Porträt

laut.de-Biographie

Radio Citizen

"Es ist eine samplebasierte Kollage, der Live-Musizierung gegenübersteht. Stilistisch zwar sehr offen, liegen die Wurzeln jedoch definitiv in der afroamerikanischen Musikkultur der sechziger Jahre. Es ist der Versuch, diese mit elektronischer Musik, Weltmusik und anderen Stilen zu verbinden" antwortete Nico Schabel, Mastermind und Frontmann des Berliner Projekts Radio Citizen einst zögerlich auf die Frage des italienischen Musikmagazins "Acid Jazz", wie er selbst seine Musik definieren würde. Was gibt es interessanteres als die Musik einer Band, deren Stil nicht einmal der Frontmann genau benennen kann?

Tatsächlich ist Radio Citizen ein Projekt mit vielen Gesichtern. Und dies beileibe nicht nur musikalisch: Mit Niko Schabel (Alt- und Sopran-Sax, Klarinette und Bass-Klarinette, Kalimba, Percussions, Produktion, Mastering und mehr), Wolfi Schlick (Flöte, Gesang, Sopran- und Bariton-Sax), Klaus Janek (Kontrabass), Julian Waiblinger (Drums), Gaelle Georges (Gesang), Benny Drechsel (Gitarre), Ian Ensslen (Bariton-Sax), Marcel Jung (Kontrabass), Thomas Myland (Orgel) und schließlich bei Live-Auftritten Antonis Anissegos (rhodes), Yorgos Dimitriadis (Drums) und Teresa Gruber (Posaune) dürfen sich nicht weniger als 12 Menschen Mitglied schimpfen. Sängerin Bajka, die u.a. schon Kollaborationen mit Bonobo vorweist, komplettiert die illustre Schar sogar auf 13 Personen. Der harte Kern besteht jedoch nur aus Schabel, Bajka, Klaus Janek und Wolfi Schlick.

Der Kontakt zwischen den vier Hartgesottenen entsteht durch verschiedene gemeinsame Projekte. So ist Wolfi ebenso wie Nico Mitglied der Münchener Express Brass Band. Für "Double-Bass Maestro" Klaus Janek wiederum war Schabel als Mischer für ein Projekt namens DeeQ aktiv. Aus der guten Zusammenarbeit entsteht Janeks Mitgliedschaft bei Radio City, wie der erste Projektname lautet. Da dieser jedoch schon vergeben ist, finden sie kurzerhand den Name Radio Citizen. "Die kulturelle Welt von heute unterteilt sich in Ansprüche. McDonald's hat "Ich liebe es", Canon "you can" und Volkswagen benutzt "Volk" als Marke, was nichts anderes bedeutet als "von den Menschen". Es ist also kaum verwunderlich, dass der Name Radio City schon vergeben war".

Bajka kennt Nico von seinen Gastspielen bei Das Goldene Zeitalter und trifft sie, als sie in New York mit den Whitefield Brothers, besser bekannt als Poets Of Rhythm, im Studio ist. Erst da erfahren sie, dass sie beide in Berlin leben.

Ebenfalls im Studio der Poets Of Rhythm befindet sich damals Will Holland, auch bekannt als Quantic, dem Schabel bei einem späteren Treffen in Berlin eine Vorabversion von "Berlin Serengeti" in die Hand drückt. Was Quantic zu hören bekommt, ist feinste Livemusik einerseits und samplebasierter Groove andererseits, mal verworren und kompliziert, mal luftig und einfach, aber stets beeinflusst vom Jazz der 1960er und irgendwo zwischen selbigem, Hip Hop, Dub und Downtempo einzuordnen.

Offensichtlich ist Quantic angetan von der Serengeti Berlins und steckt die Scheibe bei einem Auftritt in San Francisco einem A&R von Ubiquity Records zu, der seine Begeisterung auf Anhieb teilt. 2006 kommt "Berlin Serengeti" schließlich in die Plattenläden. "Night Part 1" schafft es auf den Soundtrack der Dokumentation "Fernsehturmgeschichten", "The Hop" wird sogar in der US-Serie Grey's Anatomy gespielt. Es folgt eine ausgiebige Tour durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Tschechien.

Januar 2007 macht sich Schabel an die Arbeiten zu einem weiteren Radio Citizen-Album. Laut eigenen Aussagen soll es mehr Songwriting beinhalten und noch runder sein als der Vorgänger, ohne dabei die Samplebasis zu verlieren.

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