Porträt

laut.de-Biographie

Aqualung

Wieso legen sich Solokünstler eigentlich immer wieder Künstlernamen zu, die auf eine Band schließen lassen? Weil's cooler klingt? Oder weil der Hörer dann noch erstaunter ist, dass diese Musik nur von einem einzigen Genie gemacht wurde?

Klar, Aqualung hört sich wesentlich besser an als Matt Hales. Aber bei seiner Musik denkt der Hörer doch eher "Wow, und das hat der ganz alleine hin bekommen!?" Ja, hat er. Der Londoner hat aber auch eine ganze Menge dafür getan, heute solche Pop-Sohnetörtchen schreiben zu können.

1972 erblickt Matt in Southampton das Licht der Welt, wächst im Indie-Plattenladen seiner Eltern auf. Da man als Kind etwas zum Spielen braucht, entdeckt Matt mit vier Jahren das ladeneigene Klavier für sich. Schon als Knirps beginnt er, darauf erste eigene Songs zu schreiben.

In den Achtzigern tut Matt sich mit seinem Bruder Ben zusammen, um gemeinsam mit dem Song-schreiben zu beginnen. Als Zeitungsausträger verdient sich Matt sein erstes eigenes Keyboard. Mit 16 hat sich das viele Üben ausgezahlt – er erhält ein Stipendium für ein Kompositionsstudium in Winchester. Seine erste selbstkomponierte Symphonie "Life Cycle" wird von einem 60-köpfigen Orchester aufgeführt, das Matt dirigiert. Neben der Klassik ist es Zeit für die erste eigene Band. Die nennt sich mal "Da Fook Mo A Dib", mal "White Noise" aber auch "Mecano Pig". Ihre ersten Tapes verkaufen die Namensjongleure auf dem Schulhof, finanzieren sich damit den ersten Auftritt. Das Publikum ist angefixt ... die Band hingegen angepisst und löst sich auf.

Matt nutzt den günstigen Zeitpunkt und zieht 1990 nach London, um an der City University Musik zu studieren. Dort lernt er, neben der Komposition auch Aufnahmetechnik in den BBC Studios. Schnell erkennen die Professoren sein kompositorisches Talent. Eines seiner klassischen Stücke wird das in der Royal Albert Hall aufgeführt. Auf diesem Gebiet läuft für Matt alles rund. Doch seine Pop-Ambitionen treiben ihn dazu an, eine neue Band zu gründen.

Seinen Bruder im Schlepptau nennt sich die neue Formation Gravel Monsters. Mit dem Bassisten Stephen Cousins und Ex White Noise-Drummer Matt Vincent stellen sie ihre Songs verschiedenen Plattenfirmen vor. Der Independent-Verlag Waif Productions hört das Demo, schlägt der Band um Matt Hales vor, ihren Namen zu ändern ... als RUTH besorgt der Verlag den Jungs einen Job: Einer ihrer Songs sollt für die nächste Werbekampagne von "British Knights Footwear" erklingen. So schafften RUTH es 1995 zu ihrem ersten und letzten Album "Harrison", auf dem vornehmlich Britpop mit Collegerock-Einschlag zu hören ist.

Ein weiteres Mal ändern sie den Namen im Jahr 2001. Nun nannte sich Matts Band The 45s, Zeitgleich wechseln sie das Management und unterschrieben einen neuen Vertrag. Diesmal beim Major Mercury Records, der zwei Singles der 45s veröffentlicht. Wenig erfolgreich: Schon ein Jahr später, im März 2002 dropt die Plattenfirma die Jungs. Das endgültige Finale der Band ist damit besiegelt.

Kaum ist Matt wieder "frei", erhält er einen Anruf von einem Agenten. Ob er nicht einen Song habe, den man für eine neue VW-Werbung nutzen konnte. Das Kompositionstalent läuft zu Höchstform auf und schreibt "Strange And Beautyful". Jeder kann dieses Meisterwerk ständig in der Werbung hören, es wirde zum Selbstläufer - und Matt damit zum gefragten Mann. Plattenfirmen stehen Schlange, Radiosender wollen unbedingt diesen Song spielen.

Matt verzieht sich im stillen Kämmerlein, während die Plattenfirmen um ihn kämpfen. Dort komponiert er sein fragiles Solo-Debüt "Aqualung", das sich ca. 200.000 Mal verkaufte. Anfang 2004 schiebt er den Nachfolger "Still Life" hinterher, der immer noch sehr zart, doch nicht mehr ganz so zerbrechlich klingt.

News

Alben

Aqualung - Memory Man: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2007 Memory Man

Kritik von Anja Lindenlaub

Zwar nicht mit Pauken, aber mit pompösen Trompeten. (0 Kommentare)

Aqualung - Still Life: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2004 Still Life

Kritik von Vicky Butscher

Matt Hales schaukelt uns auf einer weichen Wolke. (0 Kommentare)

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