Porträt

laut.de-Biographie

Lotto King Karl

Lotto King Karl ist eine Person der Gegensätze und bezieht gerade daraus seine Faszination. Vom Gabelstaplermonteur zum Multimillionär, vom Pausenclown zu einem der besten Deutsch-Rocker der Gegenwart. Von Monaco nach Barmbek und zurück. Mal der Prolet mit dem Sprachfehler, dann wieder der aufgeschlossene Künstler. Er hat genug Kohle für den teuersten Champagner, doch trinkt lieber sein Hopihalido (Holsten halbe Literdosen) an der Elbe oder das frisch Gezapfte in der HSV-Kneipe an der Ecke. Anstatt an der Börse steht Lotto lieber auf der Bühne und rockt bis zum Umfallen. Lotto zeigt den Menschen, dass das vermeintlich einfache Leben nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Trotz seiner finanziellen Möglichkeiten lebt er weiter sein Leben mitten "inne Stadt". Diese Ehrlichkeit findet man auch in seiner Musik wieder. Fern von jeglicher Verkrampfung und Aufgesetztheit holt er den Deutsch Rock auf die Straße zurück. Seine Songs wirken in den Kneipen und den Stadien, ein Territorium also, das diese Musikrichtung schon längst verloren glaubte. Lotto versteht es, das komplexe Leben in einfachen Worten gekonnt auszudrücken, aber dabei nie den Humor zu verlieren.

Die Lebensgeschichte von Lotto King Karl weist einige Parallelen zur Hollywood'schen Tellerwäscherstory auf. Vor gut 5 Jahren knackt ein gewisser Karl König aus dem Hamburger Stadtteil Barmbek den Monsterjackpot von 42 Millionen. Doch wohin mit soviel Geld? Kauft man sich zehn Villen in Monaco, unterstützt man enge Freunde oder soll man sein Geld in der Kneipe versaufen und im Kasino verspielen? Das kann nicht alles sein im Leben, denkt sich der König und fängt an als Lotto King Karl, Musik zu machen. Die erste Single heißt dann auch folgerichtig "Ich hab den Jackpot" und erntet höchstens höflichen Applaus. Schlechter Sprechgesang unterlegt von billigen Beats sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Aller Anfang ist schwer, und schon der nächste Song "Allergie" zeigt eine deutliche Steigerung. Der gigantische Refrain "Ich hab Allergie, aller aber wie" spukt auch noch Jahre später im Kopf herum. Lotto erinnert sich, dass jeder Rockstar eine Band braucht. Er rekrutiert alte Kumpels, sowie zwei schöne Backgroundsängerinnen und fertig sind die Barmbek Dream Boys.

Im Jahre '96 steht das Debutalbum "Weiß Bescheid" in den Läden. Leider geht die Platte in der Flut von Veröffentlichungen etwas unter. Völlig unberechtigt allerdings, reiht sich hier doch Klassiker an Klassiker. Lotto rockt und blödelt sich durch alle Lebenslagen. Ob er nun "Aufrecht stehend" seine Lottozahlen nach "dem letzten langsamen Pogo" ins Pissbecken brennt oder den Tod seines "Silbermercers" betrauert, mit dem er immer "Hopihalido und Hörnerwhiskey" von der Tanke holt. Ganz groß sind auch der Gospel für Barmbek-Urgestein Andi Brehme und die Textzeile "the girls are good to birds" aus "Old Swedish Man". Mit der Live-Version der zweiten Singleauskopplung "Ich liebe dich (wie der Hamburger sein Holsten)" zeigen Lotto und die Barmbeker Dreamboys, dass sie auch spielerisch zur ersten Garde gehören, indem sie Dylan's Evergreen "Knocking on Heavens Door" famos interpretieren. Obwohl das Album kein Chartbreaker wird, wird die Tournee zum Triumphzug und die oft dreistündigen Mammutkonzerte zu wahren Erlebnissen. Zu dieser Zeit ist Lotto ein wahrlich viel beschäftigter Mann. Seine Lotto King Karl-Radioshow bei Delta Radio in Akielpolko und später bei Energy 97.1 in Hamburg wird für den Cometen nominiert. Bei der Heike Makatsch Show mimt er den Barkeeper, und er ist Gast in fast jeder TV-Show.

Der zweite Streich "Die alte S-Klasse", eine Anspielung auf Sabrina Setlur ,folgt 1999. Lotto stellt das Werk erstmals bei einem Konzert vor Häftlingen in der Vollzugsanstalt HH-Fuhlsbüttel vor. Bei dieser Scheibe wird der musikalische Einfluss von seinen Favoriten den Fantas und Metallica deutlich. Lotto kann sich nicht entscheiden zwischen rockenden Mitgröhl-Hymnen ("Kein Scheiß") und halbgaren Hip Hop-Schlagern ("Opfer der Justiz"). Zudem verfehlen die ehemals lustigen Skits zuweilen ihre Wirkung. Nichts desto trotz befinden sich natürlich auch wieder einige Highlights auf dem Album. Die Hymne "Unter der HSV-Bettwäsche" thematisiert den Zwiespalt zwischen Liebe und Fußball. Bei der Abgehnummer "Ich war jung und brauchte das Geld" erfahren wir so einige pikante Details aus Lottos Vergangenheit. Und bei den Balladen "Deine Nähe" und "Südlich von Hamburg" beweist Lotto, dass er auch sehr gefühlvolle Lieder schreiben kann. Im Endeffekt jedoch kommt das Album nicht ans Debut heran.

Im Herbst '99 sponsert Lotto die Tournee der befreundeten Band Roh, indem er jedem Zuschauer anstatt des Eintritts 10 Mark spendiert. Am 18.2.2000 präsentiert Lotto bei der Vorausscheidung zum Grand Prix d'Eurovison seine neuestes Stück "Fliegen" und erreicht einen achtbaren sechsten Platz. Die Single schafft es sogar in die deutschen Charts. Bei dem Lied ist der Einfluss vom Ex-Clowns & Helden und Roh-Mitglied Pape unüberhörbar. Das Stück klingt insgesamt ausgereifter und durchdachter. Sein drittes Album "Bier her:Now" zeigt einen musikalisch erwachsenen Lotto King Karl. Bis auf das Intro werden die komischen Zwischenspiele gestrichen und es wird sich mehr auf die Musik konzentriert.

So ist "Bier her: Now" eine astreine Rockplatte geworden, die sich vor nichts und niemanden verstecken muss. Rocker, Balladen, Hymnen. Es ist alles da, was das Herz begehrt. Das melancholische "Unten am Hafen", die Hymne für eine ganze Generation "Fußball und Dosenbier", sowie die Liebeserklärung an "Hamburg" stechen noch heraus. Zeilen wie "Deine Schwester steht am Bahnhof und fährt doch nicht Bus und Bahn" (Fußball und Dosenbier) oder "Wenn du vom Balkan kommst, kann es sein, dass du nicht mal auffällst" (Hamburg) belegen Lottos lyrische Fähigkeit, die komplexe Realität in einfachen, ironischen Worten auszudrücken. Die folgende Tour ist ein Riesenerfolg, bekommt jedoch durch den Split von Roh und den Ausfall einiger Konzerte eine etwas bittere Note.

Nach dem obligatorischen Finale in der Großen Freiheit befinden sich die Barmbek Dreamboys schon wieder im Studio und arbeiten an der neuen Platte, die 2006 unter dem Namen "I Ikarus" erscheint. Den großen Rummel macht er jedoch nicht mit Musik, sondern mit der Schlagzeile, dass die Polizei im Zuge einer groß angelegten Razzia in seiner Wohnung Kokain findet.

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Termine

Fr 16.05.2014 Hamburg (Stadtpark Freilichtbühne)
Di 20.05.2014 München (Ampere)
Mi 21.05.2014 Frankfurt (Batschkapp)
Do 22.05.2014 Stuttgart (Universum)
Fr 23.05.2014 Bochum (Zeche)

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