laut.de-Kritik

Sommersoundtrack, Discokugel, R.I.P. Gitarrensoli.

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Dass sich die kanadischen Yukon Blonde mal mit Folkrock abgegeben haben, hält man 2018 kaum mehr für möglich. "Critical Hit" ist ihr mittlerweile viertes Album, für das sie Tony Hoffer engagiert haben. Der Produzent aus L.A. kennt sich aus mit dem Unterfüttern großer Singalongs, wie er beispielsweise bei den Kooks und M83 nachhaltig bewiesen hat ("Junk Of The Heart", "Junk"). Mit musikalischem Junk gibt sich Hoffer längst nicht mehr ab, er ist dann zur Stelle, wenn "Sounds Of The Universe" gefragt sind. Denn der Producer ist imstande, Refrains so lange aufzupumpen, bis sie förmlich in den Himmel steigen.

Dies ist Hoffer auf "Critical Hit" ein weiteres Mal gelungen. Synthesizer spielen eine dominante Rolle, was Fans kaum verwundern dürfte. Schon auf ihrem letzten Album "On Blonde" ummantelte das Quintett seinen Psychedelic-Pop mit reichlich Elektronik. "Too Close To Love" macht sogleich deutlich, wie ernst es Yukon Blonde mit dem Stil-Update wirklich meinen. Schillernde 80s-Synths, Beats aus der Dose und einprägsamer Harmoniegesang, im Refrain dann die große Scissor Sisters-Geste: Hier geht es um P-O-P, um Pop Music, einen Sommersoundtrack zum Mitsingen, Cover Discokugel, R.I.P. Gitarrensoli.

Wer aber auf blank gewienerten Synthie-Pop steht, Gruppen wie Walk The Moon aber doch um einiges zu belanglos findet, könnte hier durchaus Spaß haben. In manchen Momenten kommen Yukon Blonde der Coolness von Phoenix sehr nah (Hoffer produzierte "Alphabetical"), etwa in "Emotional Blackmail" oder "Cry". Überhaupt: Bleibt Sänger Jeff Innes in tiefen Tonlagen, ähnelt er Thomas Mars schon verdächtig. In der ersten Albumhälfte geht das Disco-Konzept unter Einbeziehung des alten Rock-Instrumentariums wunderbar auf.

Der Vibe der Platte speist sich denn auch in erster Linie "aus unserer Obsession mit den Synthesizern und Drumcomputern", gibt Innes einsichtig zu Protokoll. Textlich habe ihn das Thema Dating im digitalen Zeitalter beschäftigt, bei dem ihm dann so einiges an "Sarkasmus, Wortwitz und privatem Scheiß" überkam. Über die ein oder andere Floskel ("I love letters in the mail / and chit chatting on the telephone") sollte daher geflissentlich hinweg gehört werden: Yukon Blonde wollen den Hörer auf die Tanzfläche ziehen.

Im hinteren Teil des Albums bleiben sie leider öfter hängen. Der funky Upbeat-Track "The Bluffs" geht noch klar, das müde Elton John-Rip-Off "Painting On A Smile" oder die arg redundanten Tracks "Crazy" und "Summer In July" trüben den guten Start etwas und wirken im Vergleich seltsam abgestanden. Derlei spitzfindige Überlegungen stören aber eigentlich nur auf dem Weg zum Badestrand.

Trackliste

  1. 1. Too Close To Love
  2. 2. Love The Way You Are
  3. 3. Emotional Blackmail
  4. 4. Cry
  5. 5. Hardly Even There
  6. 6. Feeling Digital
  7. 7. Summer In July
  8. 8. Crazy
  9. 9. The Bluffs
  10. 10. Painting On A Smile
  11. 11. Dear Nancy
  12. 12. This Is Spain
  13. 13. Ritual Off The Docks

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