laut.de-Kritik

Da soll noch mal jemand sagen, Techno sei nicht politisch.

Review von

Seit 14 Jahren sind Lexy und K-Paul Teil des großen Technozirkus und tun es immer wieder und gerne Madonna gleich: Sie 'erfinden' sich neu. Denn Stillstand kann und will man sich nicht erlauben. Deswegen setzen die beiden immer mehr auf Kollabos mit Künstlern anderer Genres, die überraschend gut funktionieren.

K-Paul hat zum Beispiel Marteria über die gemeinsame Leidenschaft zum Fußballspiel kennen gelernt. Aus dieser Freundschaft entstanden bereits mehrere Tracks. Auf dem neuen Album "Attacke" heißt das Kind "USA". Marten rappt doppelbödig über die fortschreitende Amerikanisierung und ihre Auswirkungen. Die Beats brodeln unbehaglich darum herum.

Da soll noch mal jemand sagen, Techno sei nicht politisch. Tracks, die man bereits von Live-Performances der beiden Radaubrüder kennt, finden nun endlich auch Verwendung auf einem Tonträger. "Grizzly On Dope" etwa, das gerne auch als Intro bei DJ-Sets dient, gefällt besonders. Betörende tiefe Fanfaren stacheln sich gegenseitig an, während sie von einer monumentalen Bassdrum befeuert werden. Potential zum zukünftigen Klassiker à la "Love Me Babe" hat "Superdisco". Geniales 80s Flair, kombiniert mit einer detroitigen Bassline, da sieht man schon die Leute auf den kommenden Open Airs dazu springen.

Natürlich ist die Arbeitsweise, die Methodik professioneller geworden, die Tracks haben vielleicht nicht mehr ganz die punkige Attitüde wie auf den ersten Alben. Aber K-Paul meint zurecht, jedes Album habe seine Zeit und man mache eben in jedem Lebensabschnitt die bestmögliche Musik. Im Thailand-Urlaub nahmen Alexander und Kai die Arbeiten für die ersten Albumskizzen auf. Diesem Umstand und der daraus resultierenden Inspiration entstanden blumige Tracks à la "Atun Con Pan".

Auch die Vocal Abteilung, ist seit jeher ein Spezialgebiet der Discopaten. Ono von Data MC ist wieder mit einem Track vertreten und auch das Berliner Undergroundwunder Chefket besingt "Your Name", das zugleich die erste Singleauskopplung ist. Ruhig, fast melancholisch, so wie viele Lieder dieses Werks, lässt es dennoch nicht die letzte Portion Rave vermissen.

Sehr schön trompeterisch verstärkt kommt "Trompie" daher, ein leichtfüßiges Elefäntchen, das zum ersten Mal der Zirkusmanege entkommen ist und Freiheit atmet. Oder so ähnlich. "I Dont Wanna Say Goodbye" gefällt mit oldschooligen Electro-Beats und klingt zugleich wie eine Reminiszenz an die Anfangstage des Technolectro Berliner Ausprägung. Schön gechoppte Samples und eine sehr ausgefeilte Produktionstechnik, da macht sich die jahrelange Erfahrung bezahlt.

Die Handgriffe sitzen, Blicke ersetzen Worte, Lexy und K-Paul funktionieren besser als ein altes Ehepaar. Und wenns mal nicht so flutscht, müsse der eine halt mal Reizwäsche anziehen, meint K-Paul spaßeshalber zum Thema Bandkoller. "Attacke" ist sicherlich auch nicht zu sehr als Haudruff-Mentalität zu verstehen, sondern eher als eine subtile Ausprägung, die sich um so mehr einprägt. Mission accomplished.

Trackliste

  1. 1. Grizzly On Dope
  2. 2. Attacke
  3. 3. Your Name
  4. 4. Superdisco
  5. 5. L.O.V.E.
  6. 6. Space Kadett
  7. 7. Killing Me
  8. 8. Curiosity
  9. 9. Atun Con Pan
  10. 10. Tap Tap Tap
  11. 11. U.S.A.
  12. 12. Babe
  13. 13. Horst
  14. 14. I don't Want To Say Goodbye
  15. 15. Trompie

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3 Kommentare

  • Vor 11 Monaten

    Wow, endlich mal ein Werk der Beiden mit Relevanz und auf den Punkt(!). Das Ganze vorher war ja teilweise zu fragmentarisch, uneinheitlich, zu improvisiert im Vergleich zu dem hier. Daumen hoch!!!

    "Das ist die U.S.A. ....Wir sind U.S.A.!"

  • Vor 11 Monaten

    allah das ist so lauer mainstream techno rotz, der jagt bitches noch schneller ausm Pool als Kollege westbam uknow? :)

  • Vor 11 Monaten

    @lautabuser (« allah das ist so lauer mainstream techno rotz, der jagt bitches noch schneller ausm Pool als Kollege westbam uknow? :) »):

    Ansichtssache! ;)

    P.S. Ach ja, also man sollte das Album auch über eine ordentliche Anlage hören. Viele der Tracks gehen in den Tiefen so weit runter, dass man dafür schon den entsprechenden Subwoofer braucht, um das Ganze dann auch gut aufzulösen. Gerade der Soundaspekt dieses Albums ist für mich ein Ohrenschmaus !:)