laut.de-Kritik

Wer früher drippt ist länger tot.

Review von

Den meisten dürfte es schon auf dem Peak von Ufos Selbstinszenierungszirkus klar gewesen sein. Jetzt herrscht endgültige Gewissheit: Ufo war nie tot und hatte auch nie vor, die Musik an den Nagel zu hängen. "Keiner hat geahnt, dass die Wave kommt!". Naja.

Die Qualität der Vorabsingles schwankte zwischen grandios ("Next" feat. RIN) und grauenhaft ("Nummer" feat. RAF Camora) und ließ einen doch irgendwie ratlos zurück: Dafür hat sich der Gute ein halbes Jahr Auszeit genommen? Really?

Rein musikalisch hat sich nämlich quasi gar nichts verändert. Es sind die selben Trap-Banger und die selben melancholischen Auto-Crooner, die Ufuk Bayraktar schon auf "VVS" zelebrierte. Was nicht per se schlecht ist, aber aggressive Assi-Anthems wie "Ich bin ein Berliner" oder gar seine lyrisch hörenswerten Battle-Rap-Anfänge nebst Morlockk Dilemma sind Geschichte. Never change a running system, I guess.

Man muss Ufo allerdings zu Gute halten, dass er tatsächlich einer der wenigen deutschen Rapper im Mainstream ist, der den Style, den Vibe und den Look der amerikanischen Vorbilder gelungen eindeutscht. Wo sich bei den Trap-Ausflügen seiner Kollegen noch Abgründe auftun, könnte man einen Gunna-Beat nicht von einem Ufo-Beat unterscheiden. Dass er dabei in die gleiche Falle wie seine Vorbilder tappt und 17 Tracks für notwendig erachtet, ist ärgerlich.

Vor allem weil irgendwo in der "Wave" ein wirklich solides Album begraben liegt. Der Opener besticht mit seiner komplex anschwellenden Soundcollage. Auf "Richard Millie" zeigt sich Ufo von seiner animierten Seite und flowt sich die Seele aus dem Leib, "Next" ist sowieso der Deutschrap-Banger des Jahres. Selbst "Shot" ist seine catchy Hook nicht abzusprechen. Dass hier "Stay High"-Neuling Data Luv seine Perle darum bittet, ihm noch einen Shot zu holen, ist angesichts seines Alters (15) gleichermaßen peinlich wie lustig. Was hätte er denn gerne: O-Saft oder Rockstar?

Doch spätestens "Monster" leitet dann den unvermeidlichen Qualitätsabfall ein. Die zweite Hälfte des Albums ist übersät mit Peinlichkeiten, Fillern und Schlaftabletten. Auf dem bereits erwähnten "Monster" singen uns Ufo und Kontra K aka Deutschraps Herbert Grönemeyer ein Lied vom Utilitarismus. Schließlich gäbe es in Afrika ja hungernde Menschen. "Tauschen Menschlichkeit gegen ein paar funkelnde Diamanten", "denn nur einem Monster reicht nicht was ihm Gott gab". Amen Ufuk. "Chill' in Dubai, ja, hänge nur mit Millionär'n" ... alles nur Plattitüde.

Danach wird es noch schlimmer. "Warum willst du mich" ist eine Love-Song-Zumutung und für die Ohrwurm-Melodie von "Lost" will man sich fast mit einer Runde russisch Roulette bedanken. Selbst Feature-Gast Yung Hurn klingt hier seltsam nüchtern und out of place. Doch Ufo für sein lyrisches Unvermögen zu kritisieren, würde der Musik nicht gerecht werden. Man wirft schließlich den Migos auch nicht vor, zu wenig über den Klimawandel zu rappen.

Auf "4:30" kreiert Ufo zwar eine wirklich infektiöse Melodie, reduziert seine Lyrics dann aber endgültig auf Schlager-Niveau. Ein Wolle Petry hätte die Zeilen "Ich wollt dich an mich ranlassen, ich hab es ausprobiert / aber hab' auch kapiert / dass mir da das dauernd passiert" nach ein, zwei Doublecups auch gestammelt.

Mit "Nummer" erreicht das Album seinen endgültigen Tiefpunkt. Entweder hat Ufo den Schuss nicht gehört oder er hält einen von RAF Camora assistierten Dancehall-Track im Jahr 2019 wirklich noch für eine gute Idee. Dass seine Fanbase auch diesen unverdaulichen Brocken mit Genuss verschlingt, zeigen die Kommentarspalten auf Genius und Youtube: "Brudaa ich bin so süchtig nach dem lied ich schwör zu viel driiippp". Wenn das den Zenit des Drippens darstellt, ziehe ich mir gerne wieder den Rucksack auf.

Der Rest des Albums läuft dann relativ belanglos aus. Mit "Swiss Made" beweist der Berliner einmal mehr, dass Flöten einfach jeden Beat bereichern. Auch wenn KC Rebell einmal mehr unter Beweis stellt, wieso sich keine Sau mehr für seinen Output interessiert ("Schon wird aus der kleinen Hurentochter eine wilde Pocahontas"). Das introspektive "Keiner da, wenn du suchst" beendet das Album: "Papa ist krank, mein Leben fährt gegen die Wand / Paff' viel zu schnell, ich hab das Gefühl ich lebe nicht lang." Doch Ufos Selbstreflexion geht letztlich in dem Gefühl der Befreiung verloren, das man am Ende der fast einstündigen Platte verspürt.

"Wave" ist übersättigt und hätte eine so viel bessere EP abgeben können. Aber Bescheidenheit ist ja nicht gerade die Stärke des deutschen Traplords: "Ihr wisst Bescheid, Diamanten, Dicka, dreißig Karat, ja / Meine Bitch hat den geileren Arsch, ja." Schade auch, dass der Sound gegen seinen rohen, abgefuckten Output von einst abkackt und zu Top 40-orientiert wirkt.

Trackliste

  1. 1. Wave
  2. 2. Richard Millie
  3. 3. Shot feat. Data Luv
  4. 4. On Time feat. Gunna
  5. 5. Irina Shayk
  6. 6. Next feat. Rin
  7. 7. Monster feat. Kontra K
  8. 8. Warum willst du mich
  9. 9. Lost feat. Yung Hurn
  10. 10. 4:30
  11. 11. Nummer feat. RAF Camora
  12. 12. Pass auf wen du liebst
  13. 13. Swiss Made feat. KC Rebell
  14. 14. Gib Gas feat. Luciano
  15. 15. Nike Leggins
  16. 16. Poseidon
  17. 17. Keiner da, wenn du suchst

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12 Kommentare mit 49 Antworten

  • Vor 4 Tagen

    wir haben noch nicht abschließend geklärt, ob shot mit data luv kindesmissbrauch ist oder nicht? Ist da nicht das kindeswohl gefährdet? Was macht das berliner Jugendamt? Die Ferchichi hunde in obhut nehmen?

  • Vor einem Tag

    Dieser Kritik muss ich absolut widersprechen, ich sucht' das Album nun schon seit fast einer Woche in Dauerschleife, und egal bei welchem Track ich einsteige die Musik saugt mich hinein und lässt mich nicht mehr los. Die Hooks und Melodien bleiben einem im Ohr und die meisten Beats auf dem Album bescherten mir beim ersten Hören wortwörtlich Gänsehaut. Für dieses Feeling allein hat sich für mich der Kauf schon gelohnt. Die Tracks welche du hier als Tiefpunkte bezeichnest (Monster, Nummer) sehe ich als willkommene Abwechslung. Gerade "Nummer" poppt richtig schön zwischen den melancholischeren Songs hervor. Und "Gib Gas" (einen meiner Lieblingstracks auf dem Album) hast du in deiner Kritik sogar komplett unterschlagen, wo doch Luciano hier so richtig aufdreht.
    Die Stimmung auf dem Album gleitet auf und ab (Wie Wellen eben) und in diesem Zusammenhang macht auch das triste Ende "Keiner da wenn du suchst" durchaus Sinn, wie der Tiefpunkt nach einem Rausch.

    Ich bin kein großer Kenner des deutschen Trap, und sehe mich auch nicht in der Position dieses Album im Vergleich zu anderen einzuordnen, aber ich weiß genau, dass ich hier eine geile Zeit habe und die Musik genießen kann für was sie ist.

    An alle da draußen die mit UFO und deutschem Trap schon aus Prinzip nichts anfangen können/wollen:
    Ihr solltet einfach einsehen, dass Trap einen anderen Anspruch und Vibe hat als traditioneller Rap, und den Schwerpunkt nämlich in erster Reihe auf Rhythmus und Melodie legt.
    Ich bin der Meinung, dass es im deutschsprachigen Rap genug Platz für beides gibt und erfreue mich an der Vielfalt.

    Fazit:
    Für mich ist Wave ein gelungenes Sommeralbum.
    Ich empfehle es all denjenigen die unvoreingenommen, wie ich, durch die Youtube-clips (Gib Gas, Shot, Nummer etc.) neugierig auf deutschen Trap geworden sind.
    Wenn euch diese Songs, wie bei mir, im Kopf hängen geblieben sind, dann macht ihr mit dem Kauf dieses Albums alles richtig.

    5/5

  • Vor 18 Stunden

    Peinlich unqualifizierte Rezension ! In sich widersprüchliche Aussagen über das Album, lassen doch stark an der musikalisch fachlichen Qualifikation des Musikjournalisten (?) zweifeln.....Die Instrumentals gleichen denen auf VVS? Hat der Schreiberling einen Gehörschaden? Die Produktionen von The Cratez und den anderen beteiligten Produzenten sind auf einsam hochkarätigem Niveau. Hält der Verfasser der Rezension einen soundtechnisch hochwertigen Dancehallsong in 2019 für deplatziert, ist das sein Geschmacksproblem! Die Konsumenten schätzen die Varianz der Soundproduktionen...Was hat diesen Schreiberling geritten, sich abwertend anzumaßen, ob auf einem Album in 2019 ein Dancehalltrack angemessen ist?
    Die Hörer teilen diese einsame Beurteilung sicher nicht
    (Singlecharts 2). Noch mehr stören die abfälligen Kommentare
    über die Zuhörerschaft, die diese Songs begeistert feiern.
    Ufos Lyrics können wahrhaftig nicht mit den Soundproduktionen
    mithalten....Wer allerdings hochphilosophische Wortschöpfungen auf einem Trapalbum erwartet, wird hier auch bei den erfolgreichsten amerikanischen Alben enttäuscht......
    Fazit: Ufos stärkstes Album mit, für deutsche Verhältnisse, überragenden Instrumentals. Starke Features, Gunna, Rin,
    Kontra K, Raf Camora, Luciano und Young Hurn runden das starke Album ab. Meine Empfehlung: Der Verfasser der Rezension sollt sich schleunigst eine andere berufliche Orientierung suchen. Selbstverliebtes und und anmaßendes unlogisches Geschwafel sollte auf dieser Seite keinen Platz finden..........