laut.de-Kritik

Songorientierte Ambient-Tracks mit Kopfkinoanspruch.

Review von

"Es kann sein, dass sich Hörer, die von 'Everyday' beeindruckt waren, nicht für dieses Album interessieren. Das ist ganz natürlich, doch ich hoffe, mit 'Ma Fleur' neue, andere Hörer zu erreichen. Ohne die alten gänzlich zu verprellen, die hoffentlich verstehen und sagen: 'Wir lieben es, denn es ist anders'."

Ich gehöre zu denjenigen Hörern, die von "Everyday" beeindruckt waren! Und ich müsste lügen, würde ich behaupten 'Ich liebe es, denn es ist anders'. Nein, mich überzeugt "Ma Fleur" nicht. 1999 ("Motion") bin ich erstmals auf den Namen Jason Swinscoe gestoßen und war beeindruckt von seinem Gespür für Stimmungen, für differenzierte und spannungsreiche Atmosphären. Diese Begeisterung hielt bei "Everyday" an und begann bei "Man With A Movie Camera" zu bröckeln. Mit "Ma Fleur" geht sie jetzt zwar nicht gänzlich den Bach runter, Euphorie fühlt sich jedoch anders an.

Das ist tragisch! Und ich weine eine kleine "Schade"-Träne, denn eigentlich gibt es für mich nichts Größeres, als Musik, die das Herz ebenso berührt wie den Geist. Diese Fähigkeiten vereinte Swinscoe auf den genannten Alben. Der Geist entwarf bei jedem Hören phantastische Geschichten, Filme mit traumähnlichen Erzählsträngen, Plots von anmutiger Intensität - cineastische Erlebnisse eben. Dass das Herz bei solchen Reisen nicht unbeteiligt bleibt, versteht sich von selbst und es verlieh den einzigartigen Trips des Geistes die entsprechenden Emotionen.

Vielleicht ist meine Tagtraumfähigkeit in den letzten Jahren auf der Strecke geblieben, aber vielleicht liegt meine verhaltene Reaktion auf "Ma Fleur" auch einfach daran, dass Swinscoe dieses Mal auf jazzige Ingredienzien weitgehend verzichtet. "Jazz wurde als Markenzeichen des Cinematic Orchestra eine Art Restriktion des typischen Sounds, den ich fortentwickeln wollte. Ich wollte mehr den akustischen Aspekt herausstellen. Der typische Cinematic-Sound ist im Arrangement und Sound aber immer noch vorhanden."

Seinen Kopfkinoanspruch löst Swinscoe jedoch auch auf der Grundlage von ambienten, songorientierten Kompositionen ein, denn die Platte entstand als Soundtrack für einen geplanten Film, der von Liebe und Verlust handelnd "von Szene zu Szene eine andere Geschichte zu einem anderen Zeitpunkt des Lebens erzählen und den Zeitraum von Geburt bis Tod als Reise beschreiben" will. Fontanella Bass (mit der Swinscoe schon auf "Everyday" zusammenarbeitete) übernimmt in diesem Plot den Part der alten gereiften Protagonistin. Für das Mid-Life ist die Mercury-Preis nominierte Louise Rhodes (Lamb) verantwortlich, und der talentierte, aber bislang unbekannte Sänger Patrick Watson nimmt sich der Sturm- und Drangjahre an.

"Es fühlt sich gut an, zur Schlichtheit der Kombination von Gitarre, Stimme und Piano zurückzukehren" erläutert der Mastermind das Albumkonzept. Bei vielen meiner schreibenden Kolleginnen und Kollegen löst er damit wahre Begeisterungsstürme aus. Bei mir nicht! Nein, verprellt hat mich Jason Swinscoe mit "Ma Fleur" nicht, aber Liebe fühlt sich definitiv anders an!

Trackliste

  1. 1. To Build A Home
  2. 2. Familiar Ground
  3. 3. Child Song
  4. 4. Music Box
  5. 5. Prelude
  6. 6. As The Stars Fall
  7. 7. Into You
  8. 8. Ma Fleur
  9. 9. Breathe
  10. 10. That Home
  11. 11. Time & Space

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