Porträt

laut.de-Biographie

James Din A4

"Wann geht's denn endlich richtig ab?", mag der engstirnige Clubbesucher denken, wenn er das alternative Technomodell von James Din A4 zum ersten Mal hört. Auf vertraut durchwummernde Bassdrum und absolute Tanztauglichkeit kann man beim Produzenten und Vater vieler Synonyme (und dreier Kinder) lange warten - zum Glück. James Din A4 nutzt lediglich den 4/4-Takt als Grundgerüst für seine Experimente. "Ich habe nicht den Anspruch, die Leute zum Tanzen zu bringen", sagt er.

James Din A4 heißt eigentlich Dennis Busch und ist Künstler aus Ottersburg bei Bremen. Nein, nicht die Heimatverbundenheit hält ihn im Kaff. Sein Exil ist mit voller Absicht gewählt. In einem Akt der Auflehnung gegen die Metropolenhörigkeit allerorten aufs Land gezogen. Von dort aus produziert er, was er selbst "Techno mit Unkraut" nennt – raspelige, schräge Tracks voller kleiner Wurschteleien, Gags und Versatzstücke.

An Deepness und cleveren Einfällen büßen seine Spielereien deswegen trotzdem nichts ein - wenn man seinen Sound unbedingt vergleichen muss, dann liegt Theo Pharrish gar nicht so fern. Busch selbst erklärt trocken: "Von Boy George über Daedelus bis Hans Hartz und Radio Bremen Eins flasht mich so einiges". Das ist doch mal ein Spektrum.

Man hört es sofort, später oder vielleicht auch gar nicht – kleine Ragga-Persiflagen reihen sich an kurze Elektrokracher, die sofort wieder gebrochen werden und irgendwie stolpern, im besten, im spannendsten Sinn. Was gibt es auch Langweiligeres als einen glatten, gesichtslosen Technotrack? Bevor ein Stück in belanglose Gleichförmigkeit versinkt, hupt Dennis Busch den Hörer wieder wach.

Dass das vielleicht nicht in jedem Club funktioniert, ist ihm ausgesprochen wurscht. Ein Acht-Stunden-Liveset, eine wogende Menge vorm Pult im schwitzigen Kellerclub? Interessiert ihn überhaupt nicht. Er bleibt lieber in Ottersberg, spielt mit seinen drei Kindern und pflegt in seiner selbstgewählten Rolle als Elektro-Eigenbrötler einen entspannt-innovativen Lebensstil. Und haut ganz nebenbei mit Hilfe seines alten MPC-Samplers dann wieder ein paar Tracks raus, die die Leute in den großen Städten begeistert remixen.

Sein Output ist – vielleicht liegt auch das an der Landluft – jedenfalls riesig. Völlig in Eigenregie wird von ihm das Label Esel Inc. aufgezogen, auf dem sich neben James Din A4 noch Acts wie Pastor Pfitzner, Krieghelm Hundewasser, Lassie & Chris, Josephpetshopboys oder Pop Dylan tummeln. Man ahnt es – hinter all den kreativen Ventilen steckt derselbe produktive Mensch.

Allein die Titel seiner Arbeiten sind schon den Kauf wert: "Wenn du tot bist, erbe ich das Chinesenschwert", "Graumelierte Pötstellen", "Urlaub auf Valium", "Fistel Rose Power"? Was für ein Humor! Genial erfrischend ist es auch, dass er im Vertrieb das sonst bis auf seltene Artverwandte wie Adolf Noise bierernste Kompakt-Label aufmischt. Zu den abwegigen Titeln gesellen sich liebevolle Cover-Collagen und krude Grafiken. Und wer macht wohl das Artwork? Genau.

Fast logisch erscheint da, dass James Din A4 eine alte Siebdruckwerkstatt kauft und ins Kaff überführt, um seine schier unendlichen Ergüsse vor Ort produzieren zu können. Busch ist ein echter Allroundkünstler, der sich - um noch ein Geschäftfeld mehr zu erschließen -, unter dem Namen madewithhate auch noch auf die (Re-)Produktion von Textildrucken spezialisiert hat.

Also ein Modelabel mit der Option, seinen eigenen Kram mitzubringen. Aber lassen wir ihn das lieber selbst erläutern: "Beerdigungskarten aus Esspapier? Yo! Den Dackel deiner Freundin pink bedrucken? Yo! Jutebeutel mit dem Gesicht des Liebsten? Kein Thema. Alles, was du willst, Kollege!"

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