laut.de-Kritik

Die Metallraspel aus Sheffield interpretiert wieder Lieder anderer.

Review von

Eine neue Platte von Joe Cocker zu rezensieren ist eine undankbare Aufgabe. Was bleibt noch zu berichten über einen Mann, dessen Stimme weltweit bekannt und unverwechselbar ist? Hätte er das Genre gewechselt oder das Material selbst komponiert, gäbe es einen Anhaltspunkt. Aber nein, die Metallraspel aus Sheffield interpretiert mal wieder Lieder Anderer im üblichen angepoppten Rhythm And Blues-Gewand.

Wenigstens umgibt er sich mit namhaften Musikern: Am Schlagzeug Jim Keltner (John Lennon, Bob Dylan, Neil Young), am Klavier Benmont Tench (Tom Petty), am Keyboard Dave Palmer (Jethro Tull), am Bass Bob Babbitt (The Funk Brothers) und an der Hammond-Orgel Mike Finnigan, der bereits auf Jimi Hendrix' "Electric Ladyland" die Tasten bediente. Die Background Vocals steuern The Waters bei, die sich in Guns N'Roses' Version von "Knockin' On Heaven's Door" unsterblich gemacht haben. Dass sich ein jüngeres Semester wie Ethan Johns um die Produktion kümmert – zu seinen Betreuten gehören u. a. Ryan Adams und Rufus Wainwright – ist nur auf den ersten Blick verwunderlich. Sein Vater Glyn mixte 1970 Cockers Album "Mad Dogs & Englishmen" ab.

Back to the Roots, also, auch was die Länge des Albums betrifft: Zehn Songs in knappen 38 Minuten, was an die guten alten Zeiten des Vinyls erinnert. Als einzige Neuerung bleibt die Auswahl des Materials, die zwar mehrere bekannte Musiker umfasst, aber nur stellenweise bekannte Stücke bietet.

Den Anfang macht Stevie Wonder mit seinem Polit-Hit "You Haven't Done Nothin'", auf dem 1974 Jackson 5 im Hintergrund sangen. Das Lied war damals Richard Nixon gewidmet, doch die Anspielung dürfte dem aktuellen Präsidenten gelten. Eine Botschaft, die "One Word (Peace)" der eher obskuren Subdudes noch verstärkt. The Meters steuern ihren 1974er Song "Love Is For Me" bei, bevor Cocker der Soul-Legende Solomon Burke ("Don't Give Up On Me") huldigt.

Mit die bekanntesten Stücke dürften "Long As I Can See The Light" (Creedence Clearwater Revival) und "Beware Of Darkness" (George Harrison) sein. "Just Pass It On" stammt aus der Feder von Cockers zeitweiligem Wegbegleiter Daniel Moore, "Rivers Invitation" aus der Percy Mayfields ("Hit The Road Jack"). Zum Schluss kommen Bob Dylan ("Ring Them Bells", aus seinem 1989er Album "Oh Mercy") und der walisische Songwriter Andy Fairweather-Low mit dem Titeltrack in den Genuss einer Cockerschen Version.

Klassiker, die "With A Little Help From My Friends" oder "You Can Leave Your Hat On" ersetzen könnten, sind auf "Hymn For My Soul" nicht vorhanden – aber das war auch nicht zu erwarten. Die größte Überraschung ist Cocker selbst, dessen raues Organ sich immer noch anhört wie vor 40 Jahren. Ob es auf der Bühne genauso klingt wie im Studio, kann er im Herbst 2007 bei seiner umfangreichen Deutschland-Tour unter Beweis stellen.

Trackliste

  1. 1. You Haven't Done Nothin'
  2. 2. One Word (Peace)
  3. 3. Love Is For Me
  4. 4. Don't Give Up On Me
  5. 5. Long As I Can See The Light
  6. 6. Beware Of Darkness
  7. 7. Just Pass It On
  8. 8. Rivers Invitation
  9. 9. Ring Them Bells
  10. 10. Hymn 4 My Soul

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2 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Ich muss Herrn Benassi im Grunde vorbehaltlos zustimmen. Würden halbe Balken bei der Wertung vergeben, könnte ich dem Album als wirklich alter Fan der Reibeisenstimme noch den 3. halben zuerkennen. Das wäre dann aber fast schon Fan-Bonus.
    Es ist wirklich etwas schade, wenn Cocker immer noch mit seiner Stimme trumpfen kann und dabei relativ wenig daraus Kapital schlägt.
    Als ich das Album vor ein paar Tagen erstmals hörte, war zwar der Opener von Stevie Wonder erst einmal sowas wie eine positive Überraschung, es klang schon etwas nach Motown. Aber der Rest danach wirkte ziemlich gesichtslos, da war zwar die markante Stimme, aber wenig an innovativer Interpretation, die wirklich hätte aufhorchen lassen.
    Cocker pendelt interpretatorisch irgendwo im Coversong-Niemandsland, böse Zungen könnten behaupten: weder Fisch noch Fleisch.
    Vielleicht hatte ich aber auch einfach zu viel an Erwartungen in das Album gesteckt. Ging mir bei dem Vorgänger ziemlich ähnlich. Allerdings mit dem Unterschied, daß diese darauf auch großteils erfüllt wurden. Die Songauswahl auf "Heart & Soul" war einfach für meine Begriffe die bessere, mit mehr Druck und Energie. Und er wirkte auf dem Vorgängeralbum einfach souliger und inspirierter, was seine Interpretationen anbelangt.
    Kein Fehlkauf, aber auch kein Album, daß ich mir jede Woche gönnen würde. Ein wenig schade, denn in Cockers Alter sollte man die Chancen besser verwerten.

  • Vor 7 Jahren

    Ich muss deutlich widersprechen:
    Allein "Pass it on" rechtfertigt den Kauf der CD. Ein wunderschönes Stück, das afrikanischen Folk mit Reggae- und Soulelementen verbindet: melodiös, genial aber spärlich instrumentiert, einem mitreißenden Off-Beat, dosierter Chorbegleitung, die Cockers, hier sanfte, raue aber eben nicht brachiale Stimme wunderbar zur Geltung bringt. "10 volle Balken"