Dingding auf "Alive".

"Ich möchte meine Gefühle ausdrücken, deshalb spiele ich moderne und alte Musik zusammen. Je weiter die Instrumentierung ist, umso breiter ist das Spektrum an Emotionen, die ich übermitteln kann. Auch wenn die Leute außerhalb Chinas die Sprachen nicht verstehen, die ich benutze, so können sie doch meine Emotionen fühlen."

Diese Ansicht teilt die 1980 Geborene mit Julien Jacob. Der westafrikanische Musiker treibt es auf seinem Album "Cotonou" mit einer imaginären Sprache auf die Spitze. "Die imaginäre Sprache, die inspiriert ist vom Timbre und der Vibration der Worte, soll den Zuhörer befreien und ihm erlauben, einen Song auf seine eigene Art zu interpretieren", formuliert Jacob es. "Wenn es einem Song nicht gelingt, seinen Inhalt auf einer intuitiv erfassbaren Ebenen zu transportieren, ist es ein schlechter Song!" - das nenne ich konsequent.

Neben ihrer tragenden Rolle als Sängerin spielt 'die asiatische Björk', wie man Sa Dingding mancherorts betitelt, eine Vielzahl an Instrumenten. Darunter die 25-saitige, chinesische Zither Zheng, etliche Trommeln und Gongs, und eine zweisaitige mongolische Pferdekopfgeige. An exotischen Klanggebern herrscht also kein Mangel. Ebenso wenig wie an kreativem Reichtum, den die Multiinstrumentalistin durch intensive Studien erreicht.

"Der Buddhismus lehrte sie, sich mit ihrem Herzen auszudrücken und sich mit der Natur zu verbinden, die Yoga-Meditationen festigten ihren inneren Frieden und ihre Spiritualität, und das Erlernen des Sanskrit ermutigte sie, ihre eigene Sprache zu erschaffen, wo die Musik neue Worte hervorbringt, die von Emotionen geformt werden", heißt es über sie. "Einsamkeit ist für mich die beste Möglichkeit, kreativ zu werden", ergänzt Sa Dingding.

Alben

Sa Dingding - Alive: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2008 Alive

Kritik von Kai Kopp

Zwischen asiatisch Volkstümlichem und europäischer Club-Kultur. (0 Kommentare)

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Alive Die BBC World Music Award-Gewinnerin präsentiert ihr Europadebüt "Alive".

Die BBC World Music Award-Gewinnerin präsentiert ihr Europadebüt "Alive"., Alive | © Wrasse Records (Fotograf: ) Die BBC World Music Award-Gewinnerin präsentiert ihr Europadebüt "Alive"., Alive | © Wrasse Records (Fotograf: ) Die BBC World Music Award-Gewinnerin präsentiert ihr Europadebüt "Alive"., Alive | © Wrasse Records (Fotograf: ) Die BBC World Music Award-Gewinnerin präsentiert ihr Europadebüt "Alive"., Alive | © Wrasse Records (Fotograf: )

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