laut.de-Kritik

Wenn Kinder reicher Eltern Musik machen ...

Review von

Der Albumname "Pershing" bezieht sich auf die historische Figur John Joseph "Black Jack" Pershing, der im ersten Weltkrieg Befehlshaber der US-amerikanischen Truppen an der Westfront war.

Warum sie diesen Namen wählten, erklärt die Band so: "Die meisten Städte in Amerika haben eine Pershing Straße, einen Park oder eine Schule. Die meisten Leute haben keine Ahnung wer er war. Ich denke einfach, es ist komisch, wenn wir toten Menschen Tribut zollen, die einmal berühmt waren."

Das Problem ist leider nur, dass SSLYBY ähnlich vergessen klingen. So ungefähr müssen sich zufriedene Jugendliche fühlen, die genug Geld der Eltern in der Tasche haben, gegen nichts mehr zu rebellieren brauchen, und auch sonst kaum was zu sagen haben. "You Could Write A Book". Oder es auch sein lassen. Oder einfach Musik machen.

Eigentlich geht's der Band ja prima. Das erste Album hat gleich mal richtig reingehauen, sie haben die Welt bis nach Russland betourt, was will man mehr? Genau: Nichts nämlich. Nur die gepflegte Melancholie, die ist halt so schön. An sich kein Problem, mir soll es ja egal sein. Nur, ähm, "by the way I feel nothing".

Keine Frage, die Musik der Springfielder ist schon verdammt gut und drängt Vergleiche mit Pavement und Pinback auf. Der Sound klingt extrem sauber und die Instrumente ergänzen sich aufs Feinste mit dem sanften Gesang. Gekonnte Rhythmenwechsel peppen die Songs spielerisch auf, dass so manche andere Band direkt neidisch werden könnte.

Super eigentlich, könnte man meinen. Nur ist das auch schon das Problem. Pershing ist zu perfekt. Primäres Ziel der Musik ist doch die Vermittlung einer emotionalen Botschaft oder Stimmung. Sei es eben, dass man sich doch bitte eine Kugel ballistisch in den Kopf setzen solle, oder auf der Stelle seinen Staubsauger zum ejakulieren heraushole, oder sonst was.

Doch nicht so bei SSLYBY. Die Songs plätschern so gemächlich vor sich her und man fragt sich: Wozu eigentlich? Musik um der Musik willen? Ein zweites Album, weil es ein erstes gab? Selbst wenn in manchen Liedern mal lauter gesungen wird, hört sich das eher lustlos an. Eine Emotion stellt sich beim Hörer nicht ein. Es passt eben zum Song, und das war's dann.

Natürlich sagen sie auch manchmal so Sachen, die man als Jugendlicher eben zu sagen hat: "Think I wanna die, if you don't stay" und sowas. Meistens klingt es aber schon so: "I said I'm sorry for the way I've been/she says that's ok" oder "If you don't choose me/you gonna loose me". Ja bitte, wenn's denn so ist. Das ist dann wohl moderner Liebeskummer? "There is no modern mystery" und wenn es so etwas noch gäbe, dann findet sich hier keine Antwort und kein Hinweis.

Die Frage ist, ob man das wirklich will? Eine Welt ohne Probleme, mit der Musik von SSLYBY. Wer sich darin wiederfindet, kann mit "Pershing" jedenfalls ein super Album erwerben. Für den Rest gilt: Musik zum Hören, während eines netten Gesprächs mit den Nachbarn. Und danach wieder zum Vergessen.

Trackliste

  1. 1. Glue Girls
  2. 2. Boring Fountain
  3. 3. Dead Right
  4. 4. The Beach Song
  5. 5. Modern Mystery
  6. 6. Some Constellation
  7. 7. Think I Wanna Die
  8. 8. You Could Write A Book
  9. 9. Oceanographer
  10. 10. Heers
  11. 11. Doris Tailspin (Boring Mountain)

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5 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Dieses Review ist ein Skandal. Von einem Rezensenten der Ashlee Simpson 3 von 5 Punkten gibt bekommt eines der besten, wenn nicht sogar DAS beste, Pop Album des bisherigen Jahres 2008 nur 2 von 5 Punkten?

    Das Album ist von vorne bis hinten wirklich grandios, mit einer ganz kleinen Ausnahme: Oceanographer. Das Lied ist absolut nicht schlecht nur eben nicht so gut wie der Rest des Albums.
    "Pershing" besticht durch grandiose Hooks und Riffs und beinhaltet auf allen Posten eine Kreativität von der sich diverse "große" Bands mehr als eine Scheibe abschneiden SOLLTEN!
    Was ist so schlimm daran über vermeintlich unwichtige Sachen zu singen? Das sind einfach 3-4 junge Männer die Spaß daran haben Musik zu machen. Und das merkt man, vorallem wenn man die Band live sieht. Und das ist gut so!

    Von mir bekommt es MINDESTENS 4 von 5 Punkten.

  • Vor 11 Jahren

    danke für deine worte. ohne sie könnten wir nicht existieren.

  • Vor 11 Jahren

    ich find die auch nich so übel...

  • Vor 11 Jahren

    Danke, danke für diese kaum absolut subjektive Rezension. "Zu viel Geld, mal eben hier wischiwaschi"... meine Fresse da lehnt sich aber einer sehr weit aus dem Fenster. Meiner Meinung nach einfach nur eine solide Indie/Pop Platte mit einem Schuss Folk. Kann diese Bewertung absolut nicht nachvollziehen, sogar eher eine Frechheit, hier einfach Unterstellung vom Bann zu reißen. Sry, aber das ist einfach nur schlecht.

    "Musik um der Musik willen?"

    ähm... ok. n/c