7. November 2019

"Kein Mensch will Oasis-Songs von Noel hören"

Interview geführt von

Taylor Hawkins, Emporen-Drummer bei den Foo Fighters, macht's wieder alleine. Wobei diese Formulierung etwas irreführend ist: Auf dem neuen Soloalbum unterstützen ihn haufenweise prominente Musiker.

Es muss angenehm sein, als Rockstar nach einer anstrengenden Welttournee einfach mal ein Jahr lang Urlaub zu machen oder die Füße in den Pool zu hängen. Foo Fighters-Drummer Taylor Hawkins wird es in diesen Pausen allerdings oft zu langweilig, weswegen er diverse Nebenschauplätze eröffnet. "Man muss immer in Bewegung bleiben", erklärt er uns am Telefon.

Wenn er nicht gerade mit dem Spaß-Projekt Chevy Metal Songs von AC/DC oder Alice Cooper covert, nimmt er gerne Soloalben auf. Morgen erscheint mit "Get The Money" bereits das dritte Album mit seiner Band The Coattail Riders, zu denen noch Bassist Chris Chaney (Jane's Addiction), Gitarrist Brent Woods (Sebastian Bach) und Foo Fighters-Toningenieur John Lousteau (Percussion) zählen. Es ist seine erste Soloveröffentlichung seit der EP "KOTA" von 2016. Wir erreichen ihn in seinem Haus in Kalifornien.

Hi Taylor, wie gehts?

Danke, gut, von wo rufst du an?

Aus Süddeutschland.

Aha, wo genau? München?

Nein, das ist zwar auch nicht so weit weg, aber Zürich in der Schweiz ist zum Beispiel noch eine Ecke näher an Konstanz.

Ok, jetzt weiß ich wo du bist, alles klar.

Deine neue Platte klingt so, als hättest du einen Mordsspaß im Studio gehabt. Party-Vibes, prominente Gäste und Stadion-Rock-Refrains - eigentlich fehlt es an nichts, oder?

Hoffentlich nicht. Ich kann definitiv bestätigen, dass ich einen Mordsspaß im Studio hatte. Insgesamt dauerte die Arbeit an der Platte eineinhalb Jahre. Immer wenn ich zwischen Auftrittsterminen der "Concrete And Gold"-Tour mal kurz nach Hause kam, habe ich ein paar Sachen aufgenommen. Meistens kamen dann Freunde wie Dave (Grohl, Anm. d. Red.) oder Duff (McKagan, Anm. d. Red.) hinzu, aber auch Leute wie Nancy Wilson oder Chrissie Hynde, mit denen ich vorher noch nie gespielt habe.

Die Anzahl prominenter Namen auf "Get The Money" erinnert an eine imaginäre VIP-Gästeliste eines Foo Fighters-Konzerts. War das von Anfang an geplant?

Nein gar nicht. Die Basic Tracks standen eigentlich schon, bevor ich mir darüber Gedanken gemacht habe. Aber es macht dann eben einfach auch Spaß, mit anderen Leuten weiter zu machen und zu schauen, wer da überhaupt Lust drauf hat. Dave natürlich ausgenommen, er hilft mir sowieso immer, wie das eben so läuft unter Freunden. Duff zähle ich seit einigen Jahren auch zu meinen engen Buddys, aber die übrigen Koops kamen dann mehr oder weniger zufällig zustande. Bis auf Yes-Sänger Jon Davison, den ich auch schon ein wenig kannte. Es uferte dann etwas aus und jetzt klingt es tatsächlich wie ein Who-Is-Who des Classic Rock.

Beginnen wir mit Duff McKagan, der auf zwei Songs mit von der Partie ist. Ich gehe mal davon aus, dass kein Hörer unbedingt darauf wartet, dass der Guns N' Roses-Basser einen Reggae-Song einspielt.

Das Lustige ist, dass ich mir bei dem Song selbst unsicher war. Ich spielte auf Tour mit dem Reggae-Vibe herum, wollte den Song aber verwerfen. Duff bestand dann darauf, daran weiter zu arbeiten. Wir haben den Basic-Track mit Schlagzeug und Bass eingespielt und dann ergänzte ich noch Gitarrenspuren. Es war dann aber Joe Walsh von den Eagles, der diese Reggae-Sache noch mehr forcierte. Und hey, er muss es wissen. Einige seiner Songs gehen ja auch in diese Richtung, etwa "Life's Been Good". Die Koop mit Chrissie Hynde war dann leider nur ein Internet-Duett. Anders ließ es sich leider nicht einrichten, aber wir hatten trotzdem Spaß mit der Nummer und nun ist der Song mit Chrissie quasi der Album-Leadtrack geworden, wenn man so will.

"Crossed The Line" wurde bereits vorab veröffentlicht. Wie viel hast du getrunken, bevor du auf die Idee mit der textlichen Foo Fighters-Reminiszenz 'The best, the best, the best' aus "Best Of You" kamst?

Haha, auf der Platte kommen noch mehr Referenzen. 'Sometimes you gotta play the game' ist eine Queen-Referenz. Ich singe auch mal 'Been a long time since I rock and rolled' oder 'Honky Tonk Blues'. Jetzt sage ich aber nichts mehr. Es ist gerade schön, solche Sachen zu verstecken und zu schauen, wer was erkennt.

Du hast Queen angesprochen: Roger Taylor, den du auch schon länger kennst, singt auf dem Abschlusstrack, dem Yardbirds-Cover "Shapes Of Things". Ist man da im Studio noch Fan oder läuft das schon unter freundschaftlicher Muckerei?

Leider konnten wir auch diesen Song nicht gemeinsam einspielen. Ich schickte Rogers Ingenieur Josh Macrae die Files und Roger eine Nachricht, ob er nicht Zeit für diese Jeff Beck-Nummer hätte. Für mich ist "Shapes of Things" eigentlich eher Jeff Beck als Yardbirds. Ich fand die Idee schön, da der Song aus einer Zeit kommt, als noch nicht mal Roger ein Rock'n'Roll-Star war. Er war dann auch sofort einverstanden und hat das Ding scheinbar in zwanzig Minuten eingespielt.

"Auf einem Foo Fighters-Album ist wenig Raum für meine Songs"

Als Queen-Fan wirst du doch sicher auch mit ihm über den Biopic "Bohemian Rhapsody" gesprochen haben.

Na klar. Toller Film. Meine Kinder waren völlig begeistert. Ich weiß, dass sich viele Fans darüber echauffieren, dass sich der Film nicht zu hundert Prozent an alle harten Fakten der Bandgeschichte hält. Trotzdem erzählt er eine unglaubliche Geschichte in rund eineinhalb Stunden, die aber eigentlich 20 Jahre andauerte. Die große Leistung dieses Films besteht darin, dass er Kindern aufzeigt, wie Musik entstehen kann, die nicht der gängigen, computergestützten Musik von heute entspricht. Ich habe nichts gegen Popmusik, aber das ist die Geschichte von vier Typen, die sich allen Ernstes Queen nennen, einer davon ist sogar noch ein indischer Einwanderer. Es sprach wirklich nichts dafür, dass diese vier Typen mal groß rauskommen. Aber sie wurden eine der perfektesten Rockbands aller Zeiten.

Auf "Get The Money" steht dein Name auf dem Cover und im Studio hast du das letzte Wort. Wie ist das Leben so außerhalb der Foo Fighters?

Das Leben ist schön, denn in erster Linie bin ich dann Vater und Ehemann. Ich gehöre nicht zu der Sorte Musiker, die abseits der Band einfach zu Hause rumsitzt. Das entspricht nicht meinem Naturell. Da ich aber weniger auf Autorennen, Polo oder Synchronschwimmen stehe, schreibe ich eben ein paar Songs und nehme eigene Platten auf. Songs zu komponieren und aufzunehmen macht mir genau so viel Spaß wie Schlagzeug zu spielen.

Hätte einer der Songs nicht auch auf einem Foo Fighters-Album landen können?

Das kann ich schwer beurteilen. Es sind halt meine Songs, auf denen Dave hin und wieder in Erscheinung tritt. Da er auch selbst gerne Songs schreibt, ist auf einem Foo Fighters-Album naturgemäß wenig Raum für meine Sachen. Aber die Foo Fighters waren nie eine reine Demokratie. Die Band begann als ein Ein-Mann-Projekt. Dave hat alle Songs alleine aufgenommen. Seither hat sich das zwar geändert und natürlich haben wir alle Ideen in der Band, die wir im Proberaum einbringen. Manchmal findet Dave sie dann toll und manchmal nicht. Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: Ja Mann, natürlich könnten all meine Songs auf einem Foo Fighters-Album drauf sein, weil es unter dem Strich einfach Rockmusik ist. Oder was denkst du?

Ich finde deine Platte stilistisch abwechslungsreicher. "Middle Child" klingt allerdings sehr nach deiner Hauptband.

Yeah, da spielt Dave auch Gitarre.

Wie unterscheidet sich deine Arbeit mit Dave, wenn es nicht um die Produktion einer Foo Fighters-Platte geht?

Ganz einfach: Anstatt dass ich mir seine Songideen anhöre, hört er sich meine an. Wenn wir dann gemeinsam spielen, tendiere ich dazu, seine Vorschläge anzunehmen, einfach weil es unsere gewohnte Arbeitsweise ist und weil seine Ideen in aller Regel großartig sind. Wenn man die Gitarre am Anfang von "Crossed The Line" hört, erkennt man Dave sofort. Es klingt wie "All My Life". "Middle Child" trägt genau so seine Handschrift. Davon abgesehen gehen sicher drei Viertel des Tages dabei drauf, dass wir einfach rumsitzen, Scheiße labern und chillen. Das ist bei den Foo Fighters allerdings auch nicht groß anders.

"Kein Mensch will Oasis-Songs von Noel Gallagher hören"

Auf dem britischen Reading Festival habt ihr diesen Sommer bekanntlich auf der Bühne eine Oasis-Reunion gefordert. Du hast dann dem Publikum vorgeschlagen, am besten noch an Ort und Stelle eine Petition zu starten. Daraufhin meldete sich einige Tage später Noel Gallagher mit dem Kommentar zurück ...

... er wolle eine Petition starten, dass sich die Foo Fighters auflösen. Und als nächstes meinte er: Wenn der Drummer von Nirvana, also Dave, Oasis wiedervereinigen will, sollte er zunächst mal seinen Schwanz lutschen. Ich dachte nur: Wow! Wir wussten gar nicht, dass Noel in dieser Form sexuell interessiert ist. Dennoch dürfte das mit dem Fellatio schwierig werden, einfach weil Dave da nicht so drauf steht und eher heterosexuell orientiert ist. Aber ich bin guter Hoffnung, dass Noel jetzt ein glücklicherer und reiferer Mensch wird, da er gelernt hat, mit seiner Sexualität so offen umzugehen. Von daher wird er ohnehin bald seinen Bruder zurück in die Band holen, denn kein Mensch will Oasis-Songs live von Noel Gallagher hören.

Klingt jetzt nicht so, als hättest du seither schon mit ihm darüber gesprochen.

Ich habe noch nie mit Noel gesprochen, ich kenne ihn nicht und will ihn auch nicht kennen lernen, weil er allem Anschein nach ein elendes Arschloch ist. Ich war schon mit ihm in einem Raum, aber er schien sehr langweilig zu sein. Liam dagegen ist ein enger Freund, ich liebe ihn.

Zurück zu deiner Platte: Ich dachte ich habe mich verlesen, als ich den Namen Mark King erblickte. Es ist der Songwriter der 80er Jahre-Funk-Pop-Band Level 42.

So ist es. In den 80er Jahren war ich auf der High School in ein Mädchen verliebt, das auf Level 42 stand. Wir sind gemeinsam im Auto rumgefahren und haben die Platten rauf und runter gehört. "Something About You" und "Lessons In Love" sind Klassiker. Als ich Mark kontaktierte, war er so überrascht wie du und meinte: DU stehst auf Level 42? Hey, na klar, warum denn nicht? Mark ist auch noch ein absoluter Top-Typ.

Eine Dame vom Label drängt sich in die Leitung: Bitte zur letzten Frage kommen!

Taylor, wir haben über einige prominente Gäste auf deiner Platte gesprochen. Hat denn auch jemand nein gesagt?

Ja, zwei. Olivia Newton John wäre ein Traum gewesen, aber ihre Leute meinten, sie hätte keine Zeit oder es würde nicht passen oder was auch immer. Und Terri Nunn, die Sängerin von Berlin. Da kam auch was dazwischen. Aber es gibt immer ein nächstes Album. Alles kann passieren.

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