laut.de-Kritik

Neue Besen kehren gut.

Review von

Immer wenn Nightwish-Mastermind Tuomas Holopainen die Tore zu seinen zahlreichen musikalischen Nebenschauplätzen verschließt, um der Welt zu verkünden, dass es mal wieder an der Zeit für ein neues Album seiner Homeband ist, lässt die Symphonic-Metal-Gemeinde alles stehen und liegen. Es wird gefeiert, gejohlt und vor Aufregung und Vorfreude in die Hosen gemacht. Lange lebe der König des Bombast! Lang lebe Tuomas Holopainen! Viele Freunde kantigerer Edelstahlklänge winken dagegen gelangweilt ab, wenn der finnische Keyboard-Nerd mit seinem Schlachtgefolge zu neuen Fantasy-Abenteuern aufbricht.

Auch mit ihrem mittlerweile achten Studio-Epos "Endless Forms Most Beautiful" dürften die Skandinavier wieder die eine oder andere Hartwurst-Stammtischrunde zum Kochen bringen. Songs wie die eingängige, mit reichlich Puderzucker beträufelte erste Single des Albums "Élan" oder die nicht minder in poppige Gefilde schielende Ballade "Our Decades In The Sun" dürften bei Fans der härteren Gangart bereits nach wenigen Sekunden durchs Raster fallen.

Zeitgleich werden am anderen Ufer jedoch die Mittelfinger in die Höhe gereckt. Wen stört schon fehlender Wumms, wenn sich dichte Atmosphären und bezirzende Harmonien mal wieder eng umschlungen in den Armen liegen? Auch Stücke, die die Band-Trademarks der jüngeren Vergangenheit formvollendet auf dem Silbertablett servieren wie das eröffnende "Shudder Before The Beautiful" oder "My Walden" versetzen Liebhaber detailliert arrangierter Zuckerkost in Verzückung.

Man kann der Band mittlerweile sicherlich vieles vorwerfen; am ehesten erzürnen sich Fans der ersten Stunde dabei am stetig schrumpfenden Anteil packender Riffs und den von Jahr zu Jahr offensichtlicher und intensiver werdenden Mainstream-Affären. Was die Finnen aber auch anno 2015 noch drauf haben wie keine andere Band der Branche, ist das wohldosierte Verschmelzen von aufwühlenden Melodielinien und opulent aufbereiteten Fantasy-Stimmungen ("Endless Forms Most Beautiful", "Alpenglow").

Einen weiteren Pluspunkt verbuchen Holopainen und Co mit der Verpflichtung der beiden Studio-Neulinge Kai Hahto und Floor Jansen. Während der Interimsschlagzeuger Hahto den wegen gesundheitlicher Probleme ausgeschiedenen Jukka Nevalainen mehr als würdig ersetzt, setzt Floor Jansen sogar noch einen oben drauf. Kaum einer wird sich nach den abwechslungsreich, leidenschaftlich und energiegeladen vorgetragenen Gesangsdarbietungen der ehemaligen After Forever-Frontfrau noch mit Freuden an die vergangenen, bisweilen etwas dünnen Dienste einer schwedischen Bardin namens Anette Olzon zurückerinnern. Hyvää työtä, Herr Holopainen!

Trackliste

  1. 1. Shudder Before The Beautiful
  2. 2. Weak Fantasy
  3. 3. Élan
  4. 4. Yours Is An Empty Hope
  5. 5. Our Decades In The Sun
  6. 6. My Walden
  7. 7. Endless Forms Most Beautiful
  8. 8. Edema Ruh
  9. 9. Alpenglow
  10. 10. The Eyes Of Sharbat Gula
  11. 11. The Greatest Show On Earth

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21 Kommentare mit 33 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Leider zu viel Orchester und eine eher dürftige Darbietung von Seiten Jansens. Dabe kann die Frau doch so toll singen, was sie auch auf der Live-DVD von Nightwish mit Bravour unter Beweis stellte. Warum gibt es diese Emotionen nicht auf diesem Album? Und warum wird Nightwish immer softer und verliert sich in Chören und Orchestern, die mit ihrem Bombast die klassischen Metalelemente immer weiter verdrängen? Bei diesem Album ist viel Potenzial verschenkt worden und ich hoffe, dass Holopainen sich beim nächsten ein wenig zurückbesinnt auf die alten Tage. Nichtsdesto trotz gefallen mir viele Stücke, allerdings gehen einem nach häufigerem Durchhören doch irgendwann die vielen klassichen Instrumente auf die Nerven. Damit das keiner falsch versteht: Ich liebe die Kombination von Orchester und Metal, ABER wenn das Orchester die Hauptrolle spielt, sollte man sich fragen, ob die Gitarren und Drums nicht zur Nebensache geworden sind.

  • Vor 2 Jahren

    Also, ich weiss nicht, das Album will irgendwie nicht richtig an mich ran. Ich hör's mir an, fühle mich gut unterhalten, aber eine halbe Stunde später kann ich kaum noch an die Songs erinnern. Mehr oder weniger ist nur der Anfang von The Greatest Show on Earth die Ausnahme. Die Klaviermelodie ist hypnotisierend und wenn Floor mit ihrem klassischen Gesang einsetzt, dann bekomme ich Gänsehaut. Aber sobald die Gitarre später einsetzt ist der Moment weg und der Song pläterscht nur so vor sich hin. Ihm fehlt das Highlight, der Höhepunkt, den ich bei einem Lied mit einer solchen Länge erwarte.
    Apropos Floors Gesang: Ich finde es schade, dass sie ihre Stimme nicht vielseitiger einsetzt, denn genau diese Vielseitigkeit lässt sie aus dem Meer von Sängerinnen so herausstechen. Warum benutzt man das nicht?
    Ausserdem stagniert das Songwriting. Das Riff von Shudder Before the Beautiful gab's schon in Dark Chest of Wonders und Storytime und jetzt wird es ein drittes Mal eingesetzt, ohne grosse Änderung. Das bemerke sogar ich, und ich spiele nicht einmal Gitarre. Den Kinder am Anfang von Our Decades in the Sun war schon auf Tuomas' Soloalbum eingesetzt, und zwar genau gleich, in A Lifetime of Adventure.
    Zwar finde ich, dass das Album immer noch besser gemacht ist als der Durchschnitt-Symphonic-Metal, aber weit davon ist es nicht entfernt. Schade :(

  • Vor 5 Monaten

    Nightwish = Metal for pussys