Porträt

laut.de-Biographie

Kamp

Gut Ding will Weile haben. Im österreichischen Rap-Zirkus passt das Sprichwort auf niemanden besser als Florian Kampelmühler, der zehn lange Jahre gebraucht hat, um ein Solo-Debüt an den Start zu fahren. Voilà: Die Geschichte eines ewigen Talents, die Geschichte eines selbsterklärten Versagers ohne Zukunft, die Geschichte eines im Deutschrap führenden Storytellers, die Geschichte des Wiener Rappers Kamp.

Als Deutschland Ende des Jahrtausends gerade den Höhepunkt seines Rap-Booms feiert, taucht auf den Freestyle-Bühnen der österreichischen Hauptstadt erstmals der 16-jährige Kamp MC auf. Sein Talent bringt ihn bis zur Radio-Show "Tribe Vibes", die auf dem Radiosender FM4 die Alpenländer quasi in Monopolstellung mit Hip Hop versorgt. Selbstbewusst äußert sich der Newcomer dort herablassend über die gesamte Ösi-Rap-Riege und stellt klar, er habe den Genre-immanenten Battle-Gedanken verstanden. Die Szene horcht auf, der Grundstein für eine gepflegte Hassliebe ist gelegt.

In DJ Fester und Produzenten Saiko findet Kamp seine musikalischen Partner In Crime und avanciert schneller als erwartet zum Dauergast auf den Bühnen zwischen Innsbruck und Wien. Die Live-Schwerstarbeit kulminiert in einem Auftritt nach (!) Eminem 1999 in der Donaumetropole, was sich schließlich sogar bis nach Deutschland herumspricht. Das Dortmunder Label Deck8 meldet sogleich Interesse an und signt den talentierten österreichischen Rapper mit wachsenden Storyteller-Qualitäten wenig später. Die Geschäftsbeziehung hält jedoch nur ganze zwei 12"es lang. Die Deutschrap-Blase ist längst geplatzt, und auch Deck8 muss Konkurs anmelden.

Kamp kommt beim ortsansässigen Stiege44-Label unter und veröffentlicht 2002 die Großtat "d.K.d.t.B." in EP-Format. Als detailverliebter Storyteller erzählt er darauf mit Blick auf meinst vergessene Hip Hop-Traditionen die Geschichte von den Knochen des toten Bären (d.K.d.t.B.) und behauptet weiterhin auf den Bühnen der Heimat seinen Ruf als trinkfester Wodka-Connaisseur und so geliebte wie gehasste Rampensau.

Für seine stetig erscheinenden 12"es und Mixtapes bezieht er seine Inspirationen aus der eigenen Realität. Dabei zeichnet der mittlerweile an der Akademie Malerei studierende Rapper und Graffiti-Writer ein Leben zwischen Frauenproblemen, Wodka-Ölung und Hip Hop-Lifestyle der alten Schule. Ein Album lässt weiter auf sich warten, woraufhin das Scheitern der eigenen Karriere in der Gründung der Crew Versager ohne Zukunft (kurz: VoZ) persifliert wird. Als loses Kollektiv versammelt VoZ Produzenten, DJs und Rapper wie Kamp, Brenk, Mainloop, P.tah, Whizz Vienna, Vektor, Esko, Saiko, Kurd-y und Fester unter sich.

Das Versagen etabliert sich als Mantra und selbsterfüllende Prophezeiung zugleich, was zwar nicht zu steigendem Bekanntheitsgrad, geschweige denn so etwas wie einer erfolgreichen Karriere führt, aber genügend Stoff für die musikalische Werkschau "Neue Mode" (2006) und das Mixtape "Die Alten Filme" (2007) liefert. In dem Wiener Produzenten Whizz Vienna und dessen Soul-geladenen Produktionen findet Kamp schließlich einen kongenialen Partner für die Alltagsstorys eines strugglenden Malerei-Studenten mit "suboptimalen Suchtpotential".

Tatsächlich nehmen Kamp und Whizz im Team nach mehr als zehnjährigem künstlerischem Schaffen das passend betitelte Debüt "Versager Ohne Zukunft" auf. Die 19 Tracks sollen dabei alles Relevante sagen - der Longplayer wird als "erstes und letztes Album" angekündigt. Noch bevor es mit so etwas wie einer Karriere geklappt hat, soll es auch gleich zu Ende sein.

Passend dazu kürt die Juice "Versager Ohne Zukunft" zu ihrem Album des Monats im März 2009. Auf einmal fragt man sich sogar in Deutschland, wer diese zwei Österreicher sind, die laut Juice nichts weniger als einen "instant classic" geschaffen haben. Trotzdem soll es das letzte Album bleiben.

So ganz wird Kamp aber nicht von der Bildfläche verschwinden, wie er zur Freude der gerade neu gewonnenen Fans im Interview mit dem österreichischen Magazin The Message prophezeit: "Jetzt ist einmal Schluss, aber dass wir immer irgendwie Musik machen werden, ist klar. Wir machen das schon so lange, und wir machen das aus Spaß und Freude. Deshalb dauert bei uns auch alles immer etwas länger, weil wir uns einfach keinen Stress machen."

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