laut.de-Kritik

Reggae, Soul, Funk und Hip Hop zum Hinhören und Abfeiern.

Review von

"Wer ständig Zuckerwatte isst, verdirbt sich den Magen!" Was Tim Renner, Chef des Universal-Labels, in der Popmusik vermisst, ist zuweilen der Tiefgang, die Ecken und Kanten, eine Auseinandersetzung, etwas zum Reiben. Michael Franti, Mastermind von Spearhead ist der gleichen Meinung: "Wir haben zur Zeit keine Labels, die nach dem nächsten John Lennon, Bob Dylan oder Bruce Springsteen Ausschau halten. Sie suchen die nächste Britney Spears!"

Das ist auch der Grund, warum er sich nach zwei erfolgreichen Alben ("Home" und "Chocolate Supa Highway") aus dem Majorzirkus zurückzog. Mit "Everyone Deserves Music" präsentiert er nun das zweite Album auf seinem eigenen Label Boo Boo Wax. Ausgestattet mit künstlerischer Freiheit, einer politischen Meinung und dem festen Willen diese auszudrücken, kann er seine Idee tiefgründiger Popmusik ohne Einschränkung verfolgen.

"Ich wollte einen Soundtrack für unsere Zeit schreiben, der die ganzen Spannungen ausdrückt, die ich fühle, aber zugleich auch ein wenig gute Laune verbreitet". Gute Laune verbreiten seine Kompositionen allemal, auch wenn sie für "Everyone Deserves Music" eingängiger und kantenglatter daher kommen. Es sei ihm verziehen, ist die Musik für ihn lediglich das Vehikel um die Menschen überhaupt zu erreichen.

"Die Leute sollen erst die Musik mögen und dann nach und nach hinter den Sinn der Texte kommen. Ich will niemandem meine Message mit der Brechstange über den Kopf schlagen, sondern Menschen, die vielleicht ganz anders denken als ich, dazu bringen, ihre Perspektive zu verändern."

Musikalisch bewegt er sich - trotz Mainstreamtendenzen - auf ihm vertrautem Terrain: Reggae, Soul, Hip Hop, Funk und Jazz verschmelzen zu eingängigen Mixturen, die zum Abfeiern ebenso einladen wie zum bedächtigen Hinhören. Getreu dem Motto "Conscious Music For The Masses" offeriert er seine zwölf Tracks.

"Auf "Pray For Grace" und "Bomb The World" unterstützen ihn dabei die Reggae/Funk-Legenden Sly and Robbie (u.a. Grace Jones, Rolling Stones, Black Uhuru, No Doubt). Sie helfen ihm, die Albumbotschaft funky und tanzbar rüber zu bringen: "We Can Bomb The World To Pieces, But We Can't Bomt It Into Peace".

Trackliste

  1. 1. What I Be
  2. 2. We Don´t Stop
  3. 3. Everyone Deserves Music
  4. 4. Never Too Late
  5. 5. Bomb The World
  6. 6. Pray For Grace
  7. 7. Love, Why Did You Go Away
  8. 8. Yes I Will
  9. 9. Feelin Free
  10. 10. Love Invincible
  11. 11. Bomb The World (Armageddon Version)
  12. 12. Crazy Crazy Crazy
  13. 13. Taxi Radio

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