Porträt

laut.de-Biographie

JJ72

Ein Band-Start-Up, das zur Nachahmung empfiehlt: in einer Schule in Dublin, Irland, macht sich Schlagzeuger Fergal Matthews auf die Suche nach gewillten Mitstreitern. Er spricht Mark Greaney an, weil ihm dessen Jacke gefällt und da dieser angeblich Gitarre spielt. Die beiden versuchen es anschließend mit einer Reihe von Bassisten, bis ihnen Hilary Woods über den Weg läuft – und zwar tanzend in einem Club.

Die schüchterne und attraktive Blondine hat zu diesem Zeitpunkt zwar noch nie an einem Bass gezupft, beeindruckt aber bereits mit Charisma und Talent auf Theaterbühnen. Wie sich später herausstellt, entwickelt sie sich auch zu einer tauglichen Tief-Tönerin.

Da stellt sich die Frage, warum die beiden bei dem Mädchen aus der Nachbarschaft zugegriffen haben. War es die passende Chemie oder der auf den Ehrgeiz gerichtete Instinkt, dass Hilary Woods später das Image der Band beträchtlich aufwerten würde? Der Melody Maker wählt sie 2001 zur "Sexiest Woman In Rock".

Außerdem darf angenommen werden, dass Hilarys Schwester Catherine als Freundin Greaneys einen beträchtlichen Einfluss auf den kreativen Output des jungen Sängers hat. Greaney darf auch als Songwriter angesehen werden: der Gitarrist mit der faszinierenden und geschlechtsübergreifenden Stimme stellt das inhaltliche Markenzeichen der Gruppe dar.

Die Selbsteinschätzung und die hochgesteckten Ambitionen Greaneys sind bezeichnend für die Jay Jays. Auf die Frage, ob sie sich durch den ganzen Medien-Hype um ihr Mega-Potential unter Druck gesetzt fühlen, meint Greaney: "Nein, es macht absolut Sinn. Es ist uns egal was NME oder Melody Maker schreiben und all dieses Auf-dem-Weg-zum-Ruhm-Gerede, denn wir wissen, dass diese Lieder gut sind". Ein großes Vorbild von Greaney ist Ian Curtis von Joy Division und an deren große Meisterwerke möchte er anknüpfen: "Es geht darum, eine opernhafte, dramatische Stimmung zu schaffen. Es soll in Richtung von Joy Divisions Album 'Closer' gehen." Bei einem ihrer ersten London-Gigs im Juli 2000 sieht man u.a. Blurs Graham Coxon, Manic Street Preachers' James Dean Bradfield und Ian Broudie von den Lightning Seeds im Publikum.

Auf dem selbstbetitelten Debütalbum pendelt Greaneys Stimme oft zwischen einer erotischen Stevie Nicks und einem Whiskey trinkenden Chorknaben. Das sind Gaben, auf die sich bauen lässt. Auch die Landsmänner von U2 riechen den Braten und buchen JJ72 für ihren Dublin-Gig im Sommer 2001 als Support.

Das schwierige zweite Album wird für die Band zur unüberwindbaren Hürde. "I To Sky" verkauft sich schlecht und sorgt nicht für die beste Stimmung im Lager. Im Februar 2003 geht schließlich Bassistin von Bord. "Hillary hat beschlossen, ab jetzt andere Interessen zu verfolgen", lautet der lapidare Kommentar auf der Homepage. "Ich hoffe, dass Mark und Fergal weiterhin Erfolg haben und danke den JJ72-Fans für ihren Support", verabschiedet sich die Bassistin ihrerseits.

Doch die guten Wünsche bewahrheiten sich nicht. Mit der neuen Bassistin Sarah Fox arbeitet man zwar an neuen Songs, der Release wird aber immer wieder verschoben. Im Sommer 2006 verkündet das Trio schließlich seinen Abschied. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet Mark Greaney bereits an einem neuen Projekt. Sein Debüt erscheint jedoch erst im Herbst 2010.

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