Porträt

laut.de-Biographie

Pete Seeger

Bob Dylan-Fans kennen ihn vor allem wegen seines legendären Wutausbruchs beim Newport Folk Festival 1965. Nachdem Dylan überraschenderweise mit Band und E-Gitarre auf der Bühne erschienen war, soll Pete Seeger zum Mischpult gegangen sein und gedroht haben: "Verdammt, hätte ich eine Axt, würde ich das Kabel kappen".

Ein Anfall, der so gar nicht zum friedlichen Image des Sängers, Pazifisten und politischen Aktivisten passt. 1919 in Patterson, New York geboren, wächst Seeger in einer musikalisch begeisterten Familie auf. Mitte der 30er Jahre schreibt er sich an der Harvard University in Berkeley, Kalifornien im Fach Journalismus ein, greift aber vor dem Abschluss zum Banjo und beschließt, sich als Folksänger durchzuschlagen.

Seegers Karriere erreicht einen ersten Höhepunkt, als er zu Beginn der 40er Jahre mit Woody Guthrie die Almanac Singers gründet. Er schließt sich der kommunistischen Partei an, setzt sich gegen einen Angriff auf Deutschland ein und protestiert gegen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, der seiner Meinung nach zu wenig für das Proletariat tut. Sein kritisches Album "Songs For John Doe" erhält 1941 viel Aufmerksamkeit. Nach dem deutschen Angriff auf Russland überdenkt Seeger seine Position, tritt in die US-Armee ein und beteiligt sich am Krieg an der Pazifik-Front.

Zurück in New York schreibt er 1948 das nach wie vor gültige Lehrbuch "How To Play The Five-String Banjo" und gründet die Weavers, die bis 1952 mehrere Millionen Platten verkaufen und als Vorbild für später erfolgreiche Pop-Folk-Bands wie Peter, Paul And Mary und The Byrds gelten. Die Hatz von Senator McCarthy führt zur Auflösung der Band, als sie den Höhepunkt ihres Erfolges erreicht. Seeger muss wegen seiner Vergangenheit vor dem Un-American Activities Committee erscheinen, obwohl er bereits 1950 aus der kommunistischen Partei ausgetreten ist. Er verweigert jegliche Aussage und kommt einigermaßen ungeschoren davon.

1958 startet Seeger seine Solokarriere. Mit "If I Had A Hammer", "Where Have All The Flowers Gone", "Turn, Turn, Turn" und "We Shall Overcome" steigt er in den folgenden Jahren zur Vaterfigur der aufkommenden Protestbewegung auf. Joan Baez, Peter, Paul & Mary, The Byrds und Bob Dylan singen seine Lieder und verhelfen ihm zu einer neuen Popularität - bis zu jenem Zornanfall 1965, der die Elektrifizierung seiner Schüler aber nicht verhindern kann.

1965 und 1966 moderiert Seeger auf einem regionalen Sender die Folk-Fernsehshow "Rainbow Quest". Zu seinen Gästen gehören Johnny Cash, June Carter und die Stanley Brothers. Anschließend engagiert er sich wieder verstärkt politisch und gründet die Bewegung Clearwater, die sich für die Sauberhaltung des Flusses Hudson einsetzt und ein Schiff als Seminarräumlichkeit unterhält. Jedes Jahr organisiert sie in Croton Point, New York ein zweitägiges Folk-Festival.

Musikalisch tritt Seeger seit den 70er Jahren kaum noch in Erscheinung. Zu seinem 87. Geburtstag holt ihn Bruce Springsteen mit dem Album "We Shall Overcome - The Pete Seeger Sessions" (2006) wieder aus der Versenkung.

Am 27. Januar 2014 verstirbt Seeger in einem New Yorker Krankenhaus. Er wurde 94 Jahre alt. Er sei eines natürlichen Todes gestorben, berichtet die New York Times und beruft sich auf eine Aussage von Seegers Enkel.

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