Porträt

laut.de-Biographie

Måneskin

Sie setzen ein visuelles Statement gegen Gender-Konventionen in Mode und Kosmetik. Und ein akustisches gegen die Musik-Konventionen des italienischen Pop-Marktes. Bei Måneskin geht's ums Auffallen. Das gelang ihnen bereits auf den Straßen Roms, wo sie Anwohner öfter verärgerten, als sie ihre ersten, ganz informellen Live-Erfahrungen sammelten. Öfter mal wurde die Polizei gerufen, auch von 'angemeldeten' Straßen-Bands, die ihren festen Platz verteidigten, so erzählen Måneskin dem Wiwibloggs-Kanal.

Måneskin: "I Wanna Be Your Slave" im neuen Video
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Mit neuem Video und einem "Beggin'"-Cover reiten die italienischen Rocker weiter die Erfolgswelle.
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Mit ihrem Namen wirbeln die vier beim Eurovision Song Contest die Nationen durcheinander: Måneskin (gesprochen laut Band Maneskin, auch wenn Reporter Moneskin sagen) klingt skandinavisch, und doch nennen sich so die Südeuropäer aus Italiens Hauptstadt, die sich anschicken, den ESC 2021 zu gewinnen. Bassistin Victoria de Angelis hat dänische Wurzeln, Måneskin bedeutet übersetzt "Mondschein". Ein Zufallswurf.

Mit dem kreativen Quartett kehrt der Song Contest zu seinen "Grand Prix"-Wurzeln zurück. Denn Vorbild für den ESC (einst Grand Prix d'Eurovision de la Chanson) war das San Remo-Festival, ein Event für 'homegrown' Musik aus ganz Italien. San Remo: nicht nur ein Festival, es beinhaltet einen Wettbewerb, und den gewinnen die vier Römer von Måneskin schon einige Wochen vorm ESC. Im Prinzip ein Event, das sich ähnlich anfühle, sagen sie, nur dass man beim ESC in Rotterdam Englisch sprechen müsse.

Dass sie optisch mit schwarzen Halsbändern, geschminkten, nägellackierten Männern mit nacktem Oberkörper, eleganten Glampop-Glitzer- und Karo-Sakkos und einer eigenwilligen Choreographie etwas androgyn und dandyhaft rüberkommen, harmoniert mit der großen subkulturellen Bedeutung für die Queer-Szene, die den Song Contest mehr und mehr feiert. "Wir wollen damit Freiheit ausdrücken, dass man sich nicht an Geschlechterrollen halten muss", erläutert die freundliche Bassistin, die selbst in diesem Moment bei der Pressekonferenz eine gestreifte Krawatte trägt.

Måneskins Album "Teatro D'Ira" (also Theater bzw. Bühne des Zorns) schlägt zwar auch andere Töne an als der abgefahrene ESC-Song "Zitti E Buoni", aber gerade dieser Teil, merkt der Frontmann an, sei "etwas ungewöhnlich für die Veranstaltung. Wir kamen nicht mit dem Vorsatz zu gewinnen, aber mit der Hoffnung darauf." Die Mischung ihrer gesamten zweiten CD kommt in der Heimat gut an.

Der Longplayer bietet den straighten Rap-Metal "In Nome Del Padre" ("Im Namen des Herrn"), die verzweifelt jaulende Modern Rock-Nummer "In Your Love" und: die millionenfach gestreamte Rock-Pop-Ballade "Vent'Anni". In Italien erzielt sie über 21 Millionen Spotify-Aufrufe binnen eines halben Jahres. Übrigens nur 70.000 Download-Verkäufe. Die Band um Sänger Damiano David hat eine flexible und eigenartige Stilmixtur geschaffen, und mit ihr schweift sie in diverse Richtungen aus. Zum Beispiel Funkrock, im Song "Lasciami Stare" (2018).

Die Geschichte der Gruppe wirkt im Gegensatz zu ihrem Stil recht konventionell: Die Bassistin Victoria De Angelis geht mit dem Gitarristen Thomas Raggi auf dieselbe Schule, sie lernen sich ungefähr mit zwölf an einer Mittelschule mit musischer Ausrichtung (Vorbereitung aufs musische Gymnasium im italienischen Bildungssystem) kennen. An den Gitarrekumpel erinnert sich Victoria, als David mit ihr 2015 eine Band gründet. Drummer Ethan Torchio rekrutiert das Team in einer Gesichtsbuch-Gruppe namens 'Suche Musiker in Rom'.

Måneskin - Teatro D'Ira: Vol. 1 Aktuelles Album
Måneskin Teatro D'Ira: Vol. 1
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Die vier rocken einen Highschool-Wettbewerb und entern im nächsten Step eine Casting-Show, X Factor. Die Imagine Dragons brauchen bei einem großen Gig in Mailand eine Vor-Band. Die Wahl fällt auf die Casting-Newcomer. Es winkt ein Plattenvertrag bei RCA/Sony, flugs erscheint das Debütalbum, und alles läuft gut geölt. Auf dem Erstling fällt die üppige Besetzung, mit Bläsern, Streichern und Farfisa-Orgel auf.

Der ESC-Song "Zitti E Buoni" vom zweiten Album bedeutet in etwa, negative, destruktive Stimmen auszublenden und zum Schweigen zu bringen, der Song punktet mit rockiger Aggressivität gegen die Unbeweglichkeit des Corona-Jahres. Sänger Damiano äußert sich im Vorfeld des Final-Abends in Rotterdam verantwortungsbewusst zum Stellenwert des Events: Es sei eine Botschaft an die Welt, dass im Konzertgeschäft überhaupt etwas stattfinde.

Innerhalb des Aufgebots 2021 vertreten nur Måneskin und die finnische Konkurrenz Blind Channel die rockigen Komponenten. Beide Bands sprechen übereinander voller Sympathie und Wertschätzung. "Wir sind sehr glücklich, dass noch jemand anderes Rockmusik mitbringt, sehr cool! Und wir mögen ihren Song", resümiert Victoria in der Vorab-Pressekonferenz, "uns geht es bei Events wie San Remo oder ESC auch um die Riesenchance, dass uns neue Leute kennen lernen". Über ihre eigene Position als Rockerin in einer Band mit drei Männern schwärmt sie gegenüber Wiwibloggs, ihre Jungs seien "wirklich süß zu mir und kommandieren mich nicht rum, sondern helfen mir."

Die erfrischend authentische Combo möchte den Menschen zeigen, dass sich niemand in seiner Freizeit verkrampft an vorgefertigte Erwartungen adaptieren muss. Gitarrist Thomas setzte mal morgens früh um vier sein Auto in den Sand, als es am Ufer eines Sees nahe Rom stecken blieb, erzählt die Band glucksend dem Eurovoxx-Kanal. Sie seien auch bessere Cocktail-Trinker als Cocktail-Mixer.

Und sie stehen zu ihrem ausgefallenen Musikgeschmack. Im Gespräch mit The Upcoming sagen sie bei ihrem ersten London-Auftritt, sie würden sich bei einem höheren internationalen Bekanntheitsgrad eine Kollabo mit dem spanischen Neo-Flamenco-Star Rosalía wünschen. In der Nacht des 23. Mai 2021 erhalten diese Hoffnungen neues Futter: Måneskin gewinnen den Eurovision Song Contest dank großer Popularität im Zuschauer-Voting. Es ist der erste Sieg Italiens beim ESC seit Toto Cutugno im Jahr 1990.

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76 Kommentare, davon 75 auf Unterseiten

  • Vor einem Monat

    Eine sympathische, authentische und wirklich talentierte Band! Nutzt so viele verschiedene Musikstile. Ihre eigenen Kompositionen und Live-Auftritte zeigen echte Spielfreude und Kreativität. Erfrischend... vor allem nach so einer langen Corona-Durststrecke! Smart sind auch ihre Interviews und Statements. Wo genügend Talent und Verstand vorhanden, braucht es keine Drogen. Maneskin, weiter so!