Porträt

laut.de-Biographie

Ellen McIlwaine

Es gibt einige musizierende Menschen, die fristen ihr Musikerleben im Schatten der Großen und sind dennoch so charakteristisch und einzigartig, dass sie es auf der einen Seite gar nicht nötig haben, ihre Identität für den Erfolg aufzugeben. Auf der anderen Seite stehen diese Leute mit ihrem Können auf einem derart hohen Sockel, dass sie sich diese Attitude auch getrost erlauben dürfen. Ellen McIlwaine ist einer dieser Menschen.

Seit Ende der Sechziger Jahre wirft sie immer wieder einmal Platten auf den Markt, ohne sich groß darum zu scheren, ob diese sich nun verkaufen, oder ob die Hipsters auf sie abfahren oder nicht. Nun, als eine der ersten Frauen im Rockbusiness, die sich eine komplett männliche Backing-Band leistete und schon mit absoluten Superstars wie Jimmy Hendrix, Muddy Waters, Howlin Wolf und John Lee Hooker zusammen auf der Bühne stand, kann sie sich das auch erlauben. Als Gitarristin, Songwriterin und Bandleaderin hat sie die Zügel in der Hand und streift durch ihre eigene musikalische Welt, in der der Blues in all seinen Facetten die Hauptrolle spielt. Gibt man sich ihren Songs hin, erkennt man nicht nur ihr technisches Können an der Klampfe, sondern lauscht auch ihrer sympathischen und klaren Stimme, die ihren Songs das gewisse Etwas verpassen.

So ungewöhnlich wie ihre Musik und das Drumherum, so gestaltet sich auch ihr Lebenslauf. Von christlichen Missionaren adoptiert, wächst die kleine Ellen bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahr in Japan auf, wo sie auch ihre Liebe zur afroamerikanischen Musik entdeckte. Die Radiostationen der US-Army dudelten des öfteren Songs von Ray Charles und Fats Domino rauf und runter, während Ellen vor der Brüllkiste saß und mit verklärtem Blick den Klängen lauschte. Mit fünf Jahren lernte sie das Klavierspielen und nahm an den Gesangstunden des Kirchenchors teil, wie das für kommende Profimusiker wohl üblich ist.

Als sie zarte siebzehn ist, ziehen ihre Eltern in die Staaten um und dort beginnt auch ihre Karriere. Der Folk Sänger Patrick Sky ermuntert sie, nach New York zu ziehen und verschafft ihr eine Auftrittsmöglichkeit im Café Au Go Go, wo sie mit den erwähnten Größen zusammentrifft. Dort gründet sie auch ihre erste und letzte Band (Fear Itself), bevor sie sich dazu entschließt, nur noch auf Solopfaden zu wandern. Das Debut kann annehmbare Kritiken einfahren und wird bei einigen Radiostationen auch gespielt, aber so richtig ins Rollen kommt der Zug nicht und das sollte sich bis zum heutigen Tage nicht ändern. Ellen veröffentlicht immer wieder in losen Zeitabständen gute Platten (vom unsäglichen 1978er Disco-Album "Ellen McIlwaine" einmal abgesehen, auf der sie nicht einen Ton auf der Gitarre spielt), aber bekannt ist sie nur in Insiderkreisen. In die Schlagzeilen kommt sie für kurze Zeit, als bekannt wird, dass Norman Cook aka Fatboy Slim ein Sample des McIlwaine-Songs "Higher Ground" nicht autorisieren lässt und es zu klitzekleinen Unstimmigkeiten zwischen den Parteien kommt. Im Gegensatz zu anderen, die Skandale berechnend ausschlachten, kann sie davon jedoch nicht profitieren.

Selbst die famose Live-Aufnahme vom "Women In (E)Motion" Festival in Bremen ändert an ihrem Insider-Status wenig. 2001 erscheint mit "Spontaneous Combustion" wiederum ein Werk, das seinesgleichen sucht, aber weiterhin ist leider nicht damit zu rechnen, dass damit auch ihr Bekanntheitsgrad steigen würde.

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