laut.de-Kritik

Epischer Dark Metal: Wie der Soundtrack zu Lovecrafts Stories.

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Vor drei Jahren meldeten sich Septic Flesh mit "Communion" aus ihrem Dornröschen-Schlaf eindrucksvoll zurück. Höchste Zeit also, zu beweisen, dass mit den Griechen auch auf Dauer wieder zu rechnen ist: "The Great Mass" steht dem Vorgänger tatsächlich in nichts nach.

Obwohl die Songs in Sachen Härte wohl die Nase etwas vorne haben, wurde erneut - nach der erfolgreichen Kooperation auf "Communion" - mit dem Prager Philharmonie-Orchester gearbeitet. Und gleich der Opener "The Vampire From Nazareth" zieht stellenweise ganz schön vom Leder. Zur Gänze verzichten sie natürlich nicht auf klassische Orchestrierung - und auch die Verwendung von folkloristischen Elementen bleiben.

Allerdings sind diese Elemente mittlerweile dermaßen flüssig und natürlich in ihre Songs eingebunden, dass man sie dies dank der genialen Atmosphäre gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. So erschaffen die Griechen zehn epische Dark Metal-Stücke, die auch vor der gelegentlichen Raserei des Black Metals nicht Halt macht. Klargesänge von Weiblein und Männlein (in dem Fall Gitarrist Sotiris Vayenas) tauchen zwar auf, treten aber nie in wirkliche Konkurrenz zu den harschen Growls von Basser Seth.

Während Septic Flesh finanziell wohl deutlich kleinere Brötchen backen als Dimmu Borgir, muss man sie musikalisch langsam aber sicher als echte Konkurrenz ansehen. Zumal sie ein Händchen für wirklich große Melodie haben ("Pyramid God"). Hier schimmert fast schon ein wenig von Samael durch, so eingängig gerät der Track.

Dennoch hat man nie das Gefühl, dass die Band mit kommerziellem Kalkül arbeitet. Vielmehr ist es die düstere, mitunter gar dämonische Atmosphäre des Songs, die mit unterschiedlichen Mitteln erzeugt werden soll. Wer die akustische Untermalung zu Lovecrafts Geschichten gesucht hat - hier ist sie. Wie bei den Stories des Autors liegt der wahre Horror, die wahre Essenz unter mehreren Schichten verborgen.

Gerade das hektisch wirre "Mad Architect" bringt das Kopfkino voll in Gang. Und wenn Gitarrist Sotiris im abschließenden, sehr melodischen "Therianthropy" öfter das Mikro übernimmt, zeigt das nur eindrucksvoll, wie vielfältig und spannend Septic Flesh mittlerweile zu Werke gehen.

Trackliste

  1. 1. The Vampire From Nazareth
  2. 2. A Great Mass Of Death
  3. 3. Pyramid God
  4. 4. Five-Pointed Star
  5. 5. Oceans Of Grey
  6. 6. The Undead Keep Dreaming
  7. 7. Rising
  8. 8. Apocalypse
  9. 9. Mad Architect
  10. 10. Therianthropy

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4 Kommentare

  • Vor 13 Jahren

    okay, mit "lovecraft" hattest du mich auch wenn die genrebezeichnung "dark metal" mich immer was irritiert und an komische industrial synth bands erinnert.

  • Vor 13 Jahren

    Zündet bei mir überhaupt nicht. Wirkt so seelenlos kalkuliert zusammengeschustert.
    Hier ein großer Happen Dimmu Borgir, klassischer Death Metal, bißchen Heavy Metal/Powermetal, female vocals natürlich um auch gothic drin zu haben und am Ende alles mit einem Orchester zugekleistert.
    Mir fehlt da eine klare Linie. Ich frage mich die ganze Zeit "was wollen die denn noch alles?".
    Das ist einfach zuviel...

  • Vor 13 Jahren

    Für mich auch viel zu viel des Guten. Symphonic Death Metal - zu verwässert und ohne Linie. Dann noch Gothic Metal-Anleihen. Ist sicherlich eine Platte, die von abgöttisch gut, bis absoluter Quark bewertet werden würde, wenn man mal so im Metal-Bereich nach der Meinung fragt.

  • Vor 13 Jahren

    dem ist wohl so.
    ich persönlich finde das teil richtig geil.
    neben dimmu, old man's child und ein bis zwei weiteren combos ist die schnittmenge jener bands, die es drauf haben, zwischen kitsch, folk und black/death-härte ein echtes brett anzuliefern.
    rein handwerklich sind die griechen ohnehin eine klasse für sich.