laut.de-Kritik

Die musizierende Jugend muss auch weiterhin zu ihrem Idol aufschauen.

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Erwartungsdruck scheint nicht zu Paul Wellers primären Ängsten zu gehören. Seit 25 Jahren ist der ehemalige The Jam-Chef bereits im Musikgeschäft und feierte mit unglaublichen 56 Singles den Einstieg in die Top 40 seiner Heimat England. Mit "Illumination" erscheint nach dem Live-Akustik-Album "Days Of Speed" vom vergangenen Jahr nun sein sechstes Solo-Studioalbum. Die Atmosphäre der letzten Arbeit hat Weller auf sein neues Werk hinüber gerettet. Akustische Gitarren bestimmen das Klangbild und geben "Illumination", veredelt durch die rauhe Produktion, beinahe einen Unplugged-Charakter.

Was nicht heißen soll, dass nur leise Töne regieren: "A Bullet For Everyone" ist ein typischer Weller-Soul-Rocker, der dem Britpop-Vater in nur wenigen Stunden aus der Feder geflossen ist. Dabei geht es um ernste Inhalte: Der Song thematisiert die "heuchlerische Einstellung" der Staatsmänner George Bush und Tony Blair gegenüber einer Lösung im Irak-Konflikt und auch Wellers Enttäuschung über die geleistete Arbeit der mit so zahlreichen Versprechungen gestarteten Labour-Regierung. Während es eine Kugel für jeden Einzelnen auf diesem Planeten gebe, leiden Millionen Menschen Hunger, monierte Weller kürzlich in einem Interview.

Demgegenüber stehen positive und wunderschöne Songs wie das an David Byrne erinnernde "It's Written In The Stars", das fragile "Bag Man" oder "Leafy Mysteries", ein Pop-Juwel, dem man die Erfahrenheit des Songwriters Weller anzuhören glaubt. Die schmachtend-schöne Ballade "Who Brings Joy" ist von seiner jüngsten Tochter Jesamine inspiriert und bei dem mit Streichern angereicherten "Now The Night Is Here" blinzelt gar Neil Young durchs Schlüsselloch.

Hinein ins Wellersche Studio kam dagegen Noel Gallagher, langjähriger Freund des Mod-Idols, und brachte gleich seinen Bandkumpel Gem Archer für das getragene Album-Highlight "One X One" mit. Zu hören sind allerdings nur Noels Künste an Bass und Schlagzeug. Unnötigerweise ist auch Stereophonics-Sänger Kelly Jones mit auf der Platte, der sich in "Call Me No. 5" einem Gesangsduell mit Weller aussetzt.

Den kontemplativen Abschluss bildet der Titelsong, den Travis sicher auch gerne geschrieben hätten. Dass die musizierende Jugend auch weiterhin zu Paul Weller aufschauen muss (sofern er sie nicht ins Studio einlädt), dafür hat der Altmeister mit seinem neuen Album überzeugend gesorgt.

Trackliste

  1. 1. Going Places
  2. 2. A Bullet For Everyone
  3. 3. Leafy Mysteries
  4. 4. It's Written In The Stars
  5. 5. Who Brings Joy
  6. 6. Now The Night Is Here
  7. 7. Spring (At Last)
  8. 8. One X One
  9. 9. Bag Man
  10. 10. All Good Books
  11. 11. Call Me No. 5
  12. 12. Standing Out In The Universe
  13. 13. Illumination

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