laut.de-Kritik

Moby macht, was er am besten kann: störungsfreie Electronica.

Review von

Musik, die weder sonderlich euphorische noch ablehnende Reaktionen evoziert, bringt leider manchmal auch nicht viel mehr als mittelmäßige Sätze, Formulierungen und Einfälle hervor. So ist es leider auch bei vorliegendem Text bzw. vorliegender Platte. Mobys elftes Studioalbum "Innocents" hält, was der Titel verspricht: Wenig risikobereite, gewissermaßen unschuldige Musik, die sich vorwiegend in ambienten Flächen, ruhigem Tempo und meditativer Stimmung ergeht. Man könnte sagen, es ist eine klassische Moby-Platte geworden.

Denn ähnlich besonnen wie Richard Melville Hall, der Tierschutzaktivist und Veganer, das Urgestein der Dance Music der 90er, stets wirkt, wenn er an die Öffentlichkeit tritt, wie beispielsweise kürzlich im laut.de-Interview, klingen auch seine Stücke, die sich irgendwo zwischen Track und Song, zwischen in sich ruhender Electronica und Soulpop eintändeln.

In zwölf Akten mit einer Menge teils namhafter Featurings breitet Hall einen Teppich aus allumfassender Beschaulichkeit aus, gespickt mit wohligen Piano- und Streicherklängen. Schon die ersten Tracks lassen kaum Zweifel daran, wer hier am Werk ist: Mit ihren oft kaum entzifferbaren Vocal-Samples, der steten Rhythmusstruktur, den eingängig monotonen Drumbeats und ein paar dezenten elektronischen Effekten, die hier und da hervortreten, sind sie typisch für die Vorgehensweise Mobys.

Der New Yorker ist, so scheint es, hauptsächlich an der Gestaltung von Atmosphäre von einer fast sedativen Wirkung interessiert. Die Mehrzahl der Songs auf "Innocents" schwimmen so homogen flächig ineinander, dass sie in der Erinnerung kaum zu unterscheiden sind - mal zur Begleitung von den dunklen Soulvocals der kanadischen Singer/Songwriterin und Labelkollegin Cold Specks ("A Case For Shame", "Tell Me"), mal zu bedachtsamen Klavierdreiklängen und sanft über die Snare wischendem Besen ("Going Wrong").

Mit einfachsten Mitteln erzeugt Hall einen beinahe hypnotischen Sog, dessen repetitive Muster tranceartige Zustände beim Hörer hervorrufen. Derartige Ruhe und Perfektion in Arrangements und Produktion sind zwar, das mag niemand abstreiten, schön anzuhören. Aber auch Schönheit und Perfektion haben eine Kehrseite. Ohne Ecken und Kanten droht Eintönigkeit. Immerhin kann man Hall in jedem Fall zugutehalten, dass man es sich auf "Innocents" durchaus gemütlich machen kann. Es ist Moby durch und durch, ohne Experimente, Trendprostitution oder Effekthascherei.

Hervor sticht bezeichnenderweise nicht unbedingt eine der beiden Single-Auskopplungen "A Case For Shame" oder "The Perfect Life", sondern ein Song wie "Don't Love Me", die soulig raue Nummer mit Inyang Bassey, die über das gedämpfte Downtempo der anderen Tracks herausragt. Oder "The Lonely Night" mit Mark Lanegan, dessen Tom-Waits-artiger Bariton Mark und Bein erschüttert.

Aber dann gibt es eben auch Momente wie besagte Single "The Perfect Life" in Kollaboration mit Flaming Lips' Wayne Coyne: Fröhlicher Melodiegesang und Titel stehen zwar in Kontrast zum lyrischen Inhalt, der Potential für Irritation hätte - doch so richtig will der Funke nicht überspringen.

Stellenweise wirkt der Song mit seiner sakralen Ernsthaftigkeit gar wie eine Karikatur, eine parodistische Überzeichnung des Popgospels - trotz der Drogenthematik und des netten Gitarrensolos in der Bridge. Was man aus der keineswegs uninteressanten Songstruktur so alles kreieren kann, zeigen Fuck Buttons mit ihrem Remix von "The Perfect Life", der die eindeutig eindrucksvollere Version des Stücks darstellt, aber nicht auf dem Album zu finden ist.

"You sing me to sleep and then you hit me awake": Während die zwölf Stücke zweifellos eine schläfrig matte Aura umgibt, wartet man vergebens auf den Moment des Wachrüttelns. "Innocents" ist keinesfalls schlecht gemacht: Störungsfrei und etwas träge übt sich Moby in dem, was er am besten kann - der musikalischen Inszenierung friedlicher Melancholie, die Behaglichkeit und Heimeligkeit ausstrahlt, aber gelegentlich nichtssagend bleibt. Und so ergeht es vielleicht auch diesem Text: Etwas eintönig und ermüdend, aber durchaus lesbar. Drei Punkte.

Trackliste

  1. 1. Everything That Rises
  2. 2. A Case for Shame
  3. 3. Almost Home
  4. 4. Going Wrong
  5. 5. The Perfect Life
  6. 6. The Last Day
  7. 7. Don't Love Me
  8. 8. A Long Time
  9. 9. Saints
  10. 10. Tell Me
  11. 11. The Lonely Night
  12. 12. The Dogs

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6 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 4 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 4 Jahren

    Würde auch 4/5 geben; für das, was es sein will, nahezu perfekt. Vor allem "The Lonely Night" ist überragend!

  • Vor 4 Jahren

    Hab ihn zu 'Play' Zeiten noch hart gefeiert, danach leider aus den Augen verloren. Ist schon n Guter. Werd auch hier mal reinhören.

  • Vor 4 Jahren

    Also auf jeden Fall hohes Niveau, ein bisschen weniger beliebig als Destroyed meiner Meinung nach.
    Ich finde 3/5 okay, aber wenn dann eher besser als schlechter.

  • Vor 4 Jahren

    Auch hier lohnt sich die Deluxe Edition. Mit "I tried" gibt es ein richtig guten schnelleres Stück, "Blindness" ist herrlich verschwurbelt. Komischerweise finde ich seit jeher die B-Seiten und Deluxe Editions besser als die Alben.

    • Vor 4 Jahren

      Erstaunt nicht und muss auch kein Widerspruch sein. Der Mut, den man auf Bsides oder Special Editions findet fehlt halt oft auf der Platte. Man kriegt das Gefühl, dass der Künstler sein Album eigentlich so haben wollte, der Produzent aber wieder mal etwas zu eifrig an den Knöpfen gedreht hat.

  • Vor 3 Jahren

    Wer sich Innocents kauft, der sollte unbedingt die mit Bonus CD kaufen. Auf dieser befinden sich mit "I Tried", "Miss Lastern" und "My Machines" drei Songs die locker auf der CD1 zu den besseren gehört hätten. "I Tried" würde ich sogar Dance-Charts tauglich bezeichnen. Gute Songs eben, die nur dem eingefleischten Fan zu gute kommen sollen.