laut.de-Kritik

Ein waschechtes Herbstalbum.

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Wenn du es nicht tragen kannst, darfst du es nicht spielen. Egal, ob Tatsache oder Promo-Erfindung: Die Young Chinese Dogs beschränken sich auf ihrem Debüt "Farewell To Fate" tatsächlich auf recht mobile, akustische Instrumente: Gitarre, Akkordeon, Ukulele, Kinderklavier, Mundharmonika, Harfe, Percussions, Trommeln und Klatschen.

Das Ergebnis passt bestens zur Jahreszeit: Die Band liefert ein waschechtes Herbstalbum ab. Ein paar beschwingte Ausläufer des Sommers ("You Can't Find Love In The Summertime") treffen auf Nostalgie und Melancholie dunklerer Tage ("Juliette's Son").

Der Stimmungsbandbreite entsprechend, wühlt sich das Trio auf seinem Debütalbum auch durch die Genre-Schublade: Im weitesten Sinne spielt es akustischen Folk, der aber fließend die Grenzen zu Country, Pop und manchmal sogar zum Rock überschreitet.

Oder anders gesagt: Die Münchner sind so etwas wie die deutsche Antwort auf die Erfolgsgeschichten von Mumford & Sons , The Lumineers oder Of Monsters And Men. Gerade der Vergleich zu Letztgenannten drängt sich bei "Sweet Little Lies" förmlich auf. Der Song ist zweifelsfrei der Überhit des Albums. Akustische Gitarre, Handclaps, Percussions, eine bezaubernde Sängerin und ein eingängiger Refrain ("Sweet little lies, words come and go / Sweet little lies, and I taught you so / Sweet little lies, and I wouldn’t mind, if there wasn’t something in your eyes"): Man denkt einfach unweigerlich an "Little Talks".

Allerdings würde man den Young Chinese Dogs Unrecht tun, wenn man sie einfach als weiteren Abklatsch Obengenannter abtut. Denn die eine oder andere Überraschung hat "Farewell To Fate" definitiv parat. In "Don't Talk About" lässt Sänger Nick Reitmeier dem Krächzen in seiner Stimme, das in anderen Tracks auch immer mal wieder für Aufhorchen sorgt, freien Lauf. Ein zweiminütiger Rock-Anflug, der von Akkordeon, Gitarre und Klatschen begleitet wird.

Auf "You Can't Find Love In The Summertime", "Lost Generation" und "If You Meet Katy" wandelt die Band irgendwo zwischen Hippie- und sonnigem Power-Pop so und erinnern an eine Mischung aus Edward Sharpe & The Magnetic Zeros und Jack Johnson. Nette Abwechslung, auf Dauer aber leider ein bisschen banal.

Das gilt vor allem auch für die Lyrics: Dass sie typische Coming Of Age-Geschichten von vergangener Jugend, verlorener Liebe und der Sehnsucht nach einer neuen Heimat und neuen Zielen erzählen, liegt nahe, schließlich befinden sich die Mitglieder mit Mitte 20 bis Anfang 30 in genau dieser Phase ihres Lebens. An Tiefgang fehlt es dabei bedauerlicher Weise oft, stattdessen nutzen sie etwas abgegriffene Textzeilen wie im obligatorischen Mundharmonika-Rausschmeißer "It's The Morning Light That Is Taking Me From You": "The day the sun starts turning into ice / I know I have to dare and throw the dice".

Hängen bleiben die Texte trotzdem, der hohe Mitsing-Faktor war ja vermutlich beabsichtigt. Ohne Frage könnte "Farewell To Fate" insgesamt noch die eine oder andere Kante und etwas Einzigartigkeit vertragen. Ansprechend ist das Debüt dank der harmonischen, hochwertigen Gesangsparts und des sympathischen Gesamteindrucks, den das reiselustige, verträumte Trio hinterlässt, aber auf jeden Fall. Einem verbesserten Nachfolger steht hoffentlich nichts im Weg.

Trackliste

  1. 1. Long Way From Home
  2. 2. Please Don't Go
  3. 3. Sweet Little Lies
  4. 4. This Town Is Killing Me
  5. 5. Don't Talk About
  6. 6. Walk Away
  7. 7. You Can't Find Love In The Summertime
  8. 8. Lost Generation
  9. 9. If You Meet Katy
  10. 10. Stay With Me
  11. 11. Juliette's Son
  12. 12. It's The Morning Light That Is Taking You From Me

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