laut.de-Kritik

"Scheiße, wo ist die Depression?"

Review von

Blickt man unvoreingenommen auf die Kölner Musikszene, regieren da natürlich erst mal die drei dicken B's: BAP, Bläck Föös und Brings. Dabei hat die Domstadt in Sachen lärmendem Kulturgut allerhand mehr zu bieten.

Seit Jahren etwa fegt der Angelika Express mit enormer Vielseitigkeit durch sämtliche Stadtteile, aus der Altstadt bis nach Zollstock, und im Gepäck nunmehr dabei: "Die Dunkle Seite der Macht". 40 Minuten und 40 Sekunden fährt das Quartett 13 Stationen an, die sich zwischen poppigen Indie-Tälern und schmusigen Punk-Hügeln befinden.

Nächster Halt: "Ekelhaft Glücklich". Die Grundstimmung des gesamten Albums untermalt hier die Zeile: "Das erinnert mich viel zu sehr an Sonnenschein und heile Welt / Scheiße, wo ist die Depression?". Von dunklen Mächten spürt man absolut gar nichts. Die Musik der Kölner zelebriert ein Farbenspiel in wohlig, frischen Klängen mit Popappeal und Punkrebellion im Herzen.

Weiter geht die Reise mit den Begleitern Herr Schlimm ("Wo ist Herr Schlimm?") und "Christin". Letztere kleidet sich in einen dunkel-swingenden Mantel und umgarnt verspielt ihren männlichen Gegenpart, der als potenzieller Hit-Kandidat zurecht eine gewisse Selbstsicherheit im Indie-Genre ausstrahlt.

Der kölsche Express unter der Führung von Sänger Robert Drakogiannakis rollt mit "Lebenslänglich Beatles" auf die nächste Station zu. Hellerleuchtet mutiert der Track zum funkelnden Star der Platte. Ungewöhnlich flockig klingen Strophen wie "Vollgepumpt mit Testosteron / schweb ich auf den dunklen Schwingen des Hardcore davon / Gib mir wieder literweise Liebeslieder / gib mir wieder Saft für meine steifen Glieder". Kombiniert mit frechem Powerpop klingen die Angelikas hier verdächtig nach Madsen.

Für "International Punkrock Jetset" steigt Gastsänger Aydo Abay (Ken, Ex-Blackmail) zu und verleiht dem breitbeinigen Song internationalen Punkrock-Flair. Nach drei Minuten ist der tonale Spuk jedoch vorbei und wehmütig bleiben die Zeilen "Let's ride into the sound / we are international / we are so professional / we all smell the same" zurück. Aydo musste leider wieder aussteigen.

Endlos könnte der Express mit den Angelikas an Bord seine Runden drehen, wenn eben nicht irgendwann auch dem glückseligsten Honigkuchenpferd die ausstrahlende Wärme von "Die dunkle Seite der Macht", die so überaus lieblich das Herzlein umstreichelt, an der Substanz zerren würde. Öfter mal ein kurzer Halt in depressiv-verstimmten Moll-Landschaften wäre wünschenswert gewesen. Denn im Leben ist ja auch nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Trackliste

  1. 1. Herdplatte An
  2. 2. Wo Ist Herr Schlimm?
  3. 3. Ekelhaft Glücklich
  4. 4. Christin
  5. 5. CDU Und Du
  6. 6. Macht Blau
  7. 7. Hey Rudi
  8. 8. International Punkrock Jetset (feat. Aydo Abay)
  9. 9. Lebenslänglich Beatles
  10. 10. Die Kanonen Von Ehrenfeld
  11. 11. Schwein Aus Dem Weltraum
  12. 12. Wohin Nur Mit Den Milliarden
  13. 13. Ich Klau Die Zeit Zurück

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LAUT.DE-PORTRÄT Angelika Express

Angelika Express, das sind die längste Zeit Sänger und Gitarrist Robert Drakogiannakis, Schlagzeuger Alex Jezdinsky und Jens Bachmann am Bass gewesen.

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