laut.de-Kritik

Gemütlich wie ein altes Sofa.

Review von

Manchmal ist die Musik von Trespassers William kaum da, so sanft, fragil und leise ist sie. Man spürt sie, aber nimmt sie kaum wahr. Vielleicht ist das der Grund, warum sie so häufig für den Soundtrack von Film- und Fernsehproduktionen genutzt wird.

Vermutlich hat schon fast jeder einmal einen der scheuen Trespassers-Songs gehört - im Hintergrund von O.C. California, MTV-Produktionen oder auch Kinofilmen mit John Travolta und Scarlett Johannsson. Aber wer kann schon mit dem Namen der Band aus L.A. etwas anfangen? "Having" ist das dritte Album von Trespassers William, und wer es nicht überhört, wird es vermutlich ziemlich gut finden.

Gleichmäßig verteilt sich der Sound im Raum. Die leicht belegte Stimme von Anna-Lynne Williams sondert kleine, runde Melodien ab, sie sind melancholisch und nachdenklich. Gitarren finden meist gezupft statt, Keyboards erzeugen atmosphärische Klangfülle, Klaviernoten akzentuieren meistens nur einzelne Passagen.

Die Songs sind mehr Klangerlebnis als Popsongs, sie schweben. Selten treffen sie wirklich auf den Boden. Einiges an dem Song "Eyes Like Bottles" erinnert an die isländischen Soundwerkler von Sigur Rós. Vereinzelt treten im Laufe des Album immer wieder interessante Geräusche auf, die zwar ungewöhnlich sind, aber sich nie damit brüsten.

Vermutlich stammen sie aus der Nachbearbeitungsphase. Die fand, wie der Name es andeutet, nach den Aufnahmen statt. In New Jersey, tüftelten die Musiker mit David Fridman (Mercury Rev, Flaming Lips) Geräusche aus, indem sie reihum die Instrumente austauschten. Warum auch nicht, die interessantesten Dinge geschehen schließlich oft, ohne dass man wirklich weiß, was abgeht.

Die Frage ist, was bleibt unter dem Strich eigentlich von "Having" übrig? Woran erinnert sich der Hörer? Vermutlich nicht an einzelne Songs, eher an den Gesamteindruck. Die Tracks heben sich nicht wesentlich voneinander ab, wenn die Musik im Hintergrund läuft, werden die einzelnen Lieder kaum als solche wahrgenommen, weshalb ich auch kaum Lieder herausheben kann. An manchen Stellen erinnert "Having" an die teils uferlosen Stücke des letzten Maximilian-Hecker-Albums "Lady Sleep".

Trespassers William geben ein gutes Gefühl, das kaum näher zu beschreiben ist. Die Songs sind nicht griffig, aber durchaus gemütlich und angenehm, sie fransen aus wie der Stoff eines alten Sofas, sind weich und warm. Es fällt schwer, diese Musik wirklich zu bewerten. Es gibt eben Menschen, die fühlen sich auf alten Stoffsofas wohler als auf neuen Ledersesseln. Die werden sich vielleicht auch hier zuhause fühlen.

Trackliste

  1. 1. Safe, Sound
  2. 2. What Of Me
  3. 3. Weakening
  4. 4. Eyes Like Bottles
  5. 5. I Don't Mind
  6. 6. Ledge
  7. 7. And We Learn In
  8. 8. My Hands Up
  9. 9. Low Point
  10. 10. No One
  11. 11. Matching Weight

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2 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Ich sage hier ja nie, dass ich eine Rezension schlecht finde, aber bei dieser geht es gar nicht anders. Die Musik ist ganz falsch beschrieben.

    Die Lieder werden kaum als solche wahrgenommen, die Songs sind gemuetlich und angenehm, die Band gibt ein gutes Gefuehl? Wer letzteres denkt, weiss wohl ueberhaupt nicht, was Schmerz heisst, damit sind die Songs der Band naemlich voll. Keiner singt sich so kaputt wie Anna-Lynne, keiner schreibt solche Texte. Wenn die das alles wirklich gefuehlt hat, wovon sie da singt, dann kann man sich teilweise schon wundern, dass sie noch lebt und nicht an dieser unendlichen Sehnsucht verreckt ist oder sich kein Messer in den Hals gesteckt hat.

    Wer sowas als Hintergrundmusik hoert, hat sie einfach nicht mehr alle. Das ist doch keine Schmusemusik, es ist voellig depressiv.

  • Vor 12 Jahren

    haste recht. allerdings: subjektivität. ich habe es gestern mit jemandem zu tun gehabt, der gerade the xx entdeckt hatte und das album jetzt einer depressiven freundin zum aufheitern schenken wollte. weil es so schön "unbeschwert" klingt. :rayed:. vielleicht fehlt manchen menschen einfach diese melancholische grundnote in ihrem leben. mit anna-lynne fühlt man sich dann eben wohl.