laut.de-Kritik

Digi hat euch alle lieb!

Review von

Nun, einen leichten Stand hat der RZA in der Hip Hop-Community nicht. Zum einen ist sein Name in den Stein der Genre-Götter gemeißelt als der Erfinder des Wu-Tang-Sounds mitsamt dazugehöriger Philosophie. Zum anderen kämpft der Musik-Genius seit jeher darum, sich den Mantel der Musik seiner Vergangenheit abzustreifen und sich seinem Innovations-Drang hinzugeben. Seine Umwelt reagiert in beiden Extremen wahlweise mit Forderungen nach Neuem und Wehklagen nach der guten alten Zeit.

Dass der Wu-Tang-Kopf in diesem Kreuzfeuer nach wie vor Musik machen kann, ist wohl seine größte Stärke. Die meisten ähnlich genialen Musiker würden wohl mit kreativer Selbstverweigerung auf diesen Druck reagieren. Bekanntermaßen ist sich Robert Diggs seiner Fähigkeiten aber bewusst. Und, Gott sei Dank, hat er sich im Laufe seiner langen Karriere stets eine gesunde Portion Selbstbewusstsein bewahrt, um sich weder von Kritik, noch von Lobeshymnen irgendwie verändern zu lassen.

Eine Dekade ist es also her, seit sich RZA aus dem übermächtigen Wu-Kollektiv löste und als Bobby Digital seine Solo-Karriere einleitete. In diesen zehn Jahren zeigte der RZA der Öffentlichkeit ganz unterschiedliche Facetten: den materiell-orientierten Hedonisten, den Schach-Großmeister, den treuen Five Percenter, den überheblichen Lebemann, den ausgeglichenen Shaolin-Mönch, den harten Rap-Puristen und den Hip Hop-Hippie (O-Ton Raekwon). Diese Vielseitigkeit trägt der RZA seit jeher auf der Brust und denkt, einmal mehr, nicht daran, dies zu verändern.

Aus diesem Grund ist auch "Digi Snacks" nur ein kleiner Teil des Ganzen, ein Puzzle-Stein im Gesamtkonzept, ein Zwischenstopp in der langjährigen Karriere. Nicht mehr und nicht weniger.

Es stellt sich aber die Frage, wieso RZA "Digi Snacks" explizit unter dem Bobby Digital-Alias veröffentlicht. Dieses Alter Ego ließ RZA eigentlich dann auflaufen, wenn er sich den süßen Seiten des Lebens hingeben wollte: Feiern, Frauen, Überfluss - die Konstanten in Bobbys Dasein.

Auf "Digi Snacks" ist das anders: "Don't Be Afraid" "Money Don't Own Me" "Put Your Guns Down" "Love Is Digi" - macht euch keine Sorgen, Bobby rennt nicht mehr nur dem Geld hinterher, macht Schluss mit all der Gewalt, Digi hat euch alle lieb!

Inhaltlich ist das vielleicht erklärbar mit der konstanten Entwicklung, in der sich die Person Robert Diggs stetig befindet. Bis dato hat er sie seine etlichen Synonyme und Nebenprojekte ausgelebt, jetzt verschmelzen die Elemente miteinander.

Musikalisch hingegen äußert sich das auf "Digi Snacks" ein wenig verstörend, weil eben jene Behelfsnamen dem geneigten Fan eigentlich immer die Möglichkeit gaben, sich auf den jeweiligen RZA einzustellen. Deswegen tat man sich kollektiv auf "8 Diagrams" so schwer. Und deswegen ist auch "Digi Snacks" kaum zu (be-)greifen.

Was sich jedoch niemals ändern wird, ist RZAs Händchen für schräge Hooks, die jeder Produktion zwar den eigenen Stempel aufdrücken, aber dabei jede Radiotauglichkeit nehmen. Auf "Bobby Trap" klingt das dank Dexter Wiggles herrlich verwegen. Mit Hilfe der Holländerin Thea van Seijen auf "Good Night", "Creep" und "Drama" Badu'esque verführerisch. Auf "Try Ya Ya" durch Sample-Dauerschleife ansprechend nervtötend. Im Pop-Gewand auf "Long Time Coming" im Zusammenspiel mit einem düster tropfenden Moll-Beat eher verstörend. Und im Gesamtpaket des David Banner-Beitrags "Straight Up The Block" schließlich wegen missglückter Dirty South-Referenzen völlig fehl am Platz.

Mangel an Qualität konnte man kaum einem Wu-Tang-Produkt (aus dem engeren Familienkreis) vorwerfen, auch "Digi Snacks" nicht. Die Zeiten, in denen man sich kollektiv, ohne Wenn und Aber auf RZA einigen konnte, sind jedoch vorbei. Aber auch das kann einem Genre und dessen Fans ja eigentlich nur gut tun.

Trackliste

  1. 1. Digi Snacks Intro
  2. 2. Long Time Coming
  3. 3. You Can't Stop Me Now
  4. 4. Straight Up The Block
  5. 5. Bobby Trap
  6. 6. Try Ya Ya
  7. 7. Don't Be Afraid
  8. 8. Good Night
  9. 9. No Regrets
  10. 10. Money Don't Own Me
  11. 11. Creep
  12. 12. Drama
  13. 13. Up Again
  14. 14. Put Your Guns Down
  15. 15. Love Is Diggi
  16. 16. 0 Day
  17. 17. Glorious Day
  18. 18. Insomnia

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