Porträt

laut.de-Biographie

Der Fluch

Der Fluch gilt als dienstälteste Horrorpunkkapelle Deutschlands. O.H.L.-Chef und Fronter Deutscher W gründet die Band 1981 in Leverkusen. Mit einer eigenwilligen musikalischen Mischung aus unverzerrten Gitarren, Minimal-Psychobilly, Wavegoth und metallischem Punk streuen sie deutschsprachigen Gruselgeschichte unters Volk.

Zu Anfang ist Der Fluch eher Deutscher Ws Soloprojekt, dessen Vorliebe für Horror-B-Movies, Gespenster, Vampire und Werwölfe mit der politisch-sozialkritisch orientierten Punkband O.H.L. nicht glaubwürdig zu realisieren ist. Folglich klingt das 1982 erscheinende Debüt "Der Fluch"/"Die Gesandten Des Grauens" auch nicht besonders punkig.

Statt sich irgendeine stilistische Schublade zu suchen, erfinden die Verfluchten lieber ihren eigenen Stil. Ohne Bass errichten sie mit verzerrter Gitarre ein Psychobilly-Fundament und reichern es mit wavigem Drumsound an. Dennoch klingt dies nicht eins zu eins nach ihren Vorbildern Cramps.

Das ist vor allem dem charismatischen Gesang von Deutscher W geschuldet. Wie ein mittelalterlich manisch Unheil verkündender Prediger hämmert er den Zuhörern die schaurigen Shortstories unter die Schädeldecke. Der fiebrig emphatische Vortrag trägt sehr viel Renfield'schen Wahnsinn zum Gesamtbild bei und passt perfekt zur Geisterstunde.

Die Texte bilden einen ganz eigenen Mikrokosmos ab, basierend auf klassischen Horrormotiven a là Bela Lugosi, Boris Karloff, Hammer Studios und E.A. Poe-Atmosphäre. Eine Prise flapsig absurder Galgenhumor würzt den Cocktail augenzwinkernd: Der Henker henkt die ganze Nacht. Der Henker henkt bis der Galgen kracht. Wir sind die toten Henker mit der Axt.

Das Zusammenspiel der lyrischen und musikalischen Elemente verleihen dem Fluch eine bewusst gewählte Marvel-Horror-Comic-Ästhetik. Trotzdem legt Deutscher W das Konzept für knapp zehn Jahre bis 1994 auf Eis, um sich schwerpunk(t)mäßig der O.H.L. zu widmen.

Mitte der 90er folgt die nicht ganz so überraschende, aber triumphale Rückkehr. Mit "Für Immer" und "Im Feuer Der Liebe" erfinden sich die Verdammten noch mal neu. Musikalisch fahren sie den Rockabilly-Anteil zurück und ersetzen ihn durch atmosphärische Gothic-Elemente.

Der vermehrte und betonte Einsatz von akustisch klingenden unverzerrten Guitarsounds einerseits und metallisch sägenden Gitarren anderseits unterstreicht die schwarzblütige Vampirstimmung vorteilhaft. Deutscher W präsentiert in dieser Phase seine dunkelromantische Ader: >i> Auf der Reise durch die Zeit. Auf der Flucht vor der Ewigkeit. Hand in Hand nur mit Dir oder Blut ist Leben für die Ewigkeit. Sie blieb bei mir. Sie hatte mich erwählt. Sie war nicht von dieser Welt.

Diese Kombination erzeugt - besonders durch die ruhigen Bestandteile - ihre ganz eigene würdevolle Ausstrahlung und verleiht der Band eine sensibel künstlerische Eleganz, die in der deutschen Punkszene als einmalig gelten kann.

In den folgenden Jahren veröffentlicht man regelmäßig unverkennbare Genreperlen und legt dabei an Härte und Aggressivität zu. Jüngeren Bands gelten sie zu Recht als Urväter des deutschen/europäischen Horrorpunks. Die Akzeptanz ist szeneübergreifend.

Jeglicher Vereinnahmung oder Szenezugehörigkeit steht Deutscher W dennoch konsequent ablehnend gegenüber. Ich predige ja nicht schon seit Jahren die Freiheit, um sie dann (...) wieder zu verwerfen. (...) Die schwarze Szene? Die rechte Szene? Die Punkszene? Die linke Szene? Euch unterscheidet nur die Farbe der Fahne. Ich jedenfalls brauche keine Szene, die mein Leben reglementiert. Ich bin meine eigene Szene. Na gut ein paar schöne Szenegirls lass ich noch durch gehen.

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