laut.de-Kritik

Wenn Schandmaul zur See fahren.

Review von

"Tales Don‘t Tell Themselves" von Funeral For A Friend, "The Call Of The Wretched Sea" von Ahab, "Pelagial" von The Ocean, "The Mollusk" von Ween und "The Privateer" von The Tosspints – Alben über das Leben auf, in oder am Meer gibt es reichlich. Wer deutschsprachige Vertreter der Seefahrermusik sucht, nimmt nun Kurs auf Bremen: Versengold aus dem kleinsten Bundesland Deutschlands veröffentlichen mit "Nordlicht" ihr neuntes Studioalbum.

"Komm wir springen in die Brandung / trotzen allen Widrigkeiten / tanzen gegen jede Strömung / schwimmen raus in die Gezeiten", begrüßt Sänger Malte Hoyer seine Hörer_innen auf dem Opener "Durch den Sturm". Was im ersten Moment wie Square Dance für ein Publikum in der Eifel klingt, ist im zweiten Hördurchgang mit Herz geschriebener Spezialisten-Pop. Das verdanken die Norddeutschen einer unverbrauchten Themenwahl mit ganz viel Lokalkolorit.

Schon der Albumtitel "Nordlicht" verrät, dass sich die Band nicht für ihre Herkunft schämt. Auf textlicher Ebene verarbeiten sie das mit Hymnen an die Nordsee ("Küstenkind"), Verweisen auf eine historische Flut im 18. Jahrhundert ("Winterflut 1717") und singen Geschichten über die Legende aus dem Teufelsmoor ("Teufelstanz"). Dass dabei mehr Seefahrermetaphern als im Handbuch des Deutschen Marinebunds fallen, gehört zum guten Ton.

Musikalisch pendeln sich Versengold zwischen Kelten- und Mittelalter-Rock ein. Obwohl E-Gitarren nur eine untergeordnete Rolle spielen, sind auch Metal-Einflüsse herauszuhören. Geprägt wird das Klangbild jedoch von Violinen und Mandolinen, die sowohl in Uptempo-Nummern als auch Balladen funktionieren. Andere Stimmungen als Tanz und Trauer scheint das Sextett dagegen nicht zu kennen.

Suff, Freundschaft und harte Arbeit – Versengold bewegen sich auch inhaltlich zwischen dramatisch und fröhlich. Hoyer singt in einem Moment über die verführerische Bardame ("Thekenmädchen"), im nächsten an der Klippe schwankend ein Abschiedslied ("Erinnere Dich"). Eingängige Kehrverse setzen sich im Kopf fest, auch wenn die Musik zu offensichtlich darauf aus ist, um nicht plump zu wirken.

Auf ihre Art ist "Nordlicht" eine sympathische Platte, was nicht zuletzt am unmissverständlichen Antirechtssong "Braune Pfeifen" und dem glaubenskritischen "Der Tag, an dem die Götter sich betranken" liegt. Menschen, die Schandmaul und Co. nichts abgewinnen können, werden Versengold aber auch diesmal nicht überzeugen.

Trackliste

  1. 1. Durch den Sturm
  2. 2. Thekenmädchen
  3. 3. De rode Gerd
  4. 4. Küstenkind
  5. 5. Der Tag, an dem die Götter sich betranken
  6. 6. Winterflut 1717
  7. 7. Erinnere Dich (Ein Lied das nicht vergisst)
  8. 8. Butter bei die Fische
  9. 9. Teufelstanz
  10. 10. Meer aus Tränen
  11. 11. Die Blätter, die im Frühling fallen
  12. 12. Weit, weit weg
  13. 13. Braune Pfeifen
  14. 14. Wohin wir auch gehen

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