Porträt

laut.de-Biographie

Emel

Knallharte Prostestsongs, feministischer Freiheitsdrang und totale Romantik! Was selten Hand in Hand geht, verbindet Emel in ihren berührenden Liedern ganz selbstverständlich miteinander. Mit einer Palette, die von traditionellem arabischen Folk über Pop bis hin zu trendy Elektronika reicht, ist die Tunesierin eine der interessantesten Musikerinnen des gesamten nahen Ostens.

Emel - Ensen Aktuelles Album
Emel Ensen
Grandioser Elektro-Folk von der Stimme des arabischen Frühlings.

Aufgewachsen im repressiven, autokratischen Tunesien, merkt Emel Mathlouthi rasch, dass die Möglichkeiten, professionelle und freidenkende Musikerin zu werden, im Regime schwer zu realisieren sind und für selbstbewusste Frauen doppelt schwer. Trotzdem gibt sie die Heimat zunächst nicht auf. Gerade wegen der allgegenwärtigen Zensur des Regimes lernt sie bewusst von den Zeilen kämpferischer Ikonen wie Joan Baez, Bob Dylan oder John Lennon.

Beseelt von deren rebellischem Geist formiert sie als Studentin eine eigene Metal-Band. Was hierzulande nichts besonderes ist, kommt im arabischen Raum noch immer einem Akt subversiver Rebellion gleich. Totalitäre Politiker wittern in der harten Musik Tendenzen zur Aufmüpfigkeit, und der Klerus geißelt jede unislamische Verwestlichung.

Entsprechend war dem Unterfangen keine große Zukunft beschieden. 2008 kehrt Emel ihrem Geburtsland also den Rücken und siedelt nach Frankreich über. "Ich wusste, in Tunesien würde ich nie weit kommen, egal wie groß das Talent ist."

In der Grande Nation entsteht langsam aber sicher die eigene musikalische Vision. Sie experimentiert mit Elektronika, Trip Hop und dem lupenreinen Folk arabischer Skalen. Alle Elemente fügt sie in einem eigenständigen Cocktail zusammen, der westliche und nahöstliche Ohren gleichermaßen berührt.

Textlich nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Ihre Zeilen ergreifen deutlich Partei für die freiheitlichen Ideale der tunesische Revolution 2010/2011. Die charismatischen Lieder stellen sich gegen alle Ungerechtigkeiten in ihrem Landes. So mutiert die Individualistin binnen kurzer Zeit zum musikalischen Sprachrohr des Arabischen Frühlings und wird als "die Stimme der Jasmin-Revolution" bzw "das Gesicht des Arabischen Frühlings" tituliert.

Erfolgreichstes Lied dieser Phase ist "Kelmti Horra", was übersetzt in etwa "Mein Wort ist frei." bedeutet. Kein Wunder, dass sie dieses millionenfache Youtube-Klicks abräumende Stück auch zum Titelsong ihres 2012 erscheinenden Debütalbums erwählt. Für ihren Mut und Idealismus ehrt sie 2015 sogar das Nobelpreiskommitee und kürt Emel zum musikalischen Ehrengast der Veranstaltung. Es folgen Auftritte als Special Guest namhafter Acts wie Dead Can Dance.

Mittlerweile von Paris nach New york umgezogen veröffentlicht Emel 2017 ihre zweite Platte "Ensen". Durch die Unterstützung des Produzenten Valgeir Sigurðsson (u.a. Björk, Sigur Ros) verfeinert sie ihren Stil musikalisch und setzt den textlichen Akzent diesmal deutlich gen Feminismus. Sich ihrer Vorreiterinnenrolle bewusst artikuliert sie die Hauptmotivation der CD folgendermaßen: "Ich hoffe sehr, dass das Publikum mit 'Ensen' daran erinnert wird, dass Frauen täglich schöpferisch tätig sind. Es ist aber auch Ausdruck der Tatsache, dass es Kraft kostet dies durchzuziehen!"

Alben

Emel - Ensen: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2017 Ensen

Kritik von Ulf Kubanke

Grandioser Elektro-Folk von der Stimme des arabischen Frühlings. (0 Kommentare)

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