laut.de-Kritik

Synthies und künstliche Bassdrums stehen dem Rock'n'Roll im Weg.

Review von

Auf ihrem vierten Album mischen die vier Schotten so einiges zusammen: Bluesige Riffs à la Black Keys, schnellen Hardrock à la Hellacopters und den atmosphärischen Pop-Appeal von Bands wie All Time Low, Muse oder Arcade Fire. Das Ergebnis bleibt farblos.

Die übertriebene Produktion ist das erste Manko. An den Reglern stand der Ire Jacknife Lee, der zuletzt mit Taylor Swift und One Direction, zuvor mit The Hives und Bloc Party zusammengearbeitet hat. Es scheint, als habe er sich nicht entscheiden können, welche dieser Linien er mit Twin Atlantic verfolgen will, um dann die schlechteste Option zu wählen: Beide. So übertönen künstliche Bassdrums lässige Pentatonik-Riffs und Synthesizer zerstören jegliche Rock'n'Roll Stimmung, die der teilweise so schön kaputt klingende Gitarrensound aufkommen lassen könnte.

Auch beim Songwriting konnte die Band keinen klaren Kurs finden. Die Hälfte des Albums besteht aus modernen Hardrocknummern mit fetten Gitarren und Moshparts. Die andere Hälfte aus zurückgefahrenen Akustik-Stücken oder opulenten Stadionhymnen. Vor allem die Rock-Hälfte gerät schlichtweg uninteressant: Standard-Riffs wechseln sich mit abgedroschenen Akkordfolgen ab, die auch Tempowechsel und Breaks nicht mehr retten. Der Refrain besteht allzu oft nur aus dem Songtitel, der irgendwie über ein Gitarrenriff gelegt wurde: "I Am Alive", "Missing Link" oder "You Are The Devil" sind jedoch keine Perlen der Songwriting-Kunst.

Die erste Single "No Sleep" erhält ihre Daseinsberechtigung aufgrund der guten Strophen-Melodie. Die Akustiknummern sind noch schwächer. "A Scar To Hide" kommt ohne Schlagzeug und Bass daher, die Streicher machen den Song unerträglich. Im Refrain nach Pop-Akkordschema zeigt Sänger Sam McTrusty immerhin, dass er eine gute Stimme hat. "Mothertongue" ist eine Ode an den Glasgower Akzent, für den die Band immer wieder verarscht wird: "They keep on pushing, who needs the world to talk the same", heißt es. Wenig verblüffend lautet das Resümee: "You are my mother tongue, my mother tongue, my mother tongue".

Lichtblicke sind die atmosphärischen Songs: "Overthinking" beginnt mit einem interessanten Intro, in dem verträumte Synths eine Stakkato-Akkorde spielende Gitarre begleiten. Der Song nimmt geschickt inszeniert an Fahrt auf und wird dann ein richtig guter Indierock-Song. In der Hymne "Ex El" geht der seltsame Stilmix des Albums erstmals auf: Das atmosphärische Intro wandelt auf den Spuren der Kings Of Leon, der Pop-Punk-Refrain fügt sich nahtlos ein. "Whispers" könnte genauso auf einem der letzten beiden Biffy Clyro-Platten sein. Call-and-response-Vocals, Falsettgesang sowie gekonnte Gitarrenparts münden in ein innovatives, modernes Rock-Stück. Die drei letztgenannten Stücke sollte man anspielen, der Rest bleibt unerheblich.

Trackliste

  1. 1. Gold Elephant: Cherry Alligator
  2. 2. No Sleep
  3. 3. You Are the Devil
  4. 4. Overthinking
  5. 5. Ex El
  6. 6. Valhalla
  7. 7. I Am Alive
  8. 8. Whispers
  9. 9. A Scar to Hide
  10. 10. Missing Link
  11. 11. The Chaser
  12. 12. Mothertongue

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