laut.de-Kritik

Zu viel Facettenreichtum

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Soilwork haben nach einem zwischenzeitlichem Tief mit "The Living Infinite", "The Ride Majestic" und dem jüngsten Longplayer "Verkligheten" die Musikpresse wieder voll auf ihre Seite gezogen. Der zwischenzeitliche Ausflug der beiden Masterminds Björn 'Speed' Strid und David Andersson zu der gehypten AOR-Kapelle The Night Flight Orchestra hat den Schweden einen kreativen Spin verpasst: Das Songwriting erfolgte geradliniger, die Riffs fallen abwechslungsreicher und die Refrains eingängiger aus. Auf der nun erscheinenden EP "A Whisp Of The Atlantic" hat die Band laut eigener Aussage die kreative Progression noch weiter vorangetrieben.

Das äußert sich nicht nur im musikalischen Ansatz, der den modernen Melodic-Death-Metal der Schweden aufbricht und genrefremde Sounds zulässt. Das philosophische Konzept hinter den Texten taucht tief ins menschliche Wesen ein. Es handelt von der Entfremdung und der Suche, sich in einer nicht nur durch Corona rasend schnell veränderten Welt zurecht zu finden.

Dieses intellektuelle Zusammenspiel von Musik und Text findet vor allem im 16 Minuten langen Opener und Titelsong seine Umsetzung. "Ich liebe es schon seit meiner frühen Jugend, mir Epen wie 'Supper’s Ready' von Genesis mit Songs, die für sich schon ein Mikrokosmos sind, anzuhören und nun hatte ich die Chance, endlich all die merkwürdigen Klänge in meinem Kopf zu nehmen und daraus ein Lied zu komponieren", erklärt Gitarrist Andersson.

Beim Versuch, ein progressives Feuerwerk abzubrennen, überspannen Soilwork freilich den Bogen beim Spiel mit den Gegensätzen. Auf das leicht beschwingte Intro folgt ein häufig wiederkehrender Wechsel zwischen Blastbeats und atmosphärisch-melancholischen Melodien. Jazzige Bläser variieren mit metallischen Gitarrenriffs. Raserei trifft auf Ruhe. Der Chamäleon-Gesang von Frontmann Strid zwischen tiefen Growls und cleanen Goldkehlchen-Vocals nervt mitunter.

Der epische Titelsong erzeugt eine Signalwirkung für die restlichen vier Stücke auf der EP. Abwechslung ist auch hier Programm. Immerhin kommt auf "Feverish", "Desperado", "Death Diviner" und "The Nothingness And The Devil" die melodische Death-Metal-Basis der Schweden deutlicher zum Tragen. Sicherlich, Soilwork pflegen schon lange einen offenen Umgang mit modernen Soundeinflüssen. Und ihre Fans lieben sie gerade deswegen. Auf "A Whisp Of The Atlantic" befindet sich indes die eine oder andere Facette zu viel.

Trackliste

  1. 1. A Whisp of the Atlantic
  2. 2. The Nothingness and the Devil
  3. 3. Feverish
  4. 4. Desperado
  5. 5. Death Diviner

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