Porträt

laut.de-Biographie

Kissogram

Im Frühsommer 2001 tauchen Kissogram wie aus dem Nichts auf. Auf dem kleinen Berliner Label Blaou setzen sie ihre Debüt-Single "If I Had Know This Before" in die Welt, die sich dank Woodys geschmeidigem Remix auf der B-Seite zu einem der Clubhits der Saison mausert. Kurze Zeit später wird der sommerliche Tanzbodenfeger sogar von Westbams Label Low Spirit lizensiert und gehörte zu der Zeit zum festen Inventar für alle, die gerne die Turntables bedienen.

Dass sie eines Tages ganz oben auf der Erfolgswelle surfen würden, ahnen die beiden Berliner Jonas Poppe und Sebastian Dassé 1999 freilich noch nicht, als sie Kissogram ins Leben rufen. Im Englischen ist ein "kissogram" eine durch einen Kuss übermittelte Grußbotschaft. Ausgestattet mit einem Synthesizer und einem Acht-Spur-Rekorder machen sie sich an die Arbeit und nehmen erste eigene Tracks auf. Mit einem kleinen Repertoire an Songs treten Kissogram auf illegalen Partys auf und erspielen sich dort eine kleine Fangemeinde.

An drei Freunde, so der Band-Mythos, verteilen sie zunächst Tapes mit ihren Songs. Über Umwege erreicht eine der Aufnahmen auch Dittmar Frohmann, der das Label Blaou betreibt und auf ihm elektronische Tunes von Matthias Schaffhäuser oder Jimi Tenor veröffentlicht. "If I Had Known This Before" gefällt dem Blaou-Macher auf Anhieb und so beschließt er, den Newcomern eine Plattform zu geben.

Zuvor drückt er den Track jedoch dem Berliner DJ-Urgestein Woody in die Hand, der "If I Had Known This Before" in seinem "XTC Express Remix" mit Fumakilla-Grooves zum einem wirkungsmächtigen Dancefloor-Smasher werden lässt. Nachdem mit "I'm Absolute" 2002 eine weitere Single erscheint, gönnen sich Poppe und Dassè Kissogram erstmal eine Ruhepause.
2004 erscheint mit "The Secret Life Of Captain Ferber" ihr erstes Studioalbum beim neu gegründeten Berliner Label Louisville Records, dass auch ähnlich eigenwillige Bands wie Naked Lunch, Jeans Team oder die Puppetmastaz beheimatet.

Dabei offenbaren Kissogram auf Albumlänge erstmals ihren Hang, sich zwischen möglichst vielen Genre-Stühlen zu platzieren. New Wave, Rock, Lo-Fi Bastel-Pop, Dance und sogar Anleihen von Weltmusik verwursten die Berliner, an einem Sampler mit musikalischen Kniefällen vor den Chansons von Hildegard Knef beteiligen sie sich auch noch. Mit "Nothing, Sir!" und "Rubber & Meat" erscheinen weitere Alben bei Louisville, die den Band-Sound bei aller Offenheit für Experimente doch festzurren.

Es ist ein cheesy Ritt durch die Zitatehölle des Pop, bei dem die Ernsthaftigkeit von Indierock belächelt wird und die Definition von Tanzmusik eine spielerische statt eine stumpfsinnig-repetive ist. Zwar haben sich Kissogram für ihr drittes Album mit Joe Dilworth, der bereits bei Stereolab trommelte, einen klassischen Schlagzeuger hinzugeholt.

Dennoch klingen sie weiterhin mehr nach einem virtuosen bis spinnerten Electroclash-Duo als nach einer klassischen Rock-Besetzung, mit der sie nur die Vorliebe für verrauchte Kellerclubs verbindet. Die alleinige Nutzung von Schlagzeug, Bass und Gitarre ist Kissogram schlichtweg zu eindimensional, wenn man schon alte Synthesizer, Midi-Keyboards und sonstiges Flohmarktinstrumentarium sowie einen Laptop zu Hause herumliegen hat. So verhält es sich mit dem Anspruch der Berliner letzlich wie mit dem Werbespruch eines Einrichtungskonzerns: Entdecke die Möglichkeiten.

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