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Beth Torbert, bzw. nach ihrer Heirat Hopkins, wie Bif Naked mit bürgerlichem Namen heißt, ist ein Paradiesvogel im Musikzirkus. Von Kopf bis Fuß tätowiert und mit einem Look ausgestattet, der an eine Reinkarnation der jungen Bettie Page erinnert, treibt sie als Solokünstlerin seit Mitte der Neunziger, vor allem in ihrer Heimat Kanada, sehr erfolgreich ihr Unwesen.
Dass es überhaupt so weit kommt, ist an ihrem Geburtstag, dem 15. Juni 1971, alles andere als klar: Das Licht der Welt erblickt sie im indischen Neu Delhi als Tochter zweier Teenager, die in ihrem Hormonrausch nicht bedenken, dass aus Sex ab und an auch Kinder hervor gehen. Ihre leibliche Mutter bringt die kleine Beth zur Welt und gibt sie daraufhin sofort zur Adoption frei.
Ein Missionarsehepaar nimmt sich ihrer an und versucht, die Elternschaft zu übernehmen, was sich als schwerer als gedacht erweist, denn eine Geburtsurkunde oder dergleichen existiert nicht. So beginnt ein zweijähriger K(r)ampf mit den Behörden, ehe sie (von indischen Offiziellen als Baby G. bezeichnet) endlich mit ihren neuen Eltern das Land in Richtung USA verlassen darf. Dort wird der gesamte Trillefix mit Urkunden offiziell bestätigt. Mit den Adoptiveltern zieht so von South Dakota über Minneapolis, Kentucky bis nach Winnipeg in Kanada, wo sie auch das College besucht und an der Universität Theaterwissenschaft studiert.
Dort ist Bif sehr fleißig. Nicht unbedingt in ihrem Studienfach - denn an der Uni lässt sie sich nicht allzu oft blicken - sondern als Frontröhre der Band Jungle Milk (eigentlich der Name eines Drinks). Ihre ersten Schritte auf der Bühne macht sie jedoch nicht als Sängerin, sondern als Standup Comedian. Mit Brett Hopkins, dem Schlagzeuger von Jungle Milk, teilt sie bald mehr als nur die Bühne: Als Bif 18 ist, heiraten die beiden.
Zusammen siedeln sie zur Punk-Formation Gorilla Gorilla über, nachdem deren Sänger kurz vor einem Gig seinen Hut nimmt. Im Glauben, dass das Tourleben ihre Bestimmung sei, macht sie sich den ausschweifenden Lebensstil der Band zu eigen und fängt sich auf ihrer ersten Tour gleich viermal eine Alkoholvergiftung ein.
Nach einiger Zeit verlässt sie sowohl Gorilla Gorilla, als auch den Göttergatten, und schließt sich Chrome Dog an, wo sie sich persönlich jedoch kaum entfalten kann. Die Band ignoriert ihre feminine Seite und bügelt alle Versuch ab, spezifische Frauenthemen in die Lyrics zu integrieren. Ein weiterer Versuch bei der Formation Dying To Be Violent ist ebenfalls nur von kurzer Dauer.
So besinnt sich Bif auf sich selbst und veröffentlicht 1994 die Solo-EP "Four Songs And A Poem" auf ihrem eigenen Label Her Royal Majesty's Records. Der Poem heißt witziger Weise "Eine Tasse Tee" und erzählt eine Geschichte über ihren Hund Nikolas. Die EP sichert ihr Aufmerksamkeit und letzten Endes einen Deal mit Concrete Records, die ihr erstes Album, schlicht "Bif Naked" betitelt, noch im selben Jahr veröffentlichen.
Kurz darauf geht das Label pleite, aber Bif sichert sich die Rechte an den Mastertapes. Im neuen Mix erscheint die Scheibe auf Aquarius Records 1996 nochmals, wo sie fast zeitgleich auch ihre Spoken Words-Platte "Okenspay Ordway" heraus bringt. Hier darf sie sich endlich auch thematisch austoben und behandelt persönliche Erfahrungen wie Abtreibung oder Vergewaltigung ("Tell On You"). Musikalisch gibt sie sich jedoch weniger aggressiv als noch in ihrer Vergangenheit und lässt sogar poppige Klänge in ihren Sound einfließen.
Die Kombination dieser beiden Felder, feminine Lyrics und Rock'n'Roll, machen sie in Kanada zu einem Role Model der weiblichen Jugend. Dass Eltern darauf nicht begeistert reagieren, ist klar: Vom Cover ihres Debüt-Albums schaut sie den Betrachter über einen vollen Aschenbecher hin an, mit einem Blick, der versoffener kaum sein könnte. Und das alles, obwohl sie kaum Alkohol verträgt und nach einem Glas Bier schon gefährlich nah am Absturz balanciert.
Dass Alkohol eigentlich gar nicht ihr Ding ist, bemerkt sie selbst und schlägt von nun an ins komplette Gegenteil: Straight Edge. Bif entsagt dem Alkohol, rührt keine Kippe mehr an und stürzt sich in sportliche Aktivitäten, dass es nur so kracht. Nur einem Straight Edge-Dogma verweigert sie sich: Dem Verzicht auf Sex. Nebenher engagiert sie sich für die Kampagne "Stop The Violence/Face The Music" gegen Gewalt von und unter Jugendlichen, für die sie 1997 durch 18 kanadische Städte tourt, um Geld zu sammeln. Praktische Erfahrung in dieser Hinsicht besitzt sie jedenfalls genug, ist sie in ihrer Highschool-Zeit doch des öfteren von Klassenkameradinnen zusammen geschlagen worden.
Die gelöstere persönliche Situation macht sich auch auf ihrem Zweitling "I Bifficus" bemerkbar, der zwar songschreiberisch reifer wirkt, alte Fans jedoch aufgrund gestiegenen Pop-Appeals zum Teil vergrault. Kommerziell gerät die Platte in ihrer Heimat jedoch zum großen Erfolg, nicht zuletzt dank eines Remixes des Songs "Spaceman", der zum Stammrepertoire in Clubs avanciert. In den Staaten und in Europa kann sie sie sich von ihrem Status als Underground-Künstlerin jedoch nicht befreien und gilt dort nach wie vor als Geheimtipp. Dennoch tritt sie 1998 bei Rock Am Ring/Park auf. 1999 ist Bif in einem kleinen Gastauftritt bei "Buffy - Im Bann Der Dämonen" zu sehen. Zum Soundtrack der Serie steuert sie den Song "Lucky" bei. Einen weiteren Auftritt het sie im Film "Lunch With Charles", in dem sie sogar für einen Wimpernschlag lang in der Rolle der Natasha nackt zu sehen ist.
2000 erscheint speziell für den US-Markt eine Neuauflage von "Four Songs And A Poem" unter dem Titel "Another Five Songs And A Poem", auf der auch eine Coverversion des Twisted Sister-Hits "We're Not Gonna Take It" vertreten ist. Mit Dee Sniders Combo verbindet sie eine intensive, wenn auch nicht ganz geschmackvolle Anekdote. 1984 gastieren Iron Maiden und der Opener Twisted Sister in Kanada. Im Publikum: Die kleine Bif samt jüngerer Schwester. Beim Rumposen am Bühnenrand rotzt Dee ausgiebig ins Publikum und trifft die beiden Mädels. Bif hierzu: "Er hat auf mich und meine kleine Schwester gespuckt. Er hat uns getauft, Mann! Ich bin total ausgeflippt und habe mein Gesicht vier Wochen nicht gewaschen".
Ihr Straight Edge Lifestyle hat jedoch auch handfeste gesundheitliche Gründe. Ärzte diagnostizieren eine Herzerweiterung, so dass sie streng auf ihre Ernährung achten muss. Sie steigert sich in einen Gesundheitswahn hinein, der dazu führt, dass sie auf Bildern zu ihrem dritten Album "Purge" aussieht, als habe sie Essstörungen, was sich leider bestätigt. Bei diesem Album arbeitet sie mit zwei der arriviertesten Songschreiber Amerikas zusammen: Eric Bazilian (Joan Osborne, Cindy Lauper) sowie Desmond Child (Bon Jovi, Aerosmith, Alice Cooper, Iggy Pop, Cher).
Die Scheibe erscheint lediglich auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa verhindern rechtliche Streitigkeiten, dass sie aus ihrem Vertrag mit Sony heraus kann. Weil die Platte in hiesigen Breiten nicht erscheint, gerät Bif ein wenig in Vergessenheit, fehlende Live-Aktivitäten tun ihr Übriges. Anders sieht es südlich ihrer Heimat aus. Langsam, aber sicher bekommt sie in den USA einen Fuß in die Tür, inklusive eines Guest-Spots in Jay Lenos Show, was einem PR-Ritterschlag gleich kommt. In barer Münze schlägt sich das jedoch nicht nieder, zu unorthodox kommt Bif in den Medien rüber und scheint für die große Masse nicht kompatibel genug. Das gelingt dann einer anderen Kanadierin im Handstreich. Avril Lavigne kommt wie eine bravere Kopie Bifs rüber, ohne Tattoos, mit einem ähnlichen musikalischen Stil und mit einem um ein Vielfaches höherem Marketingbudget gesegnet, streicht sie das ein, wofür Bif vergeblich streitet.
Für den Film "Josie And The Pussycats", einer von Tom Hanks inszenierten Jubelarie auf das gemeine One Hit Wonder, bestreitet sie einen weiteren Gastauftritt und ist auch auf dem dazu gehörigen Soundtrack zu hören. Im Anschluss an "Purge" stehen wieder ausgiebige Touren auf dem Programm, aber bis zu einem neuen Studio-Output dauert es noch ganze vier Jahre. Zwischendrin erscheint 2003 die Doppel-Best Of "The Essential Bif Naked", ehe sie sich dem Songwriting zu ihrem vierten Album widmet.
2005 kommt "Superbeautifulmonster" in Kanada heraus. Europa ist ein halbes Jahr später dran. Alle rechtlichen Strittigkeiten sind beseitigt, so dass die Hübsche endlich auch wieder in unseren Breiten zu sehen ist. Den Anfang machen die Harley Days 2006 in Hamburg, ehe sie Ende September/Anfang Oktober endlich wieder einmal eine komplette Tour durchzieht.
Am 29. September läuten jedoch erst einmal die Hochzeitsglocken. Bif heiratet den Sportjournalisten Ian Walker in einer Kirche im heimischen Vancouver. Das Glück des jungvermählten Paares erhält jedoch bereits kurz darauf einen furchtbaren Dämpfer. Am 6. Januar 2008 lässt sie in einer Radiosendung verlauten, dass bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde. Bif gibt sich jedoch kämpferisch, nimmt den Kampf auf und stellt sich der Krankheit.
Schon während der Chemotherapie steht sie wieder im Studio und feilt an Songs, die unter dem Namen "The Promise" 2009 erscheinen.
Die Kanadierin über deutsche Städte, Avril Lavigne, bibelfeste Christen und Taliban.
Interview mit Bif Naked? Oh mein Gott. Ich spüre, wie das Annett Louisan-und Jasmin Wagner-Syndrom von mir Besitz ergreift. Sorry, aber habt ihr mal diese Augen gesehen? Nun gut. Zumindest nehme ich mir vor, sie nicht nach Nacktszenen zu fragen.
Ortstermin in München. In einem Luxushotel gegenüber des Bahnhofs bittet Bif Naked zum Gespräch. Seit 1998 hat die Gute in Europa kein Album mehr veröffentlicht. Ein Grund mehr, sich nun mit neuem Label im Rücken vermehrt reinzuhängen. Petrus scheint es allerdings nicht allzu gut mit Bif zu meinen. Sie berichtet von Wetterkapriolen, denn überall dort, wo sie in Deutschland bislang Station gemacht hat, fing es kurz danach an zu regnen.
Herzlich willkommen in Deutschland muss man ja schon fast sagen. Ist ja eine Ewigkeit her, seit wir dich das letzte Mal hierzulande begrüßen durften.
Danke, danke vielmals. Es ist auch sehr aufregend. Ich war eben sehr beschäftigt in Übersee, habe immer wieder in Kanada und den Staaten getourt. Irgendwann war es wieder Zeit für ein neues Album. Als dann "Purge" 1999 in den USA raus kam, lief es dort so gut, dass ich da schon wieder die nächsten zwei Jahre unterwegs war. Mit "Purge" war das so, dass ich die Plattenfirma zuhause nicht dazu bringen konnten, die Scheibe auch in Europa zu veröffentlichen. Mir waren quasi die Hände gebunden. Drei geschlagene Jahre hat Epic nichts unternommen. Jetzt bin ich aus dem Vertrag raus und kann das neue Album hier ebenfalls heraus bringen. Das ist sehr aufregend.
Dann ist das jetzt also auch die erste Möglichkeit, hier unterwegs zu sein?
Ja, richtig. Deswegen bin ich ja auch so hibbelig.
Als hier 1998 dein zweiter und zugleich letzter offizieller Release "I Bifficus" raus kam, gab es ja kaum Promotion dafür, weshalb du hier ja nach wie vor eher eine Underground-Künstlerin bist.
Ja stimmt, aber das ist ja auch irgendwie cool. Wir waren damals auf Tour mit Such A Surge und haben überall in Deutschland gespielt. Ich habe hier mehr Zeit verbracht als in jedem anderen europäischen Land, kenne mich hier also am besten aus. Mir gefällt es hier sehr gut. Ich habe sogar mal fantasiert, nach Berlin zu ziehen. Ich mag die Stadt wirklich.
Was ist so spannend an Berlin?
Ich bin dort an einem freien Tag durch die Stadt geschlendert. Für mich hat Berlin etwas Pulsierendes. Ich mag Kreuzberg, die Kunstgalerien und hatte da richtig Zeit, mir das alles anzuschauen. Die einzigen Orte, an denen ich ebenfalls mehr Zeit verbringen konnte, waren Tuttlingen und Heidelberg. Heidelberg war sehr lustig. Es war dort sehr schön, aber die Leute in den Cafes waren irgendwie nicht wirklich auf mich vorbereitet.
Wieso das denn?
Ich bin dort mit einem trägerlosen Shirt eingelaufen und habe anscheinend die alten Damen mit meinen Tattoos ein wenig erschreckt. Um sie nicht vollkommen aus der Fassung zu bringen, habe ich dann meinen Pulli wieder angezogen.
Ich habe dein Debüt-Album mitgebracht. Auf dem Cover sieht man dich an einem Kneipentisch. Vor dir ein halbvolles Glas Rotwein, der Aschenbecher quillt über vor Kippen. Du lebst heute fast schon straight edge, rauchst und trinkst nichts mehr. Woher kam das?
Ach, ich war damals ja fast noch ein Mädchen, ein kleines Rocker-Mädchen. Viele Leute sind peinlich berührt, wenn sie ihre ersten Alben wieder hören und Fotos aus der Zeit sehen. Wegen des Covers: Ich war noch nie ein guter Trinker. Ich bin voll wie ein Eimer, wenn ich nur ein kleines bisschen Alkohol anrühre.
Dann bist du hier in München ja am richtigen Ort.
Das erste Mal, als ich hierher gekommen bin, habe ich mir tatsächlich Weißbier reingezogen. Ich bereue eigentlich kaum etwas, was ich in der Vergangenheit getan habe. Das mit dem Trinken ist ja auch so lange ok, wie dein Urteilsvermögen nicht flöten geht. Als ich immer mehr an meiner Karriere gearbeitet habe, ging das nur mit einem großen Maß an Konzentration, und deshalb habe ich beschlossen, das mit dem Saufen sein zu lassen. Ich konnte es mir nicht mehr leisten, einen Kater zu haben, oder einfach rumzuhängen. Das war der Hauptgrund dafür, dass ich mein Leben anders gestalte. Das mit dem Straight Edge-Lifestyle und der Kultur war für mich sehr wichtig, als ich 23 oder 24 Jahre alt war. Es war mir wichtig, ein soziopolitisches Statement abzugeben. Ich wollte jeden überzeugen und darüber reden. Zehn Jahre später ist das anders. Ich fühle mich einfach wohl in meiner Haut, ich muss nicht mehr so militant und aggressiv sein. obwohl mein Lebenswandel immer noch derselbe ist. Ich gehe mit meinen Meinungen ein wenig entspannter um. Die Jungs aus meiner Band haben schon immer getrunken und gekifft. Ich würde es ihnen nie verbieten, ich möchte nur, dass jeder zufrieden ist; ich will meine eigene Ideologie niemandem aufzwingen.
Wie klappt so etwas dann auf Tour?
Das ist total easy. Ich gehe früh schlafen. Wenn ich dann früh morgens aufstehe, dann gehen die Jungs von der Band gerade ins Bett. Das klappt hervorragend. Sie nehmen sehr viel Rücksicht auf mich, machen keinen Krach und lassen mich einfach pennen.
Du kommst ja aus Kanada. Ihr wohnt ja in unmittelbarer Nachbarschaft zu den USA. Wieso ist es für viele kanadische Acts so schwer, in den Staaten Fuß zu fassen?
Britische Bands haben es da ebenfalls schwer. Im Ausland ist es meist nicht so einfach wie im eigenen Land, Anerkennung zu finden. Rammstein sind hier ja eine große Nummer, aber in Kanada haben sie auch nicht denselben Status, Jann Arden ist in Kanada unglaublich populär, hier kennt sie kaum jemand. Der amerikanische Markt ist so etwas wie der heilige Gral des Musikbiz. Wenn du es dort geschafft hast, bis du auf MTV in der ganzen Welt präsent. Da gibt es immer seltsame Verteilungen der Popularität. Anastacia zum Beispiel ist in Europa ein dickes Ding, aber auf dem amerikanischen Kontinent überhaupt nicht. Annihilator stammen zwar aus Kanada, haben aber weit mehr Erfolg in Europa. So genau kann das wohl keiner erklären.
Weil sie ein hübsches Mädel ist.
Also findest du dich nicht hübsch?
Nicht auf dieselbe Weise. Sie sieht halt aus wie ein Supermodell und hat ein großes Label im Rücken, das Millionen von Dollars in Marketing, Werbung und andere Kampagnen investiert. Ihre Songs sind ja auch gut. Sie hatte den Vorteil, dass sie zu einem Zeitpunkt aufgetaucht ist, an dem alle die Nase von Christina Aguilera und Britney Spears voll hatten, sie war eben die Alternative zu den beiden. Ach ja, da haben wir das Thema wieder: Ihre Platte verkaufte sich sensationell in den Staaten und fast folgerichtig auf der ganzen Welt.
Bist du eigentlich religiös?
Ich bin extrem religiös, bin aber nicht auf eine bestimmte Religion fokussiert. Christentum, Islam, Buddismus, Hinduismus beschreiten doch denselben Pfad, die Anschauungen gleichen sich.
Das solltest du vielleicht einmal Extremisten erzählen.
Diese Extremisten sind überall gleich. Nimm nur mal die rechtsgerichteten Christen im amerikanischen Süden. Für mich unterscheiden die sich nicht sehr von den Taliban. Beide nehmen das Wort Gottes und verfälschen es im Sinne ihrer eigenen Propaganda. Das ist frustrierend.
Kannst du erklären, warum diese Fraktion in den Staaten so mächtig ist?
Aus demselben Grund wie bei Ajatollah Khomeini, das ist kein Deut anders. Du hast einen Führer und ein Regime, das seine Dogmen und Grundsätze anderen aufzwingt. In jedem Land sollte es eine Trennung zwischen Staat und Kirche geben. Nirgends ist es offensichtlicher, dass dem nicht so ist, als in vielen Staaten des Nahen Ostens und in den USA. Mir tut das für die Mehrheit der US-Amerikaner leid, die so denken wie du und ich und nicht wie George W.. Das wirft ein schlechtes Licht auf alle Amerikaner, was sehr frustrierend sein muss.
Wir müssen jetzt aber nicht die Kanadier über Bush ausfragen ...
Nein, nicht unbedingt. Aber wir haben im Januar bei den Wahlen Steven Harper zum Premier gewählt, den viele als den kleinen politischen Bruder von George W. Bush bezeichnen. Es ist gerade so, dass viele unsicher sind und lieber den Mund halten, statt sich offen zu ihrer Meinung zu bekennen. Da sollten sich viele ein Beispiel an Frankreich nehmen. Die Studenten und mit ihnen die Bevölkerung haben ja gezeigt, dass es sich lohnt, gegen etwas aufzustehen. Das hat mich wirklich beeindruckt. In Kanada wäre so etwas undenkbar.
So, jetzt lassen wir aber mal die Ödnis der Politik hinter uns. Erklär den Lesern doch einmal, warum "Superbeautifulmonster" dein bislang bestes Album sein soll.
Aber das ist es. Hahaha. Nun, ich denke, weil ich zu dem Zeitpunkt, als das Album entstand, aus vollster Überzeugung sagen konnte, dass ich 100% gegeben habe und alles, was ich an Emotionen und Stimmungen rüberbringen wollte, in die Platte gepackt habe. Von der Musik, den Texten bis hin Artwork lief alles so wie ich das wollte. Als ich das Album fertig hatte, hätte ich glücklich sterben können. Bis es endlich so weit war, die Platte aufzunehmen, hat es mir fast zu lange gedauert. Ich wollte unbedingt was Neues aufnehmen. Während der Aufnahmen habe ich tatsächlich gebetet "Bitte lieber Gott, lass mich nicht sterben, ehe ich die Scheibe fertig habe". Und jetzt, wo wir hier sitzen und es in Europa promoten, freue ich mich einfach im Stillen und genieße das.
Bist du während des Arbeitsprozesses perfektionistisch veranlagt?
Das kommt auf den Song an. Manchmal ist die beste Performance - wenn man es von der technischen Seite betrachtet - nicht auch gleichzeitig die beste wenn es um die Emotion geht. Als ich angefangen habe, Platten aufzunehmen, gab es noch keine Pro-Tools, Computer hatten noch nicht in den Aufnahmeprozess Einzug gehalten, nichtsdestotrotz haben wir früher genauso wie heute sehr gewissenhaft gearbeitet. Die meisten Produzenten, mit denen ich zu tun hatte, waren aber sicher Perfektionisten. Aber das ist ihr Job.
Das wechselt jede Woche. Ehrlich. Aber im Speziellen bin ich ziemlich stolz auf "Everyday", "Abandonnement" und "After A While", auch wenn da der Text da ein bisschen so klingt, als würde ich mich selbst herabwürdigen. Das macht aber irgendwann jeder einmal, auch wenn es kaum einer zugeben möchte. "Abandonnement" habe ich geschrieben, als ich eine ziemlich schwere Zeit durchgemacht habe. Mit Jimmy Allen von Puddle Of Mudd, habe ich es zusammen geschrieben, den ich übrigens vorher noch nie gesehen hatte. Wir haben uns dann in LA getroffen. Was ich nicht wusste, war, dass er ebenso eine emotional harte Zeit durchgemacht hat. Keiner wusste von den Problemen des anderen. Wir trafen uns also, haben uns die Hand gegeben, und fünfzehn Minuten später schrieben wir diesen Song. Der Track wird für mich immer eine ganz spezielle Bedeutung haben. Als Künstler - ganz egal, ob du ein Bild malst, ein Gedicht schreibst oder Musik machst - tritt das, was du im Inneren fühlst, zutage. Das ist genau das, was zwischen ihm und mir passiert ist.
Mir gefällt ja "Ladybug Waltz" sehr gut.
Ah, den mag ich auch sehr. Über diesen Song ganz speziell haben wir während der Aufnahmen lange gegrübelt. Einige Parts darin scheinen etwas schräg zu sein und klingen fürs Ohr nicht so ganz richtig. Aber das war beabsichtigt, die Stimmung ist ja recht düster und kommt ein wenig gothic angehaucht daher. So mit Kronleuchter und Zeugs. Der Song selbst dreht sich um unerwiderte Liebe. Du willst jemanden auf Teufel komm raus auf dich aufmerksam machen. Am Ende kommst du dir vor wie ein Käfer, der auf dem anderen herum krabbelt und nur nervt.
Jetzt kommt dein Album also in Europa heraus. Können wir dann auch damit rechnen, dich hier wieder einmal auf der Bühne zu sehen?
Definitiv. Momentan sind wir gerade dabei, Shows zu buchen. Wenn die Promo jetzt vorbei ist, werden wir nach einem Gig in England erst wieder in die Staaten unterwegs sein. Im Sommer stehen dann die Harley Days in Hamburg auf dem Programm.
Du bist aber nicht im Juni unterwegs, oder?
Nein, das ist erst im Juli. Wieso?
Weil es wenig Sinn machen würde, während der Fußball Weltmeisterschaft in Deutschland zu touren. Da würde keiner hingehen.
Guckt da jeder Fußball? Ich entdecke das gerade für mich. Wo ich wohne, dreht sich alles um Eishockey. Und, ob du es glaubst oder nicht: Lacrosse (kanadischer Nationalsport, wird mit Netzschlägern gespielt, Anm. der Red.). Es wäre aber schon cool, wenn ich zu der Zeit hier wäre.
Zurück zur Musik. Du lässt deiner poppigen Ader freien Lauf, kannst aber auch deftiger zur Sache gehen. Was fließt denn da alles in deinen Sound an Einflüssen ein?
Ich mag vieles. Ich stehe total auf Metal, bin aber selbst keine Metal-Sängerin. So wie Gott meine Stimmbänder gemacht hat, haut das nicht hin. Als Mädchen wollte ich immer so singen wie Phil Anselmo, aber das wollte einfach nicht klappen. Mein Musikgeschmack war schon immer sehr breit gefächert. Von Pop über Country bis Metal. Zur Zeit bin ich ganz vernarrt in die neue Scheibe von Loretta Lynn. Jack White hat die produziert. Das ist ein wunderschönes Album.
Du coverst auf "Superbeautifulmonster" Metallicas "Nothing Else Matters". Das ist so ziemlich der abgenudeldste Song von ihnen. Wieso also ausgerechnet den?
Ich liebe diesen Song. Das ist mein Lieblingssong von Metallica. Ich liebe ihn so sehr. Ey, ich bin ein Mädchen, ok? Ich höre James Hetfield zu, und meine Augen werden feucht. Hach, ein herrlicher Lovesong. Der soll auch auf meiner Beerdigung laufen. Der Text berührt ja auch die Herzen vieler Menschen. Ich wollte das schon immer mal covern, ich habe das mit der Band sehr oft beim Soundcheck gespielt. Dave Fortman hat den Song produziert. Er hat schon mit Evanescence gearbeitet und wollte unbedingt was mit mir machen, und ich wollte ebenfalls, dass er einmal etwas für mich produziert. Er hat sich dann dieses Stück ausgesucht. Ich war dann sehr nervös und unsicher, als es zu den Vocal-Sessions kam. Zum einen wegen des Liedes, und zum anderen dachte ich "Hey, der hat schon mit Amy Lee gearbeitet". Er hat mich auch zu dieser Gesangsleistung gepusht. Ich glaube nicht, dass das ein anderer geschafft hätte. Ich wollte ohnehin, dass sich der Gesang bei den verschiedenen Songs immer anders anhört, was man besonders bei "Nothing Else Matters" hört.
Haben Metallica deine Version schon gehört?
Ich denke schon. Die Jungs waren sehr unterstützend. Die sind schon großartig, und Rob Trujillo ist so heiß! Hahaha. Er ist einfach heiß und so was von heiß. Haha.
Was macht ihn denn so heiß?
Ach, er ist einfach heiß. Heiße Bass-Licks.
Ich habe ja den Eindruck, dass sein Einstieg der Band einen positiven Vibe verpasst hat ...
Ich habe die "Some Kind Of Monster"-Dokumentation nicht gesehen. Aber manchmal ist es tatsächlich so, dass ein neues Bandmitglied die komplette Dynamik verändert.
Hast du eigentlich immer noch deine zwei kleinen Kläffer?
Selbstverständlich. Nicholas und Anastacia. Ich stehe in ständigem Kontakt mit meiner Freundin, die auf die zwei aufpasst. Sie sind beide neun Jahre alt. Ich habe keine Kinder, also sind die zwei für mich wie Babys. Ich sehe da keinen Unterschied. Kinder fragen ihre Eltern ja, woher sie kommen. So wie einem Kind erzähle ich dann Nicholas immer, dass ich eines Tages aufs Klo musste und ihn dann ausgeschissen habe. Hahaha. "Weißt du Nicholas, ich habe dich ausgekackt, habe dich sauber gemacht und seitdem bist du bei mir".
Ich habe zwar auch Hunde, aber so eine Geschichte habe ich denen noch nie erzählt.
The Essential Bif Naked (2003), Purge (2001), I Bificus (1998), Okenspay Ordway 1 Or Things I Forgot To Tell Mommy (1996), Bif Naked (1994)
Noch eine veraltete Fanpage, jedoch mit einem Batzen Fotos.
http://electra2426.tripod.com/index.html
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