Porträt

laut.de-Biographie

Diamanda Galás

Wer einmal ein Konzert von Diamanda Galás besucht hat, wird die Eindrücke nicht so schnell vergessen. Schrill durchzieht ihre stechende Stimme den Raum, schlägt ungebremst das Trommelfell der Zuhörer an, bringt es in bedrohliche Schwingung. Gerade so, als wolle sich das Gehirn im nächsten Moment den Weg durch die Schädeldecke bahnen. Eine Stimme zum Fürchten und voller Emotionen. Der Wucht des akustischen Erlebnisses will der optische Eindruck ihrer Performance nicht recht folgen. Ruhig, ja beinahe kontemplativ sitzt die hagere, schwarzhaarige Diva am Flügel und entspricht dabei ganz dem Bild der klassischen Konzertpianistin.

In der klassischen Musik findet die am 29. August 1955, als Tochter griechisch-orthodoxer Eltern im kalifornischen San Diego geborene Diamanda Galás, auch zunächst ihren treuesten Begleiter. So unterstützen ihre strengen Eltern sie im Vorhaben an der University Of California Musik- und Filmwissenschaften zu studieren. 1979, inzwischen nach Europa umgezogen, tritt Diamanda Galás erstmals öffentlich in Erscheinung und schlägt das Publikum auf Anhieb in ihren Bann.

In der Oper "Un Jour Comme Un Autre" des Komponisten Vinko Globokar, spielt sie auf dem Festival D'Avignon die Hauptrolle. Das Stück, nach einem Bericht von Amnesty International, erzählt die Geschichte einer türkischen Frau, die wegen Landesverrat verhaftet und gefoltert wird.

Immer wieder im Laufe ihrer Karriere erhebt Diamanda Galás ihre beeindruckende Stimme für Menschen ohne Lobby. Auf ihren Alben "The Divine Punishment", "Saint Of The Pit" und "You Must Be Certain Of The Devil", die zwischen 1986 und 1988 erscheinen und später unter dem Arbeitstitel "The Masque Of The Red Death" wiederveröffentlicht werden, singt sie stimmgewaltig gegen die Aids-Epedemie an, der auch ihr Bruder, der Autor Philip-Dimitri Galás 1986 zum Opfer fällt. Jahre später klagt sie auf ihrer CD "Defixiones: Will And Testament" den Völkermord an den Armeniern zu Beginn des 20. Jahrhunderts an.

Ihre Debüt auf Schallplatte gibt Galás 1982 mit der Aufsehen erregenden Vertonung eines Gedichtes von Charles Baudelaire. "Litanies Of Satan", so der Titel der Langrille, etabliert Galás auf einen Schlag in der New Yorker Kunstszene und schlägt auch international hohe Wellen. Persönlichkeiten wie der Schriftsteller William S. Burroughs, der Musiker John Giorno oder die Performerin Lydia Lunch gehören bald zum Freundeskreis der avantgardistischen Sängerin.

Die eindringlich extremen Vocalperformances, bei denen Galás ihre knapp vier Oktaven umfassende Stimme in mehreren Schichten übereinanderlegt und teilweise mit Echo und Verzerrer verfremdet, bringen ihr Gastspiele in der ganzen Welt ein. Mit ihrem Album "Singer" von 1990 öffnet sie sich erstmals der Popkultur und streicht das Erbe des Gospels in ihrer Musik stärker heraus. 1994 tut sie sich für das Album "The Sporting Life" mit dem Ex-Led Zeppelin Bassisten John Paul Jones zusammen und nimmt für das Radio "Schrei X" auf, das zwei Jahre später als Tonträger veröffentlicht wird.

1996 profiliert sie sich mit "The Shit Of God" auch in der Rolle der Schriftstellerin, bevor es Ende der 90er Jahre ruhig wird um die charismatische Diva. Lediglich Liveauftritte halten sie auf Trab. 2003 meldet sich Galás mit einem fulminanten Doppel-Release zurück. "La Serpenta Canta" enthält Blues und Gospel Songs, aufgenommen bei Performances in den Jahren 1999 - 2002.

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