Jux und Dollerei aus der laut.de-Redaktion, Today in Song-History und der 5-Fragen-Check mit Biffy Clyro.

Inside The Shit (mis) - Interviews kann man formal betrachtet als Textgattung todlangweilig finden. Frage, Antwort, nächste Frage. Und dann die ganzen Gefahren: Menschen, die nicht reden können, Journalisten, die nicht fragen können, Missinterpretationen, Übersetzungsfehler. Obwohl man sie auf laut.de immer noch nicht kommentieren kann, spreche ich für die gesamte Redaktion, wenn ich sage: Wir stehen auf Interviews. Finden sie ultramega ok, um es mal mit Chris Cornell zu formulieren (achso, die Kommentarfunktion kommt auch bald).

Irgendwie sind Interviews nämlich wie Bands, sie haben Fans und Hater. Und ich bin Fan. Es kann faszinierend sein, dem unvorhersehbaren Weg eines Gesprächs beizuwohnen, die Wachheit einer Frage zu erkennen oder den Subtext einer Antwort. Ganz wichtig auch: Die Einleitung, die zum eigentlichen Gespräch führt. Sabrina Setlur schlug vorab mal einem Schreiberling vor, über Yogastunden und BH-Größen zu sprechen. Selbst schuld.

Der absolute Traum: Ein Küppersbusch-Einstieg

Eines meiner ersten Interviews für dieses Magazin führte ich Ende der 90er Jahre mit der Britpop-Band Embrace. Einstiegsfrage: "Wie lief eure Tour bisher?" Bin ich jetzt nicht solz drauf. Andererseits: Edele stellt die Interviewfrage heute noch. Der absolute Traum: Ein Friedrich Küppersbusch-Einstieg. Der legte mal mit dem Satz los: "Sie heißen Rudolf, ihr Bruder Adolf, und wie waren Ihre Eltern sonst so drauf?"

Sowas könnte ich nie bringen, allein aus Angst, das Interview zu beenden. Wobei Küppersbusch schon leichten TV-Vorteil hatte. Da steht ja niemand einfach so auf und geht raus. Komischerweise bei mir schon: Dave Gahan in der Umkleide der Frankfurter Jahrhunderthalle 2003. Buäh! Mein Jugendidol! Aber ich schweife ab.

Bullet In The Zitronen-Head

Trotz all der akribischen Vorbereitung: Ich finde, die Klasse eines Interviews liegt zu maximal 30% beim Interviewer, den Rest muss schon der Prominente "liefern", wie wir Medien-Schwachköpfe sagen. Darin war diese Woche Tom Morello mal wieder groß. Der sprach über ein Festival in L.A., das seine Rager in vier Wochen zum 20. Jubiläum ihres ersten Zusammentreffens steigen lassen, mit Lauryn Hill, Rise Against und anderen Gleichgeschalteten.

Frage: "Habt ihr schon mal im Coliseum gespielt?" Antwort: "Ja, 1997 als Vorgruppe von U2. Aber es ist
etwas völlig anderes, wenn du hinter einer riesigen, aufgespießten Zitrone 'Bullet In The Head' spielst.
" Richtig in Fahrt war er dann, als es um die bis heute anhaltende Aktualität der RATM-Texte ging: "Irgendwann, wenn wir gewonnen haben und uns alle im Utopia der Gleichheit sonnen, ohne Rassismus und ohne Krieg, dann sitzen wir alle ums Feuer und singen Jack Johnson-Songs. Aber bevor es so weit ist, terrorisieren Rage Against The Machine ihr Publikum." Härter sind nur seine Riffs.

Happy Birthday: Kraftwerk, "Tour de France" (1983)

28 Jahre hat der bekannteste Tour de France-Song neben Queens "Bicycle Race" nun schon auf dem geschundenen Radlerbuckel. In gewisser Weise ist er das früheste Bekenntnis seiner anonymen Düsseldorfer Schöpfer für weltliche Themen jenseits von Mechanik- und Maschinenkult.

Der Songinhalt hat keinerlei Aktualität eingebüßt: Bis heute radelt der 64-jährige Ralf Hütter noch so gern und häufig wie mit 37, vor acht Jahren wurde der Song sogar auf einem eigenen Album rundumerneuert und aus dem Kraftwerk-Livekontext ist er sowieso nicht mehr wegzudenken. Das gilt sicher auch für den 12. und 13. Oktober, wenn die Legende in München zwei exklusive 3D-Konzerte gibt. Tickets gibt es (sicher nicht mehr lange) hier.

5 Fragen an ... Biffy Clyro

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Welche Platte hast du dir zuletzt gekauft?

Simon Neil: "Whokill" von Tune Yards. Wahnsinnig ungewöhnliche und kreative Platte. Man muss die Frau live gesehen haben. Fucking incredible!

Zitiere eine Zeile deines Lieblingssongs.

"Glass on the pavement under my shoe / without you is all my life amounts to" aus dem Red House Painters-Song "Katy's Song". Einfach herzzerreißend.

Dein wertvollster materieller Besitz?

Ein Gemälde meiner Mutter. Ich habe es auch als Tattoo auf dem Rücken, so dass ich es immer und überall bei mir habe.

Wovon bist du abhängig?

Musik, Trash-TV, gutes Gras und von dem Drang, kreativ zu sein.

Welche Berühmtheit, die du persönlich getroffen hast, machte einen großen Eindruck auf dich?

Also, die Tour mit den Foo Fighters und das Rumhängen mit Sir David of Grohl war schon eine außergewöhnliche Erfahrung. Er brachte uns eine Menge bei. Zum einen ist er einer der berühmtesten Musiker der Welt und trotzdem ein riesengroßer Musikfreak ohne den kleinsten Hauch von Starallüren.

Er ist das lebende Beispiel, dass man selbst als Super-Duper-Mega-Star noch ein menschliches Wesen voller Seele und Leidenschaft sein kann. Er ist seinen Fans sehr nahe und gibt auf der Bühne immer alles. Der Vibe auf der Tour war auch unglaublich relaxed, völlig ohne traumatische Axl-Rose-Dramen. Alle gehörten zu einer großen Familie.

Die Live-CD/DVD "Revolutions / Live At Wembley" von Biffy Clyro ist soeben erschienen.

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Lieblingssong der Woche: Gus Gus, "Arabian Horse"

Auch wenn oder gerade weil diese Musikseite dem formidablen, bereits erschienenen neuen Gus Gus-Album "Arabian Horse" noch eine Albumrezension schuldig ist (wie lange eigentlich noch, Wesselkämper?), will ich an dieser Stelle auf das neue Video der durchgedrehten Dance-Terroristen aus Island hinweisen.

Vorliegende Remixversion ist in dieser Form nicht auf dem Album "Arabian Horse" enthalten, stammt sie doch aus den Händen eines gewissen Quarashi, der sich bei näherem Hinsehen als Hip Hop-/Alternative-Quartett aus Reykjavik entpuppt. Warum alle Welt immer Björk anstelle von Gus Gus-Sängerin Urdur Hákonardottir als feengleiche Wikingerbraut bezeichnet, bleibt nach diesem Video schleierhafter denn je.

Michael Schuh hört Musik, beobachtet Kollegen und schreibt dann drüber. Personen, Orte und Handlung sind definitiv nicht erfunden.

Fotos

Biffy Clyro

Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff) Biffy Clyro,  | © laut.de (Fotograf: Jan Knoff)

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