laut.de-Kritik

Neues vom Pimmelmann.

Review von

Warum ich diese CD bespreche und nicht etwa Edele, bzw. warum wir hier überhaupt Platz für einen Herrn namens Joke Jay frei räumen; das sind Fragen, die gestellt werden dürfen. Edele äußerte sich auf meine diesbezügliche Mail hin jedenfalls nur mit einem "What the fuck is Joke Jay?", und ich erinnerte mich dunkel, dass nach meiner juvenilen Begeisterung für And One irgendwann mal ein gewisser Joke Jay in diese Band einstieg.

And One, heute längst zum Alleinprojekt Steve Naghavis und zur Lachnummer der Elektro-Szene verkommen, waren um 1992 eine Band, die ihre Liebe zu Depeche Mode zwar nicht verschleierten, ihr aber im Gegensatz zu tausend anderen deutschen Bands eine Spur Eigenständigkeit entgegen setzen konnten. Danach kam Joke Jay in die Band und mit ihm Songs ins Repertoire mit Titeln wie "Der Pimmelmann" und folgenden Songzeilen: "Ich fliege über Berg und Tal, wer nackig fliegt, der muss schon mal. Ich seh dich sitzen dort am See und strull in deinen Blasentee. Ich bin der Pimmelmann".

Auch "Fiasko Deluxe" liefert wieder deutsche Texte, an die sich schon Ende des Jahres kein Mensch mehr erinnern wird. Plumpe Wortwahl und abgestandene Metaphern vereinigen sich mit bekannten Beats, die durchaus für einen kleinen EBM-Rätselspaß herhalten können: bei "Angefixxt" muss die Lösung And One lauten, "Das Original" huldigt alter Nitzer Ebb-Power, und "Das letzte Boot" trampelt auf Depeche Mode-Pfaden, kombiniert mit üblem Witt-Pathos. "Der Jugend Kraft", eine unsäglich plumpe Hymne auf das erste Drittel des Lebens, entstand in Gemeinsamkeit mit Funker Vogt, und wer mag, darf da auch Sequenzen von Nine Inch Nails' "Terrible Lie" heraus hören. Und was Nena-Refrains können, nämlich unrhythmische Menschen zum Mitklatschen zu bewegen, das kann Joke allemal: Man höre "Die Goldene 80".

Dennoch: der Sound ist nicht das Schlimmste auf "Fiasko Deluxe". "Wo Weht Der Wind" könnte man sogar als ganz netten Popversuch abzeichnen. Es sind die Texte, die Joke Jay eigentlich schnellstens zurück in die Arme Naghavis treiben müssten. Auf der Single-Auskopplung brüllt er den Refrain: "Du hast mich angefixxt, du Sau". Haha, lustig. Mehr? "Ich seh dich nicht, ich riech dich nur noch, alles wegen dir, du kleines Arschloch". Also, ich habe ja weder eine Ahnung, was And One heute so fabrizieren, noch, wer im Lande tatsächlich auf eine Joke Jay-Platte wartet. Doch da "Fiasko Deluxe" vom Zillo-Magazin empfohlen wird, dürfte dem Sänger zumindest ein Platz im Nachmittagsprogramm eines Festivals in St. Goarshausen sicher sein.

Trackliste

  1. 1. Das Letzte Boot
  2. 2. In Farbe
  3. 3. Das Original
  4. 4. Puppenmädchen
  5. 5. Die Goldene 80
  6. 6. Verpestet
  7. 7. Angefixxt (Fiasko Mixx)
  8. 8. Der Jugend Kraft
  9. 9. 32 Zacken
  10. 10. Wo Weht Der Wind
  11. 11. Tango 2000
  12. 12. Deine Sonne

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