laut.de-Kritik

Der Nordberliner setzt an zum "Roundhousefick".

Review von

Nein, große Varianz ist nicht vorgesehen, in Shacke Ones kleiner Welt im Norden Berlins. Die Titel der bisherigen beiden Alben "Stecks, Schmiers & Suff" und "Bossen & Bumsen" geben den Themenkosmos des "Boss' von der Panke" absolut treffend wieder. Zusammen mit Kumpel MC Bomber steht Shacke seit 2014 als Achse des Nordens für prolligen Battlerap direkt aus der Kneipe. Alles andere als substantiell, aber unterhaltsam. Aber trägt das Konzept "Prollhumor trifft auf Kopfnickerbeats" dauerhaft?

Kleinere Bedenken über Abnutzungserscheinungen habe ich schon, als ich mich dem dritten Album nähere. Die zerstreut "Shackitistan" allerdings ziemlich schnell in alle Winde. Wenn es um Battlerap geht, macht Prinz Shackito eben noch immer kaum einer was vor, und solange der selbsternannte "Hurensohnzerstampfer" derart freigiebig mit unterhaltsamen Punchlines um sich schmeißt, kommt (anders als beim Buddy) keine Langeweile auf.

Unnachahmlich hektisch und dicht brettert der Nordberliner über die Oldschoolbeats, die ihm Achim Funk und Klaus Layer bereitstellen. "Cypher Mobbing" steht auf dem Stundenplan: "Meine Gang Nummer eins, du bist nur der dritte Torwart."

Shacke ist ein höflicher Mensch und weiß, bei wem er sich zu bedanken hat. Referenzen zollen den Berliner Urgesteinen Orgi und Bushido Respekt. Der Ton mag ähnlich rau sein. Was Augenzwinkern und Wortwitz angeht, ist er seinen Lehrmeistern allerdings um Längen voraus.

Das ganze phallozentrische Weltbild von Shacke ist dermaßen überzeichnet, dass man ihm die Nordberliner Prollschnauze gerne durchgehen lässt. Wer sich dennoch am rauen Ton und den "verdorbenen Zeilen" stößt, dem rät Shacke, sich anderweitig umzugucken: "Kauf dir doch das neue Prinz Pi Album zum Geburtstag."

Im Norden nichts Neues, also? Nicht ganz. Die klassische Mischung aus Boombap und Funk erweitert das dritte Album hier und da um neue Facetten. Während Shacke selbst ganz seiner Nordberliner Kneipenwelt verhaftet bleibt, blicken die Hausproduzenten Klaus Layer und Achim Funk den Blick auch über die Grenzen der Hauptstadt hinaus. Die Hook zum (obligatorischen) Sufflied "LaLaLa" etwa ist ein 70er Jahre-Sample eines kolumbianischen Schwesternpaars. Hausaufgaben gemacht. Onkel Madlib wäre stolz.

Zugegeben, nicht jeder Beat funktioniert gleich gut. Für einen Song das Gluckern einer Bong zu nehmen, klingt auf Platte nicht wirklich besser, als es sich hier liest. Dafür könnte man die Highlights im Hip Hop-Duden problemlos als Definition des Wortes "Brett" angeben.

"Untergrundhaft" wabert düster aus den Boxen und bietet die optimale Plattform für die MC-Demontage. Noch stärker ist der Titeltrack. Ein Gitarrenlick trifft auf Boombap und sorgt für unwiderstehliche Sogwirkung, und dann legt die Hook nochmal einen drauf. Wenn es davon in Shackes schöner neuer Welt noch mehr gibt, dann bitte ein Ticket nach "Shackitistan". Ohne Rückfahrkarte.

Bis auf den letzten Song bestreitet Shacke das Album alleine. Auf "Nordachse Militär" tauchen mit Morlockk Dilemma, MC Bomber und der Nordachse-Crew die üblichen Verdächtigen auf. Bis auf Morlockks Part bleibt davon leider kaum etwas hängen.

Wenn am Ende neben den Features der größte Kritikpunkt eines Albums seine kurze Laufzeit ist, kann man sonst so viel nicht falsch gemacht haben. Leider ist Shackitistan mit 27 Minuten arg kurz geraten. Da wäre sicher Raum gewesen, noch so manchen "kleinen Husolini" mehr platt zu machen.

Trackliste

  1. 1. Ankunft
  2. 2. ShackNorris
  3. 3. Nordachse FM
  4. 4. LaLaLa
  5. 5. Cypher Mobbing
  6. 6. Untergrundhaft
  7. 7. Bermudadreieck
  8. 8. Shackitistan
  9. 9. PillePalle
  10. 10. Nordachse Militär

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LAUT.DE-PORTRÄT Shacke One

"Nordberlin! Betret' den Kosmos und begreife, unser Leben spielt sich ab zwischen Zugdepot und Kneipe. Ich bin hungrig und verteil' Platzverweise an Dullis.

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