Porträt

laut.de-Biographie

Liza Minnelli

Sie ist einer der größten Musicalstars ihrer Zeit und die wohl letzte große Entertainerin der alten Garde: Liza Minnelli, die als Sally Bowles in "Cabaret" 1972 weltberühmt wurde. Für ihre Rolle der Varietésängerin, die es im Berlin der frühen 30er Jahre mit gleich zwei Liebhabern aufnimmt und nebenbei auf die große Karriere hofft, hat sie den Oscar bekommen. Neben zahlreichen anderen bedeutenden Preisen der Unterhaltungswelt.

Auf eine große Karriere hoffen muss Liza Minnelli nicht, wird sie doch schon von Kindesbeinen an ins Showbusiness integriert. Geboren wird sie am 12. März 1946 in Hollywood. Ihre Eltern sind die Filmlegende Judy Garland und der junge aufstrebende Regisseur Vincente Minnelli, ihre Paten Ira Gershwin und Kay Thompson. Bereits mit zweieinhalb Jahren hat die kleine Liza ihren ersten Filmauftritt in der Schlussszene von "Damals im Sommer", einem der letzten Judy-Garland-Streifen bei MGM.

Als sich die Eltern scheiden lassen, wächst sie bei der Mutter auf, die 1952 den Produzenten Sidney Luft heiratet. Aus dieser Ehe gehen Lizas Halbgeschwister Lorna und Joey Luft hervor, um die sie sich kümmert, während Mutter Judy auf Konzertreisen geht und Stiefvater Sid eifrig Filme dreht. 1954 tritt sie erstmals mit ihrer Mutter im New Yorker Palace Theatre auf und beginnt, Tanzunterricht zu nehmen. Nach ersten Talentwettbewerben und Gastspielen im Fernsehen wird sie 1961 in die New York Highschool of Performing Arts aufgenommen und spielt die Titelrolle im Stück "Das Tagebuch der Anne Frank", das sie als Tournee durch die Vereinigten Staaten, Israel und Europa führt.

Erstes Kritikerlob erhält die junge Liza - nachdem sie an die Pariser Sorbonne und schließlich ans Herbert-Berghof-Studio gewechselt hatte - für ihre Rolle im Musical "Best Foot Forward" aus dem Jahre 1963. Schon zu dieser Zeit nimmt sie eine Reihe von Pop-Singles für das Label Cadence, später für Capitol Records auf, von denen sich einzig "You Are for Loving" einigermaßen durchsetzt. Weitere Rollen am Theater sowie Auftritte mit ihrer Mutter 1963 in der "Judy Garland Show" und bei einem gemeinsamen Konzert im Londoner Palladium 1964 machen sie der breiten Masse bekannt. Sie nimmt ihr erstes Studioalbum "Liza! Liza!" auf, das es in die Billboard Top 200 schafft - eine Leistung, die seine Nachfolger "It Amazes Me" (1965) und "There Is a Time" (1966) trotz ihrer musikalischen Vielfalt aus Jazz, Chanson, Swing und Musical nicht erreichen.

Liza Minnelli arbeitet mit Charles Aznavour zusammen und beginnt, vermehrt in den angesehenen Nachtklubs von New York, Las Vegas, Miami und London aufzutreten. Zum neuen Star der New Yorker Theaterszene steigt sie endgültig im Jahre 1965 auf, als sie ihr Broadway-Debüt im Musical "Flora The Red Menace" gibt und für ihre schauspielerische Präsenz als jüngste Darstellerin aller Zeiten den begehrten Tony Award gewinnt.

Danach nimmt Liza etwas Abstand vom großen Rummel und widmet ihre Zeit dem ersten Mann an ihrer Seite: Peter Allen, seines Zeichens früherer Protegé von Judy Garland, jetzt aufstrebender Songschreiber und bald selbstständiger Entertainer. Kennengelernt haben sich die beiden bereits 1964, und heiraten schließlich 1967. Doch diese Ehe geht nach nur kurzer Zeit in die Brüche, nach der Trennung 1970 folgt zwei Jahre später die endgültige Scheidung. Allen outet sich als homosexuell, stirbt 1992 an den Folgen von AIDS. Es soll nicht die erste gescheiterte Beziehung der Liza Minnelli bleiben.

Die aufblühende Künstlerin, die Ende der 60er Jahre für A&M Records drei erfolglose Alben im Stil der zeitgemäßen Beat- und Popmusik herausbringt ("Liza Minnelli" 1968, "Come Saturday Morning" 1969 und "New Feelin'" 1970), kann sich zumindest als Filmschauspielerin bewähren. Nach ihrer ersten Rolle als Geliebte von Regisseur Albert Finney in "Ein erfolgreicher Blindgänger" von 1967 wird sie zwei Jahre später mit Alan J. Pakulas "Pookie" international bekannt. Die Kritiker rühmen sie als Idealbesetzung junger exzentrischer Figuren, und Liza wird für ihre Rolle als "Pookie" mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Gleichzeitig muss sie ihren ersten Schicksalsschlag hinnehmen, als ihre Mutter 1969 an einer Überdosis Schlaftabletten stirbt.

Nach "Tell Me That You Love Me, Junie Moon", einem Film von Otto Preminger, der sie erneut als Charakterdarstellerin zeigt, gelingt Liza mit "Cabaret", der Verfilmung des gleichnamigen Broadway-Musicals, ein schlagartiger Durchbruch als Filmstar. Sie bekommt zahlreiche Filmpreise wie den Golden Globe, den BAFTA und natürlich den Oscar verliehen - eine erfolgreiche Fernsehshow namens "Liza with a Z" krönt im September 1972 den großen Clou, der ihr mit Hilfe von Bob Fosse und dem Musical-Duo John Kander und Fred Ebb gelingt, die ihr zukünftig bei vielen Bühnenprogrammen zur Seite stehen.

"Liza with a Z" gewinnt einen Emmy und die Minnelli selbst wird vom Verband der amerikanischen Varietékünstler zur "Entertainerin des Jahres" gewählt. Sie unterschreibt einen neuen Plattenvertrag bei Columbia Records und nimmt - wieder mal entgegen ihrer musikalischen Wurzeln - ein zeitgenössisches Pop-Album mit dem Titel "The Singer" heraus. Zwar wird es von Kritikern zerrissen, aber von Fans gelobt, und Liza avanciert zur neuen Medien-Ikone der frühen 70er Jahre.

Mit "New York, New York" bietet sich 1977 die große Chance, mit Regisseur Martin Scorsese und Filmpartner Robert De Niro zusammenarbeiten. Dieses von Scorsese als "Film-Noir-Musical" angelegte cineastische Meisterwerk wird von vielen Kritikern und erst recht nicht vom Publikum anerkannt, lediglich der Titelsong bleibt in Erinnerung und wird schließlich durch Frank Sinatras Neuinterpretation 1979 legendär. Ebenfalls 1977 nimmt Liza ein neues Studioalbum im Disco-Stil auf: "Tropical Nights" verkauft sich miserabel, der Vertrag mit Columbia zerbricht.

Fast parallel zu ihrer Filmkarriere scheitert auch Lizas Ehe mit dem Produzenten Jack Haley, Jr.. Schlagzeilen macht sie vor allem mit Alkoholproblemen, bald kommen illegale Drogen ins Spiel. Liza ist Stammgast in der berüchtigten Highsociety-Diskothek "Studio 54", wo sie ihren dritten Ehemann und Manager Mark Gero kennenlernt. Der Drogeneinfluss bleibt jedoch nicht ohne Folgen: Liza Minnelli erleidet drei Fehlgeburten. Schließlich zieht sie die Notleine und lässt sich zum Entzug ins Betty-Ford-Center einliefern. Mitte der 80er trennt sie sich von Gero, 1992 lassen sie sich scheiden.

Nach einigen Jahren voller Entziehungskuren und gesundheitlicher Probleme gelingt Liza 1987 das große Comeback mit einer dreiwöchigen Konzertreihe an der Carnegie Hall, aus der ein Live-Album hervorgeht, das als erste Aufnahme seit 13 Jahren wieder in die Charts einsteigt. Zwar misslingen die Versuche, sie mit den Filmen "Rent-a-Cop" und "Arthur 2: On the Rocks" wieder als Schauspielerin zu präsentieren, doch 1988 bietet sich die große Gelegenheit, zusammen mit Frank Sinatra und Sammy Davis, Jr. auf eine ausgedehnte Konzerttournee zu gehen, die als "Ultimate Event" auch im Fernsehen gezeigt wird. Ein Jahr später geht Liza einen völlig anderen musikalischen Weg, als sie zusammen mit den Pet Shop Boys ein elektronisches Pop-Album produziert, das es sogar auf Platz 6 der britischen Charts schafft und sich auch ganz gut in den USA verkauft. Trotzdem gibt sie Dance-Songs wie "Losing My Mind" oder "Love Pains" bis heute nur selten bei ihren Konzerten zum Besten.

1990 wird Liza Minnelli für ihren Einfluss auf die Musikwelt mit dem Grammy Legend Award geehrt, 1991 dreht sie einen neuen Film namens "Stepping Out", der endlich auch wieder ihr Talent als Sängerin und Tänzerin fördert, aber nur wenig Beachtung findet. Liza tritt weiter im Fernsehen auf, verschwindet zwischendurch von der Bildfläche wegen neuer Alkohol-Probleme und bringt 1996 mit "Gently" schließlich ein neues Album heraus, bei dem sie zu ihren musikalischen, jazzigen Wurzeln zurückkehrt. Es wird für den Grammy nominiert und von Kritikern begeistert empfangen. Doch ihre Broadway-Hommage "Minnelli on Minnelli" an ihren 1986 verstorbenen Vater Vincente muss sie abbrechen, da sie mit lebensgefährlicher Enzephalitis ins Krankenhaus eingeliefert wird.

Die letzte Entertainerin Hollywoods rappelt sich wieder auf: Sie nimmt nach langwierigen Operationen Tanz- und Gesangsstunden und kehrt 2002 mit einer neuen Bühnenshow in die Öffentlichkeit zurück. "Liza's Back" wird ein Knüller, die Tournee führt sie bis nach London, wo sie einst mit ihrer Mutter aufgetreten ist. Auch den Weg zurück ins Schauspiel bahnt sie sich nach und nach, tritt in der Sitcom "Arrested Development" auf, hat eine kleine Rolle im Film "The OH in Ohio" und bringt sich für die Hauptrolle in der Musicalverfilmung "Sunset Boulevard" ins Gespräch. Neue Konzerte, die sie durch die ganze Welt führen, sowie die Broadway-Show "Liza's at The Palace…!" lassen noch auf eine lange Karriere hoffen.

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