laut.de-Kritik

Der Superwolf kommt nachts und heult dir ins Gewissen ...

Review von

Indirekt zumindest sollte Will Oldham a.k.a. Bonnie 'Prince' Billy allen laut.de-Lesern ein Begriff sein. Schließlich hat der Mann seinen Teil zum "Song des Jahres" der Redaktion beigetragen. Genauer gesagt - er hat ihn in seiner Urfassung geschrieben. Und dem Umstand, dass sich ein gewisser John R. Cash dann ebenjenes Songs "I See A Darkness" annahm, dürfte es B. Prince B. verdanken, dass sein Name auch einem etwas breiteren Publikum nun doch irgendwie bekannt vorkommt.

Dass dann der Herr Gretschmann daraus auch noch eine ganz entzückende Electrosause macht ... nun ja. Das hat zwar mit dem musikalischen Kosmos, in dem sich Will Oldham seit ca. 15 Jahren bewegt, nur noch ganz am Rande zu tun, zeigt aber auch, dass ein geiler Song ein geiler Song ist. Auch wenn sich die ländliche Schönheit einmal in die Disco verirrt und sich dazu ein wenig greller schminkt, als es der Papa vielleicht gerne hätte.

Doch zuhause in L.A. verrichtet der ursprünglich aus Kentucky stammende Prince weiterhin gänzlich ungeschminkt und höchst spartanisch instrumentiert sein Songwriterhandwerk. Quasi im Ein-Jahres-Takt schreibt er tiefgehende Songs über das Leben und den Tod, über Glaube, Liebe und Hoffnung. "Superwolf" heißt die neueste Version seines Schaffensdrangs; unterstützt wird er dabei von Matt Sweeney, bekannt dank seiner Tätigkeit bei Billy Corgans Zwan oder auch als Head der leider nicht mehr existenten Skunk.

Zwei Männer also, zwei Stimmen, zwei Gitarren, die sich jedoch auf "Superwolf" zu einem einzigen, sanft klagenden Folkwesen vereinen. Und genau das ist es, worum es sich bei "Superwolf" handelt: um eine wirklich gute Folkscheibe, die ganz aus einem Guss daherkommt. Mit Songs, die differenziert davon berichten, wie das Leben da draußen, jenseits der Hollywood Hills, für zwei solche Burschen aussieht. Mal ganz einfach und leicht, dann wieder einsam und beschwerlich. Aber immer von einer sanften Melancholie durchwoben, die angesichts seines Gesamtwerkes Oldhams Lebensgefühl ziemlich direkt widerspiegelt.

Dieses Grundgefühl zieht sich ziemlich stringent durch die elf Songs auf "Superwolf". Da gibts emotional kaum Ausreißer, weder in Richtung Euphorie, noch in Richtung Wutausbruch oder ähnliches. Leicht verwundert, aber doch mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehend wird über die verschlungenen Pfade der langen Reise Leben und die mannigfachen Hindernisse auf dem Weg zur vielbeschworenen wahren Liebe referiert - und schließlich festgestellt, dass es nun mal so ist, wie es ist. Ein bisschen Wehklagen, o.k., unterm Strich berichten die Herren Sweeny und Oldham doch sehr gefasst von ihrer schweren Last.

Bittersüß ist wohl das Wörtchen, das hier am besten beschreibt, mit welchen Gefühlen einen diese Platte nach dem Hörgenuss entlässt. Besonders intensiv und eindrucksvoll ist dabei die Geschichte von "Blood Embrace", in der die Frau den Mann verlässt und betrügt und in tiefstem Zweifel zurücklässt. Sehr schön und schön traurig. Klasse auch, wie wenig Spuren man braucht, um eine extrem dichte Atmosphäre zu schaffen ... eine Gitarre, zwei Stimmen ... und der Superwolf kommt nachts und heult dir ins Gewissen.

Die Homogenität der Platte, dieser eine runde Guss, ist jedoch auch ihre Schwäche. Für meinen Geschmack bewegt sich das Level der Songs zu sehr auf einer Ebene, so dass nach einer gewissen Weile des Zuhörens zumindest bei mir so etwas wie gepflegte Langeweile aufkommt. Auch sind bei weitem nicht alle Tracks des Albums so genau auf den Punkt gebracht, wie eben beschriebenes "Blood Embrace". Da tönt doch einiges musikalisch recht ähnlich, in sich fast ein wenig austauschbar.

Ist ja auch nicht weiter schlimm, so klingt er halt, der Bonnie Prince Billy, und das wollen wir ja letztlich von ihm hören. Er klang zwar auch schon mal einen Hauch inspirierter, was aber "Superwolf" nicht im geringsten beeinträchtigt. Gute Platte, vielleicht nicht zu jeder Gelegenheit. Aber zum Glück gibt's im Leben ja nicht nur die akut unerfüllte Liebe, sondern auch hellere Momente ...

Trackliste

  1. 1. My Home Is The Sea
  2. 2. Beast Of Thee
  3. 3. What Are You ?
  4. 4. Goat And Ram
  5. 5. Lift Us Up
  6. 6. Rudy Foolish
  7. 7. Bed Is For Sleeping
  8. 8. Only Someone Running
  9. 9. Death In The Sea
  10. 10. Blood Embrace
  11. 11. I Gave You

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