Porträt

laut.de-Biographie

Rusconi

Wie mag wohl der größte gemeinsame Nenner aus Jazz und Avantgarde-Rock klingen? Schwer zu sagen - doch Rusconi aus Zürich helfen der Fantasie auf die Sprünge.

Getreu dem Credo des Namenspatrons Stefan Rusconi fabriziert das Schweizer Trio Jazz mit Reibung, Spannkraft und rockistischer Intensität. "Ich liebe Musik, die im Spannungsfeld von europäischer, mehr klangorientierter Musik und der Rhythmik der amerikanischen Jazztradition entsteht", erklärt der Pianist, woher der Wind weht.

Als die Protagonisten 2001 mit Rusconi eine der vielversprechendsten Formationen des zeitgenössischen Jazz aus der Taufe heben, sind Stefan, Fabian Gisler (Bass) und Claudio Strüby (Schlagzeug) allesamt erst Anfang Zwanzig. Jeder studiert an einer der renommierten eidgenössischen Musikhochschulen: Rusconi an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich, Gisler an der Swiss Jazz-School Bern und Strüby an der Musikhochschule Luzern.

Auf unzähligen Konzerten im In- und Ausland von Davos bis Shanghai ziehen sie nicht nur das Publikum in ihren Bann, sondern auch die Fachpresse. Insbesondere die Berufskritiker sind schwer davon angetan, wie das grenzensprengende Triumvirat dem klassischen Jazz-Trio-Format mit Groove, Verve und Poesie neues Leben einjagt.

"Dicht, fließend und dennoch durchzogen von pointierten, mehr kollektiven als losgelöst solistischen Glanzlichtern, schafft diese Musik das, was den außergewöhnlichen Formationen vorbehalten ist: Atmosphäre", bringt es etwa das Jazzpodium auf den Punkt. "Dieses Trio ist nicht auf wohlfeile Versöhnung aus. Im lebendigen Gespräch, das jedem sein Recht lässt, findet es zu sich selbst. Ein überzeugendes Konzept, das zudem eine eingängige, sinnliche Musik zeitigt", lobhudelt auch die Neue Zürcher Zeitung.

Kein Wunder, dass diese Vorschusslorbeeren, die einem Lauffeuer gleich durch den Blätterwald rauschen, irgendwann auch auf die naturgemäß eher tauben Ohren der Majors stoßen. Sony wird 2009 als Erster hellhörig und nimmt Rusconi bereits für deren drittes Album "One Up Down Left Right" unter seine Fittiche.

Die drei Wunderkinder brillieren im Zuge der Live-Präsentation des Albums auf allen namhaften Jazz-Festivals – u.a. in Aalen, Karlsruhe, Berlin und Hamburg und überzeugen in ausverkauften Konzerthäusern im Vorprogramm von Til Brönner. Stets zwischer ungezähmter Zerrissenheit und filigraner Schöngeistigkeit oszillierend, finden Rusconi mit ihrem ureigenen Sound mehr und mehr Gehör.

Ohne Atempause wagen sich Rusconi 2010 mit "It's A Sonic Life" an eine ebenso waghalsige wie prestigeträchtige Hommage: Das Schweizer Trio verschreibt sich mit Haut und Haaren dem musikalischen Schaffen von Sonic Youth und nähert sich der Mutter aller Noiserock-Bands aus ungewohnter Perspektive an.

Es läge nahe, die beiden Gitarren der New Yorker in eine Breitseite aus Saxofonen zu übersetzen, um eine ähnlich energetische Basis zu erzeugen. Stattdessen interpretieren Rusconi Sonic Youth mit dem Vokabular des klassischen Piano-Trios von Grund auf neu.

"Claudio und Fabian kennen zwar die Band, sind aber nicht wirklich mit den Stücken vertraut. Ich suchte mir Songs aus, zu denen ich einen starken emotionalen Bezug hatte, brannte eine CD, die ich den beiden geben konnte, schrieb aber gleichzeitig skizzenartig Harmonien, Grooves, Basslinien oder dergleichen auf. Daraus entstand etwas sehr Natürliches. Im Probenprozess konzentrierten wir uns ganz auf uns selbst und hatten bald das Gefühl, Stücke zu spielen, die ich eigens für die Band geschrieben hätte."rekapituliert der Pianist.

Was theoretisch undenkbar scheint, funktioniert in den freigeistig aufbereiteten Variationen so beswingt gut, dass man sich wundert, das es noch niemand zuvor versucht hat. Dafür hagelts 2011 auch den Jazz-Echo.

Trotzdem geht die Zusammenarbeit mit Sony nach drei Jahren zu Ende: Von nun an soll wieder der Weg direkt vom Künstler zum Fan beschritten werden, ohne Zwischenstation. Folgerichtig erscheint "Revolution" im März als freier Download. In einem Manifest erklärt das Trio dfazu seine neue digitale Strategie, weist aber darauf hin, dass diese nur in Koop mit den Fans funktioniert, denn "The audience is the new distribution".

"Der Inhalt des Schaffens bleibt eine große künstlerische Leistung, welche Zeit, Handwerk, Inspiration aber auch finanzielle Mittel braucht. Wenn Ihr weiterhin neue Musik und Kreativitäten von uns wünscht, braucht es von eurer Seite Engagement. Mit Spenden, mit einem Konzertbesuch, mit dem Eintragen in unseren Newsletter, mit der Verbreitung unserer Musik. Liebevoll gemachte Schallplatten und CDs werden auf unserem hauseigenem Label Qilin Records veröffentlicht und exklusiv an Konzerten zum Kauf angeboten. Ohne Euch soll es uns nicht geben."

Zu ihrem 10-Jährigen Bestehen veröffentlichen Rusconi im Frühling 2014 ihr sechstes Album "History Sugar Dream", das eine Rückbesinnung auf die Träume, Wünsche, Phantasie und Illusionen aus den Kinderjahren der drei Musiker darstellt. Erstmals nutzen die Freigeister ihre Stimmen nicht allein zur Klangmalerei, sondern greifen offensiv zum klassischem Gesang mit Texten.

Der Jazz-Dreier wählt seinen eigenen Weg durch den Businessdschungel - und was Rusconi dort in Sachen Musik so treiben, beschreibt die Bookingagentur so: "Sie tragen den alten Jazz zu Grabe".

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Termine

Mi 23.04.2014 Leipzig (Telegraph)
Do 24.04.2014 Berlin (Urban Spree)
Fr 25.04.2014 Dresden (Tonne)
Sa 03.05.2014 Innsbruck (Treibhaus)
Sa 17.05.2014 München (Seidl Villa)
Do 30.10.2014 Hamburg (Nochtspeicher)

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