laut.de-Kritik

Bei Queens "I Want It All" schnellen die Fäuste in die Luft.

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Hat man mal einen Ruf weg, wird es schwer, diesen wieder loszuwerden. Sicherlich birgt Van Cantos Vokalisten-Reiterei von "rakkatakka" über "digeldigeldigel" bis hin zu "bumbumbum" eine gewisse unfreiwillige Komik. Dass menschliche Stimmen kaum eine ganze Band ersetzen können, lässt sich ebenso wenig bestreiten. Hinzu kommt, dass der Sound auf den letzten Alben recht dünn klang. Jedoch hat man schon deutlich Schlimmeres gehört, zumal die Formation in der Vergangenheit ein gutes Gespür für packende Melodien und feine, gesungene Gitarren-Soli an den Tag legte.

Für "To The Power Of Eight" hat sie sich wieder mit Philip Dennis 'Sly' Schunke zusammengetan, der als dritter Leadsänger und Special Guest in Erscheinung tritt. An den Stärken und Schwächen ändert sich allerdings auch mit achtfacher Stimmkraft wenig.

Der Anfang gelingt gleichwohl. Im Titelstück, das als eine Art kurzes Intro fungiert, dient besagte Vokalisten-Reiterei dazu, die Spannung nach und nach zu steigern, das macht Lust auf mehrt. "Dead By The Night" geht flott nach vorne, verfügt aber auch über epische Momente, wenn die Stimmen Hagen Hirschmanns und Inga Scharfs kraftvoll aufeinandertreffen. Nur die Hagens Growl lassen wieder unfreiwillige Komik aufkommen. Weiterhin täuschen die rhythmischen Doublebass-Einschübe an den Drums nicht darüber hinweg, dass es dem Sound wieder mal an Druck und an Durchschlagskraft fehlt.

Mit "Faith Focus Finish" wagen sich Van Canto wie auf dem Vorgänger in sinfonische Gefilde vor. Hier macht sich besonders bemerkbar, dass Scharf über zu wenig Stimmvolumen verfügt und zu wenig Charisma ausstrahlt, um gegen eine Simone Simons oder gar Floor Jansen zu bestehen. Dafür lässt sich an der treibenden Songstruktur, die ein paar Tempowechsel und rhythmische Schlenker bereithält, nichts bemängeln.

Danach war es das aber erst mal mit den guten Ansätzen. In "Falling Down" und "Heads Up High" lockern zwar tolle mehrstimmige Harmonien und ein paar erhabene Einschübe von 'Sly' das Geschehen auf, aber die nichtssagenden Melodien im Refrain zeugen von Ideenlosigkeit. Die anschließende Coverversion von Amon Amarths "Raise Your Horns" beansprucht schließlich durch die dominanten Growls die Lachmuskeln massiv. Das an die ruhigen Momente Blind Guardians erinnernde "Turn Back Time" punktet wiederum mit sanften Balladentönen und der unaufgeregten Stimmführung der beiden männlichen Leadsänger auf voller Linie.

Hagen oder 'Sly" wären auch für die Neuinterpretation von Iron Maidens "Run To The Hills" als Leadvokalisten eine gute Wahl gewesen: Durch den dünnen Gesang Ingas erreicht Van Cantos Version nicht mal ansatzweise die Energie des Originals. Ganz anders das Cover von AC/DCs "Thunderstruck", das, wenn sich A Capella-Gitarren, treibende Chöre, stampfende Schlagzeug- und dumpfe Bass-Klänge zu einer Wall of Sound verdichten, einer richtigen Hardrock-Band alle Ehre macht. Zwar dehnt Hagen hier und da ein wenig zu arg die Silben, rockt sich aber mit reibeisiger Power amtlich durch den Track.

Die beiden letzten Nummern stimmen ebenfalls versöhnlich. In "From The End" betont die Formation ihre epischen Qualitäten und fügt außerdem ein paar interessante progressive Einsprengsel bei. Und die Neuinterpretation von Queens "I Want It All" lässt beim markanten Chor-Einsatz die Fäuste in die Höhe schnellen.

Letzten Endes kann aus Van Canto noch eine richtig gute Band werden, sollten sie es schaffen, ihre gesanglichen, songwriterischen und rhythmischen Stärken weiter auszubauen. So bleibt eine recht gute Platte, bei der sich das Fremdschampotential in Grenzen hält.

Trackliste

  1. 1. To The Power Of Eight
  2. 2. Dead By The Night
  3. 3. Faith Focus Finish
  4. 4. Falling Down
  5. 5. Heads Up High
  6. 6. Raise Your Horns
  7. 7. Turn Back Time
  8. 8. Run To The Hills
  9. 9. Hardrock Padlock
  10. 10. Thunderstruck
  11. 11. From The End
  12. 12. I Want It All

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LAUT.DE-PORTRÄT Van Canto

A Capella-Bands sind eine Sache für sich. Wenn solch eine Combo aber anfängt, sich an Metal-Songs zu vergreifen, wird die Sache ganz kritisch. Genau …

2 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 3 Tagen

    Nach 15 Jahren wird aus einem Projekt, dessen Gimmick und Alleinstellungsmerkmal schon immer nur die Fremdscham war keine gute Band mehr, eher züchte ich erfolgreiche Rennpferde, indem ich sie mit Atommüll füttere.

    Ich sprech Van Canto ja nicht mal eine große Daseinsberechtigung ab, aber die sind sowohl für den Metal als auch für den Acapella eher das was Moneyboy für den Hip-Hop ist.

  • Vor 2 Tagen

    Für eine Band, die im Jahre 2006 gegründet und bis dato mit ihrem einmaligen Stil ganze acht Studioalben heraus gebracht hat, in Zeiten vor der Pandemie ganze Hallen und in 2008 sogar eine Wacken-Stage gefüllt und begeistert hat, darüber hinaus mittlerweile eine Fanbase bedient, die neben den "normalen" Merch Artikeln sogar bewirkt hat, dass es eine eigene Kollektion von Schutzmasken zu Zeiten der Corona-Pandemie gegeben hat, sollte man sich meiner Meinung nach bei einer Rezension oder Kritik zu dieser Band mehr Gedanke machen als es in diesem Fall "Basch" getan hat.
    Natürlich steht die freie Meinungsäußerung im Vordergrund und wird zu keinem Zeitpunkt angezweifelt, aber ein Unikat an Musikstil und allgemeinem Stilmittel grundsätzlich so schlecht darzustellen, sollte bei jeder Plattform für Rezensionen dieser Art wohl überdacht werden.

    Zunächst sei gesagt, dass man im Bereich "Metal" wohl zunächst nicht auf die Idee kommt, dass Gitarrensounds, die allein mit der Stimme generiert werden und nur ein richtiges Instrument in der gesamten Band funktionieren können. Dazu kommt, dass mit normalerweise nur einer männlichen Leadstimme und dazu dem weiblichen Part mit Inga eine - wie ich finde - grandiose Zusammenstellung gelungen ist. Sly, der auf dem neuen Album als "alter Bekannter" und zurückgekehrtes absolutes Familienmitglied mitgewirkt hat, trägt seinen Teil dazu bei, dass die neue Scheibe ein absoluter Erfolg ist und wird. Schon bei Bandgründung in 2006, wo auf anderen Positionen in der Band noch weniger bzw. andere Leute zugegen waren (ein anderer Drummer und Jan war noch nicht dabei), hat die Band mit ihrem ersten Album einen Meilenstein gesetzt - und das alleine durch ihre Art der Metal Musik.

    Die zum Teil gefühlvolle, aber auch immer öfter kraftvolle Stimme von Inga ist ein perfekter Gegenpart zu einem Sänger und Growler wie Hagen oder einem mit Power ausgestatteten Sänger wie Sly. Die Harmonie der drei Lead-Stimmen kommt im neuen Song "Faith Focus Finish" absolut herausragend zum Tragen. Coverversionen wie "Run to the Hills" oder "Thunderstruck" zeigen im neuen Album, womit Songs wie "Hells Bells" oder "Into the West", beide Songs von den beiden vergangenen Alben, dass sowohl Komponist Stef, als auch die Lead-Stimmen ihr Handwerk absolut verstehen.

    Ich persönlich glaube, dass jeder Kritiker dieser Band sich hingegen seines ersten Eindrucks einmal ein Ticket für eine Show besorgen sollte, um dort dann zu merken, was für eine Power die Band zusammen mit ihren Fans auslöst. Dabei darf nicht vergessen werden, dass jedes einzelne Mitglied der Band dann auch noch für das ein oder andere Bierchen oder den ein oder anderen Plausch zur Verfügung steht. Genau DAS ist es nämlich, was eine gute Band von einer grandiosen Band unterscheidet: Power, Fannähe und vor allem: Passion!

    • Vor 2 Tagen

      Vollkommen unhörbar, schon immer gewesen.

    • Vor 2 Tagen

      "Dabei darf nicht vergessen werden, dass jedes einzelne Mitglied der Band dann auch noch für das ein oder andere Bierchen oder den ein oder anderen Plausch zur Verfügung steht"

      Ich bin sicher, der Rezensent wird seine Entscheidung nochmal gründlich überdenken. Danke für den wichtigen Hinweis.