Porträt

laut.de-Biographie

Sun Diego

Sun Diego gehört zu den Rappern aus dem 2000er-RBA-Kosmos, die ihren Rap-Stil bis heute ernsthaft von der Battlerap-Szene haben beeinflussen lassen. Unter dem Namen Capri Sonne befreundet er sich Anfang der 2000er mit Kollegah und John Webber. Sie formen zusammen wohl den Grundstein von dem, was unter dem Schirmbegriff des Technikraps einen guten Teil der Zehnerjahre im Deutschrap prägen wird. Bevor Ersterer seiner Karriere jedoch einen immensen Push verleihen sollte, gründet er mit zweitem das Label Moneyrain Entertainment.

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Ich habe mir die volle halbe Stunde "Rostov On Don / Apocalyptic Endgame" angehört, damit ihr das nicht tun müsst.
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"Ruski Tape" heißt das Projekt, das Diego und Webber 2008 gemeinsam veröffentlichen und so erstmals auch in Platten-Form von ihrer RBA-Bekanntheit profitieren. Es bleibt ein Nischenprodukt, gibt ihnen aber zumindest die Visitenkarte, um bei anderen Artists anklopfen zu können. Und natürlich läuft es dann auf den einen heraus, der schon seit Beginn ihrer Karrieren wohl die größte Chance auf Erfolg hat: 2009 holt Kollegah Diego auf den Prestige-trächtigen Selfmade Records-Sampler "Chronik 2" - eine Großchance für eine junge Karriere, die er nutzt, um die Zusammenarbeit der beiden weiter auszubauen.

Schon seit Mitte der Zweitausender wendet Diego einen von T-Pain inspirierten Autotune-Stil an, der gerade um 2010 polarisiert, sich aber spürbar abhebt. Als dann 2011 Kollegah zu Diego nach Osnabrück fährt, um in großflächiger Zusammenarbeit das "Bossaura"-Tape aufzunehmen, geht die Bekanntheit des Rappers mit jüdisch-ukrainischen Wurzeln spürbar nach oben. Aber auch die negative Rückmeldung wächst auf das kontroverse Autotune-Projekt von Kollegah.

Einer der stimmkräftigsten Kritiker wird Julien Severing, auch bekannt als Juliens Blog. In einer seiner damals semi-viralen "Rapanalysen" nimmt er den Autotune-Einsatz des Rappers auf Korn und nennt ihn im Grunde genommen über zwanzig Minuten vorrangig "schwul". Es sind andere YouTube-Zeiten, plumper Humor wirkt wie ein Ticket zum Fame. Und statt sich über den Verriss aufzuregen, nimmt Diego Kontakt zum YouTuber auf, der sich bald auszahlen soll.

2013 reicht ein Rapper in einem Spongebob-Kostüm seine Qualifikation für das erfolgreiche Videobattle-Turnier JBB ein. Das Videobudget und der technisch versierte Rap unter der gekünstelten Stimme erregen große Aufmerksamkeit: Nicht nur weil die Wie-Vergleiche und der Technik-Flex von Spongebozz den Geschmack des Publikums mit Bravour trifft, sondern auch, weil sofort die Frage laut wird, wer unter der Maske steckt. Über ein Jahr agiert er in diesem Battlerap-Kosmos und bleibt in der Zeit ungeschlagen, sein dreißig-minütiger King-Final-Epos gegen den Finalisten Gio fährt bis heute über zwanzig Millionen Aufrufe ein.

Hype, auf den sich aufbauen lässt, vor allem, solange die Identität weiterhin die Aufmerksamkeit aufdonnert. Dass Spongebozz Sun Diego ist, das könnte man an dem Punkt immerhin schon als bestätigt sehen, haben doch sowohl John Webber als auch Kollegah das offen zu Protokoll gegeben, aber eine öffentliche Äußerung gab es noch nicht. Lieber veröffentlichte er mit "Planktonweed" ein Album, das erstmals außerhalb der Bubble geteilte Reviews für den Stimmeinsatz und die Technik-fixierte Rap-Performance einstecken muss. Mit "Started From The Bottom/Krabbenkoke" legt 2015 ein weiteres Album nach, das sich gut verkauft.

2017 wird die Karriere des Halb-Schwammes jedoch auf Eis gelegt, weil nach jahrelang ausbleibender Steuererklärung die Polizei Diegos Studio durchsucht und Drogen sowie scharfe Waffen vorfindet. Mehrere Jahre befindet er sich im legalen Limbo, aus dem ihm schließlich vor allem gute Anwaltsarbeit hilft. In der selben Zeit lässt er den Welt-Redakteur Dennis Sand eine Biographie schreiben, die unter dem Namen "Yellow Bar Mitzwah" die Lebensgeschichte des Rappers und seines Alter Egos nacherzählt. Völlig unvoreingenommen publiziert Sand in der selben Zeit einen Artikel, in dem er behauptet, Sun Diego sei derzeit objektiv der beste Rapper des Landes.

Erst Ende 2021 kommt es zu einem offiziellen Comeback: Mit dem erneut dreißigminütigen Song "Rostov On Don / Apocalyptic Endgame" meldet sich Diego zurück und erzählt ausgiebig seine Lebensgeschichte neu nach. Das ebenfalls "Yellow Bar Mitzvah" betitelte Album soll 2022 erscheinen.

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    https://www.instagram.com/sundiego/?hl=de